Lessing-Realschule hat weiterhin Bestand

„Das Wunder von Grevenbrück“

Bernhard Willmes, Vorsitzender des Fördervereins der Lessing-Realschule.

In der vergangenen Woche erhielt die Lessing-Realschule von der Bezirksregierung in Arnsberg grünes Licht für ihren Fortbestand – parallel zur neuen gemeinsamen Sekundarschule für die Städte Lennestadt und Kirchhundem (wir berichteten). Wie groß die Erleichterung über diese Entscheidung ist, wie der Prozess zur Umstrukturierung der Schullandschaft an den Nerven gezerrt hat und wie es nun in Grevenbrück an der einzig im Kreis Olpe verbliebenen Realschule in öffentlicher Trägerschaft weitergeht, verriet Bernhard Willmes, Vorsitzender des Fördervereins, am Donnerstag im Interview mit SauerlandKurier-Redakteur Sven Prillwitz.

Herr Willmes, wie haben Sie das Jahr 2013 in Ihrer Funktion als Vorsitzendes des Fördervereins erlebt?

Willmes: „Es war ein ständiges Auf und Ab. Wir erhielten die Nachricht, dass die Realschule auslaufen sollte. Aufgrund der niedrigen Meldezahlen, die wir erstmals seit Jahrzehnten hatten, haben dann wir die geforderte Zweizügigkeit, die Bildung zweier Parallelklassen, die die Bezirksregierung vorschreibt, nicht erreicht. Dann ging es nur noch um den Erhalt des Schulstandortes als Dependance der Sekundarschule. Schulleitung und Lehrer waren verunsichert.“

Die Realschule feierte im vergangenen Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Nach Jubiläumsfeierlichkeiten dürfte Ihnen aber nicht zumute gewesen sein...

Willmes: „Auf einen großen Festakt hatte die Schule nach einer solchen Nachricht natürlich keine Lust. Es war uns aber wichtig, dennoch zu feiern, auch wenn wir nur auf kleiner Flamme gekocht haben.“

Wie haben Schulleitung und Lehrer das vergangene Jahr erlebt?

Willmes: „Alle waren verunsichert, die Stimmung gedrückt. Das hat sich den Schülern gegenüber aber niemand anmerken lassen; stattdessen waren sich alle einig, hier wie gewohnt engagiert und begeistert weiterzumachen.“

Wie groß war die Erleichterung, als offiziell bekannt gegeben wurde, dass die Lessing-Realschule nun doch als eigener Schulstandort erhalten bleibt?

Willmes: „Uns ist ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen, weil die Schule ja schon totgesagt waren. Es war das Wunder von Grevenbrück. Und die Entscheidung ist auch für den Stadtteil wichtig. Die Lessing-Realschule ist eine traditionsreiche Schule, die in ganz Lennestadt und Umgebung ein hohes Ansehen genießt. 60 Prozent der Absolventen schaffen die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe. Heimische Unternehmen stellen außerdem gerne Schüler ein, die hier ihren Abschluss gemacht haben.“

Ist der Zeitpunkt, die Entscheidung zum Erhalt der Schule bekanntzugeben, nicht etwas unglücklich gewählt, weil die meisten Beratungsgespräche für Eltern an den Grundschulen schon gelaufen sind und die Anmeldetermine für die weiterführenden Schulen Anfang Februar anstehen?

„Werbetrommel kräftig rühren“

Willmes: „Rein zeitlich gesehen kommen wir etwas in die Bredouille, weil wir ja als Realschule als Auslaufmodell galten. Jetzt hat die Schule nur wenig Vorbereitungszeit, aber die werden wir intensiv nutzen. Am 1. Februar findet ein Tag der offenen Tür statt, mit dem wir auf unsere zahlreichen Angebote hinweisen werden. Außerdem werden wir kräftig die Werbetrommel rühren.“

Die Lessing-Realschule ist ab Sommer die einzige Realschule im Kreis Olpe in öffentlicher Trägerschaft. Gibt es weitere Besonderheiten?

Willmes: „Ich würde sagen, dass hier ein besonderes, ein sehr positives Klima herrscht. Der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern ist, auch aufgrund der eher überschaubaren Größe der Schule, etwas persönlicher. Interessant ist auch, dass die vielen freiwilligen Projekte und AGs, die hier angeboten werden, seitens der Schüler auf eine ungemein hohe Akzeptanz und Bereitschaft zur freiwilligen Mitarbeit stoßen. Dafür, dass wir keine Ganztagsschule sind, was auch von vielen Eltern gewünscht wird, ist hier auch an den Nachmittagen viel los.“

Nach dem vielen Hin und Her: Wie blicken Sie, wie blicken Schulleitung und Lehrer nun in die Zukunft?

Willmes: „Wir müssen jetzt zusehen, gute Anmeldezahlen zu bekommen. Das werden wir schaffen, da bin ich mir sicher. Wir blicken jetzt ganz optimistisch nach vorn.“

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