Dauerausstellung rund um Mobilität im „KulturBahnhof“ eröffnet

Neue Ausstellung ist ein dickes Pfund für Grevenbrück

Dr. Katharina Hülscher und Christiana Steuer (beide von der Geschichtsmanufaktur) sowie Szenografin Antonia Gaida (Agentur „please dont touch“) mit Bürgermeister Stefan Hundt (v.l.) bei der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Grevenbrücker KulturBahnhof.
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Dr. Katharina Hülscher und Christiana Steuer (beide von der Geschichtsmanufaktur) sowie Szenografin Antonia Gaida (Agentur „please dont touch“) mit Bürgermeister Stefan Hundt (v.l.) bei der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Grevenbrücker KulturBahnhof.

„Ein besonderer Abend für Grevenbrück, für den Bahnhof und für ganz Lennestadt.“ Mit diesen Worten begrüßte Martin Steinberg (Fachbereichsleiter Kultur) die Gäste zur Eröffnung der Dauerausstellung im Grevenbrücker „KulturBahnhof“. Die neue kulturelle Attraktion dreht sich vor allem um die Ruhr-Sieg-Strecke und den Wandel der Mobilität. 

Grevenbrück - Die Wetterbedingungen hätten an diesem Abend zwar ein bisschen besser sein können, dennoch entschied man sich aufgrund der Pandemie dafür, die Ausstellungseröffnung in den Außenbereich des Grevenbrücker Bahnhofs zu legen. Steinberg begrüßte neben Antonia Kriehl (zuständige Mitarbeiterin der Stadt Lennestadt für Museen und Dauerausstellungen) besonders Dr. Katharina Hülscher sowie Christina Steuer von der Geschichtsmanufaktur, die bei den Planungen der neuen Ausstellung mit ihrer Konzeption überzeugt hatten.

Gebäude damals für 1 Euro gekauft

Das Grußwort sprach der scheidende Bürgermeister Stefan Hundt. Er freute sich, in den letzten acht Tagen seiner Amtszeit dieses „großartige Projekt“ vorstellen zu können. Mit Blick auf den ebenfalls anwesenden zukünftigen ersten Mann der Stadt Tobias Puspas sagte er mit einem Augenzwinkern: „Das hier ist kein Sackbahnhof – auch wenn der Lokführer wechselt.“ Hundt ging auf die Geschichte des Bahnhofs ein. Errichtet bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Sandstein aus dem Weserbergland, mit allerlei Höhen und Tiefen, war zu Beginn der 2000er Jahre sicher der absolute Tiefpunkt erreicht. So kaufte man das Gebäude 2003 für den symbolischen Euro von der Bahn.

Das Gebäude war in einem miserablen Zustand. Richtung Gleise musste der Giebel gesichert werden, er drohte auf den Bahnkörper zu fallen. Abriss – oder das Haus einem anderen Zweck zuführen, diese alles entscheidende Frage stand an. Man entschied sich für den Erhalt. Summa summarum wurden drei Millionen Euro verbaut.

Gastronomie, Standesamt und Kultur beleben

Zunächst wurde 2013 ein gastronomischer Betrieb unter der Leitung von Rolf Schauerte etabliert. 2019 übernahmen Eva und Michael Knoche das Geschäft. Nach und nach wurde der Bahnhof außerdem ein Kommunikationszentrum. Rund 200 Paare gaben sich in der Außenstelle des Standesamtes bereits ihr Ja-Wort. 2018 stiftete die Sparkasse einen Steinway-Flügel und zahlreiche Versammlungen und Veranstaltungen konnten im historischen Gebäude durchgeführt werden.

Mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung kommt sozusagen der letzte Mosaikstein hinzu. Ihren maßgeblichen Anteil hatte die Geschichtsmanufaktur, die hier ein sehenswertes und überaus informatives Highlight geschaffen hat. Stefan Hundt dankte in seinen Worten ausdrücklich Jürgen Kalitzki; er hat den Kontakt hergestellt, und der Besucher kann sich hiervon in eindrucksvoller Weise überzeugen.

Historische Bilder, erklärende Tafeln und alte Exponate machen die Ausstellung interessant.

Beginnend im Obergeschoss mit einem Zeitstrahl, wird zunächst die Planung und dann ab 1855 die Errichtung der Bahnstrecke beleuchtet. Es gab durchaus mehrere Streckenvarianten – das Nachsehen hatten damals die Städte Attendorn und Olpe. Denn man entschied sich dafür, den jetzigen Verlauf zwischen Hagen und Siegen zu bauen. Mit der Fertigstellung im Jahr 1861 folgte ein Quantensprung, denn mit dem Schienenverkehr konnten Güter und Waren in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß transportiert werden. Beispiel: Sachtleben aus Meggen brachte bis zu diesem Zeitpunkt unzählige Pferdefuhrwerke auf die Straßen um das anfallende Gestein zu bewegen. Von einem Tag auf den anderen war der südwestfälische Raum ein prosperierender Wirtschaftsstandort. Menschen aus Nah und Fern fanden ihre Arbeit, auch dank der neuen Bahnverbindung. All diese Aspekte wurden von der Geschichtsmanufaktur in Szene gesetzt.

Zukunft der Mobilität im Fokus

Im ersten Obergeschoss kann sich der Besucher mitnehmen und einbinden lassen. Hier geht es um die Mobilität der Zukunft. Überlegungen, Ideen und Wünsche können mit für zukünftige Projekte der Stadt Lennestadt einfließen. Im Mittelpunkt stehen hier vier Aspekte: 1. Wege zur Arbeit 2. Wie sieht die ideale Stadt aus? 3. Wir bewegen uns immer schneller 4. Wie setzen wir uns in Verbindung.

Im Erdgeschoss angekommen werden die vier Bahnhöfe Altenhundem – Grevenbrück und Meggen – Finnentrop thematisiert. Sehr gelungen ist die gediegene Form der Ausstellung: großen alten Schrankkoffern nachempfunden, können diese im benachbarten Lagerraum ‚verschwinden‘ und so Platz machen für weitere Sammlungen, die dort immer wieder stattfinden werden. Beispielsweise ist ab dem 21. November eine Sonderausstellung zum 125. Geburtstag des heimischen Künstlers Reinhold Bicher vorgesehen.

Der Besucher kann sich ab Mitte Januar 2021 ein Bild von der Dauerausstellung machen. Die Vollendung im Bahnhof ist sozusagen das berühmte Tüpfelchen auf dem „i“, um den Kulturort Grevenbrück noch attraktiver zu machen.

Im Anschluss an den offiziellen Eröffnungsteil konnten sich die Gäste in Kleingruppen, entsprechend den Corona-Regeln ein Bild machen. Dazu spielte der Lennestädter Musiker Christian Behrens am Flügel. Dass zur Eröffnung dann auch noch die Fassade des Bahnhofs stimmungsvoll illuminiert wurde, passte hervorragend zum Gesamtrahmen an diesem Oktoberabend.

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