DFB-Präsident entschuldigt sich

Versöhnlicher Abschluss in der Kirchveischeder Schützenhalle: Thorben Siewer und Freundin Helena Stracke mit (v.l.) Hermann Korfmacher, Theo Zwanziger, Joachim Schlüter, Michael Liedtke und Wolfgang Rawe. Fotos: harpo

Kirchveischede/Kreis Olpe. Die Erleichterung in der voll besetzten Kirchveischeder Schützenhalle war deutlich spürbar.

Vor allem natürlich bei Thorben Siewer aus Schreibershof, der schuldlos in den Fußball-Wettskandal verstrickt war, nachdem die Bochumer Staatsanwaltschaft seinen Namen im Dezember 2009 in Zusammenhang mit dem größten Fußballwettbetrug in Europa an die Öffentlichkeit gebracht hatte. In der monatlichen Belehrung des Kreisschiedsrichterausschusses (KSA) wurde nun am Montagabend ein versöhnlicher Abschluss gefunden.

Dazu war eigens DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger in Begleitung des FLVW-Präsidenten Hermann Korfmacher und des stellvertretenden Vorsitzenden des Verbands-Schiedsrichterausschusses (VSA), Michael Liedtke, angereist. Zwanziger entschuldigte sich in aller Form bei Thorben Siewer: "Es tut mir Leid, dass wir Dir das antun mussten. Du bist ein charakterstarker Junge. Ich wünsche Dir, dass Du in Zukunft alle Deine Ziele erreichst."

Der FLVW-Kreis Olpe hatte auf einer öffentlichen Rehabilitierung durch den DFB bestanden, Dr. Theo Zwanziger sein Kommen auch zugesagt, ohne allerdings einen Termin nennen zu können.

Theo Zwanziger, mit dem zum ersten Mal ein amtierender DFB-Präsident in offizieller Mission den Fußballkreis Olpe besuchte, verteidigte jedoch mit Nachdruck das Vorgehen seines Verbandes und wandte sich direkt an die Schiedsrichter: "Die Integrität, der Schutz des Spiels, steht über allem. Die Schutzsperre ist eine normale DFB-Maßnahme, alles andere hilft nicht, auch nicht dem Spiel. Wenn es einen Verdacht gibt, ist das eine schwierige Situation", in der der DFB nicht anders handeln könne: "Der Fußball genießt unter anderem auch deshalb diesen hohen Stellenwert, weil es Sie gibt und die Menschen davon ausgehen, dass das Spiel nicht manipuliert werden kann und auch nicht manipuliert wird. Wir brauchen Schiedsrichter wie Sie."

Kein einziges Spiel manipuliert worden

Nach Abschluss der Affäre, da sei er sicher, werde sich herausstellen, dass in Deutschland kein einziges Spiel manipuliert worden sei. Spieler hätten zwar Fehler begangen, der Ausgang von Spielen sei dadurch aber nicht beeinflusst worden.

Zwanziger räumte aber auch eigene Fehler im Umgang mit Thorben Siewer ein, Fehler, die auch auf die sehr späte Akteneinsicht zurück zu führen seien: "Es hat Kommunikationsprobleme gegeben. Es war sicher nicht schön für Thorben Siewer, dass er seine angebliche Verstrickung in den Skandal von Journalisten und nicht von uns erfahren hat." Thorben Siewer selbst, der von Dezember 2009 bis August 2010 kein Spiel mehr leiten durfte, zog ebenfalls einen Schlusstrich: "Ende gut - alles gut. Ich bin froh, endlich einen Haken hinter mein persönliches Unwort des Jahres 2010, ,Wettskandal', machen zu können."

Sein Dank galt seinen Eltern Berthold und Petra, Freundin Helena und deren Familie sowie dem ehemaligen FLVW-Kreisvorsitzenden Andreas Hebbeker, Ex-KSO Winfried Alterauge sowie deren Nachfolgern Joachim Schlüter und Wolfgang Rawe: "Ich danke vor allem Andreas Hebbeker, der sofort Partei für mich ergriffen und mir den Rücken gestärkt hat."

In seinen Dank schloss er ebenso alle Schiedsrichterkameraden ein, die ihm ihre Solidarität und Unterstützung zukommen ließen.

"In den neun Monaten habe ich gelernt, was Rechtsstaat bedeutet, und wie langsam die Mühlen der Justiz arbeiten."

Die rückhaltlose Unterstützung für Siewer beeindruckte auch den hohen Gast aus der DFB-Zentrale.

Solidarität hat beeindruckt

"Diese Solidarität hier vor Ort in Deinem Umfeld hat mich riesig gefreut, wenn auch die Anrufe, die ich aus dem Kreis Olpe erhalten habe, nicht immer sehr freundlich waren. Ich bin sicher, dass Dir diese gelebte Solidarität in dieser gnadenlosen Situation sehr geholfen hat."

Auch Michael Liedtke sparte nicht mit Kritik am Verhalten des DFB: "Der Fußballbund wird kaum anders als mit Schutzsperren handeln können. Aber die Veröffentlichung von Thorbens Namen hätte glücklicher laufen können. Es war Thorben selbst, der den DFB über das Auftauchen seines Namens in den Akten der Staatsanwaltschaft informiert hat."

Zum Schiri des Jahres gewählt

Auch der Schwelmer ließ keinen Zweifel daran, dass die Schiedsrichter in Westfalen vom ersten Augenblick an von der völligen Unschuld des inzwischen in der 2. Bundesliga als Schiedsrichterassistent Fungierenden überzeugt gewesen sei und ihn unterstützt habe: "Ich wäre auch heute hierhin gekommen, wenn ich nicht in offizieller Funktion hier wäre, um zu zeigen, dass sich auch der VSA absolut solidarisch erklärt."

Liedtke holte dann im Namen des VSA eine Ehrung nach: Schon im Herbst 2009 war Thorben Siewer zum "FLVW-Schiedsrichter des Jahres 2009" gewählt, nach Rücksprache mit ihm unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und dann im November 2010 in einer VSA-Tagung auch offiziell geehrt worden. Dabei war dem Verband jedoch ein Faux pas mit der Urkunde unterlaufen, so dass Michael Liedtke den Abend der Rehabilitierung mit der Übergabe der "richtigen" Urkunde krönen konnte.

Das Schlusswort gehörte dann Moderator Joachim Schlüter, der an den Besuch von Dr. Theo Zwanziger und Hermann Korfmacher im Kinderhospiz Balthasar am gleichen Tage ansprach und daran erinnerte, dass "Fußball die schönste Nebensache der Welt" sei und es Wichtigeres gäbe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare