Vorteile der "Gastronomie 4.0" nutzen

Auch Gastwirte sind von der Digitalisierung betroffen

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Die Gastronomen Andreas Voss (l.) sowie Oliver und Anja Mester setzen in ihren Betrieben auf elektronische Helfer – und raten auch Kollegen dazu.

Saalhausen/Oedingen. Der Begriff „Industrie 4.0“ ist heute in aller Munde. Technische Grundlage hierfür sind intelligente, digital vernetzte Systeme, mit deren Hilfe eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion möglich ist. Die zunehmende Digitalisierung macht auch vor anderen Branchen nicht halt, weiß Oliver Mester, Gastronom in Oedingen: „Bei uns ist das nichts anderes. Man könnte also von einer Gastronomie 4.0 sprechen."

Im engen Austausch mit seinem Kollegen Andreas Voss aus Saalhausen hat Oliver Mester mittlerweile digitale Helfer in die betrieblichen Abläufe integriert, die den Alltag in der Gastronomie erheblich erleichtern. „Die Dokumentation unserer Prozesse im Hintergrund hat uns in der Vergangenheit fast erschlagen“, erinnert sich Andreas Voss. Egal, ob es um die Reinigung der sanitären Anlagen, den Wareneingang, die Temperatur der Kühlanlagen oder das Wechseln des Frittierfetts in der Küche geht: Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass alle Vorgänge, Aktionen und Zahlen lückenlos festgehalten werden.

Bislang wurden die Notizen klassisch mit Kugelschreiber auf Papierlisten gemacht. „Diese Zettelwirtschaft war allerdings absolut unpraktikabel“, sagt Voss. Deshalb sei man nun auf die Prozessabwicklung via Handy-App umgestiegen. Eine solche Anwendung für das Smartphone oder Tablet bietet für Gastronomen etwa der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) an.

„Jeder unserer Mitarbeiter hat diese App auf seinem Smartphone“, berichtet Andreas Voss. Die Anwendung gebe automatisch Bescheid, wenn ein bestimmter Prozess dokumentiert oder eine Messung durchgeführt werden müsse. Arbeiten, die erledigt sind, werden eingetragen, per Unterschrift besiegelt und schließlich automatisch als erledigt verbucht. „Anschließend kann der eingetragene Wert dann nicht mehr verändert werden“, betont Oliver Mester. So solle eine etwaige Manipulation der Daten verhindert werden. Im Falle einer Kontrolle könne man die gesammelten Daten bequem per USB-Stick weiterreichen.

DSGVO hinterlässt viele offene Fragen

Die App sei ein klarer Tipp für andere Gastronomen, befindet Mester. „Kollegen, die Fragen zur Anwendung haben, können sich gern bei mir melden“, fügt er hinzu. Eine Lanze brechen die beiden Gastronomen auch für digitale Dienstpläne und einen gelungenen Onlineauftritt. Zu Letzterem zählt nicht nur die eigene Homepage, sondern auch die Präsenz auf Buchungsseiten. „Wer online nicht präsent ist, findet nicht statt“, stellt Voss heraus. „Wir konnten unsere Buchungszahlen dadurch, dass wir auf Booking-Portalen im Internet gelistet sind, mindestens verdoppeln“, berichtet Mester.

Kritisch sehen Voss und Mester dagegen die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die künftig den Umgang mit personenbezogenen Daten regelt und strenge Auflagen für Unternehmen – auch in der Gastronomie – vorsieht. „Wir wissen nicht, was wir machen sollen“, sagt Mester – die Vorgaben und ihre Umsetzung seien ein Riesenproblem. Genau das wird Thema beim nächsten Gastgeberstammtisch sein, der am Mittwoch, 13. Juni, ab 15.30 Uhr im "Haus des Gastes" in Oberhundem stattfindet. „Dort wird Almut Hufnagel von ,Sauerland-Tourismus`allgemein über die neue Verordnung informieren“, verspricht Oliver Mester.

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