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Abschaffen oder nicht? Diskussion um Centmünzen erneut entfacht

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Kupferschmuck fürs Portmonee oder doch ein Alltagsheld – Die Ein- und Zwei-Cent-Münze.

Kreis Olpe - Für die einen sind sie im Geldbeutel und an der Kasse lästig und unnötig, andere wollen das Kupfergeld nicht missen: Der geplante Vorstoß der EU-Kommission, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen, stößt auf geteilte Meinungen.

Eine einheitliche Aussage gibt es beispielsweise im Handel nicht. „Wir sind in der Frage etwas zwiespältig“, erklärt Karina Brühmann, Assistentin der Geschäftsführung des Handelsverbands Südwestfalen in Arnsberg. Zu unterschiedlich sei der Umgang mit Kleinbeträgen in den Branchen. Die Branchen wären unterschiedlich stark betroffen, würde das Kupfergeld abgeschafft. Ein sehr empfindlicher Bereich sei der Einzelhandel, der Produkte des täglichen Lebens, wie Lebensmittel- und Drogerieprodukte im Sortiment hat. Auf den Preisschildern prangen hier oft Schwellenwerte, wie 1,99 oder 2,99 Euro. Eine Abschaffung der kupferfarbenen Münzen, würde nach Einschätzung der Branche zur Verunsicherung bei den Kunden führen, die sich um die Preisstabilität sorgen. „Es sind Produkte, bei denen die Kunden auf Cents gucken“, sagt Brühmann, über die Spezifika des Kundenverhaltens und der Preisgestaltung in diesem Sektor. Auch die Kunden, die auf den Cent achten müssen, dürfe man nicht vergessen, so Brühmann. 

Anders der Sektor, der langlebige Güter, wie Schuhe, Möbel und Textilien in den Regalen hat. Hier würden Kleinbeträge eine weniger große Rolle spielen. Dort herrsche der Tenor: „Wir brauchen die kleinen Münzen nicht.“ Die Tendenz, dass Kunden immer häufiger mit EC-Karte, statt mit Bargeld zahlen steigt. So mit hätten auch immer weniger Kunden viel Kleingeld im Portemonnaie. Und alle, die an der Kasse kein Klimpergeld zurückbekommen möchten, können bei der Aktion „Deutschland rundet auf“, die kleinen Münzen für soziale Bereiche spenden, erinnert Karina Brühmann. „Im Moment regelt es der Markt alleine“, sagt Karina Brühmann über die aktuelle Debatte. 

Hauptargument: Kosten und Aufwand

Als Hauptargument für die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen wird der Kosten- und Aufwandsaspekt genannt. Die Kosten für die Herstellung der Kupfermünzen, die durch die Deutsche Bundesbank produziert werden, sind höher als ihr Nutzen: So kostet die Produktion einer Ein-Cent-Münze 1,65 Cent. Dazu fallen noch Kosten für die Lagerung und den Transport an. Ohne die Kleinmünzen würde bei der Barzahlung auf- oder abgerundet werden. In einigen EU-Staaten gelten bereits die Fünf-Cent-Schritte: Kommt die Rechnung auf 2,93 Euro und man zahlt 2,95 Euro, erhält man kein Rückgeld. Bei einem Betrag von 2,92 Euro reicht es, 2,90 Euro zu bezahlen. „Da die Bundesbank ihre Jahresgewinne an den Staat abführt, kommen diese Einsparungen am Ende allen Steuerzahlern zugute“, sagen Finanzexperten. Ein weiteres Beispiel für den Aufwand liefert die Sparkasse ALK: Sie hat im vergangen Jahr mehr als 2,8 Millionen Euro an Münzgeld angenommen, aufbereitet und kostenpflichtig zur Bundesbank transportieren lassen. Zum Weltspartag, am 30. Oktober, waren es Münzen im Wert von 75.000 Euro. Das entspricht einem Gewicht von zwei Tonnen. 

„Ich würde die Ein- und Zwei-Cent-Münzen nicht vermissen“, erzählt Michaela Brüser, Inhaberin des Attendorners Brüser-Kiosk. „Die Münzen werden von unseren Kunden nur bedingt genutzt. Jedoch wird am Monatsende häufig mit ihnen gezahlt. Meistens runden die Kunden die Beträge bei dem Kauf von Bier auf. Das Zählen der Kleingeldmünzen ist mühselig und anstrengend und benötigt zu dem noch viel Zeit.“

Apotheker Ulf Ullenboom ist der Meinung, dass es direkt zu der Einführung des Euros keine Cent-Beträge hätte geben sollen. Die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Stücke in der Arznei- und Medikamentenbranche wäre kompliziert. Da es Festpreise für diese Produkte gäbe, sei der Preis nicht so leicht änderbar. Zuerst müsse die Arzneimttelpreisverordnung geändert werden. „In der Wechselkasse liegen überwiegend Ein- und Zwei-Cent-Stücke, sowie Ein- und Zwei-Euro-Stücke. Würden diese Centbeträge wegfallen, würde mit großer Wahrscheinlichkeit im Laufe der Zeit das komplette Bargeld wegfallen,“ befürchtet Ullenboom. Die Absetzung der Kupfermünzen sei auf der einen Seite schade, aber auch eine gewisse Erleichterung. „Die meisten Kunden zahlen überwiegend mit Karte. Dort ist es egal, ob der Buchwert eine null, fünf oder neun hinter dem Komma stehen hat“, meint Ulf Ullenboom. 

 „Das Klimpergeld wollen die Kunden nicht haben“

Das Ein- und Zwei-Cent-Stück ist aus der Sicht von Jörg Prinz, Mitarbeiter der Atta-Drogerie in Attendorn, nicht von Nöten. „Die Kunden freuen sich, ihr Kleingeld bei uns los zu werden.“ Um das Kleingeld beschaffen zu können, müsse man bei der Bank einen gewissen Betrag für die Aushändigung zahlen. Die Münzen würden die Arbeit enorm erschweren. Sie wären schwer zu händeln und kompliziert bei der Zählung. „Würde das Kleingeld abgeschafft, könnte man schneller die Kasse bedienen und abrechnen“, so Jörg Prinz. 

Georg Sangermann, Oberbäckermeister und Geschäftsführer der Bäckerei Sangermann ist der Meinung, dass die Kupfermünzen abgeschafft werden sollten. „Das Klimpergeld wollen die Kunden nicht haben. Unsere Brötchen werden meist zum Preis von 37 Cent verkauft und häufig kaufen die Kunden mehr als eins, da spielt der genaue Kleingeldbetrag keine Rolle. Die anderen Backwaren haben meistens schon keine 99 Centbeträge mehr. Ich halte die üblichen 4,99-Euro-Beträge nicht für sinnvoll.“

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