„Bauernhof mit Figuren“ ist Exponat des Monats Juli

Erinnerung an ein düsteres Kapitel

Der Bauernhof ist die Schnitz- und Bastelarbeit eines polnischen Zwangsarbeiters aus Herrntrop.

Anlässlich des 70. Jahrestages des Ende des Zweiten Weltkrieges und damit der Befreiung vom Nationalsozialismus gedenken auch die Menschen in Lennestadt der vielen Opfer dieses Krieges. Ein düsteres Kapitel aus dieser Zeit ist der Einsatz von Zwangsarbeitern.

Das Museum der Stadt Lennestadt will mit der Präsentation des „Exponates des Monats Juli“ an diese unselige Zeit erinnern. Bei dem ausgewählten Exponat handelt es sich um eine Schnitz- und Bastelarbeit „Bauernhof mit Figuren“ eines polnischen Zwangsarbeiters aus Herrntrop. Das Exponat wurde dem Museum von Peter Kaufmann aus Herrntrop als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Dieser „Bauernhof mit Figuren“ besteht aus 36 Einzelteilen. Das den Mittelpunkt bildende Bauernhaus im Fachwerkstil hat eine Höhe von 25 cm, eine Breite von 22 cm und ein Tiefe von 17 cm. Dieses Häuschen besitzt 21 kleine Fenster, die allesamt verglast und von innen mit Gardinen behangen sind. Die Haustür ist mit Scharnieren und Verschlüssen versehen. Über der verschließbaren Dachluke ragt ein Heubalken hervor. Zu dem Bauernhof gehören auch noch eine Scheune mit Türen und Fenstern sowie eine Remise. Sogar eine Hundehütte gehört zu dem Ensemble. Zahlreiche Tiere sind auf diesem Bauernhof zu sehen. Auch ein Leiterwagen, ein Fasswagen, eine Egge, Tische, Stühle und Bänke sind liebevoll erstellt. Personenfiguren beleben diese Bauernhof-Idylle. Aufgrund der vielen kleinen Einzelheiten zeigt sich, dass der Bauernhof mit großer Liebe erstellt wurde.

Zwangsarbeiter aus Herrntrop

Es gab in Herrntrop neben einigen russischen Zwangsarbeitern angabegemäß nur einen polnischen Fremdarbeiter. Dieser war auf dem Hof Heinemann (Allues) eingesetzt, sein Name war Wallis Rogalla. Über das Schicksal dieses Mannes berichtet ausführlich Dr. Claus Heinemann in seinem 1981 erschienenen Buch „Ein kleines Dorf und eine große Geschichte. Herrntrop im Sauerland“.

Wallis Rogalla heiratete 1947 in Herrntrop und gründete eine Familie. Kurz darauf kehrte er mit Frau und Kind in seine polnische Heimat zurück. Es ist anzunehmen, dass dieser Wallis Rogalla das vorgestellte Schnitzwerk erstellt hat. Rogalla wanderte später nach Kanada aus. Vor rund 30 Jahren hat bei einem Besuch seiner polnischen Heimat ganz unerwartet Herrntrop, seine „zweite Heimat“, wieder aufgesucht.

Dieses Schnitzwerk kam über verwandtschaftliche Verbindungen in den Besitz von Peter Kaufmann. Als Erinnerung an eine dunkle deutsche Zeit übergab er es schließlich als Dauerleihgabe dem Museum der Stadt Lennestadt. Nach dem Einmarsch der Alliierten wurden die Zwangsarbeiter als „Displaced Persons“ in weitere Lager abgeschoben bis sie schließlich in ihre Heimat zurückkonnten. Einige der Fremdarbeiter blieben hier, einige rächten sich an ihren Peinigern. So kam es oft zu Übergriffen. Wallis Rogalla hat sich in dieser schrecklichen Zeit nachweislich plündernden Polen in den Weg gestellt und den Hof beschützt.

Zu sehen ist dies Schnitzwerk im Museum der Stadt am Sonntag, 5. Juli, von 14 bis 17 Uhr. An Werktagen dienstags von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

(von Walter Stupperich)

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