Filigrane Bildhauerarbeit

Das Relief von Franz Belke. Foto: Haymo Wimmersdorf

Ein außergewöhnliches und bisher kaum bekanntes regionales Kulturgut stellt das Museum der Stadt Lennestadt als "Exponat des Monats Februar" vor: ein aus weißem Marmor gefertigtes Relief des Grevenbrücker Bildhauers Franz Belke aus dem Jahre 1924. Der SauerlandKurier berichtete bereits im der Ausgabe vom 6. November 2011 über den außerordentlichen Fund.

Das Relief stammt aus dem im Jahre 2011 abgerissenen Hotel Biggemann in Finnentrop. Die Gemeinde Finnentrop hat dieses Kunstwerk dem Museum der Stadt Lennestadt dankenswerter Weise als Leihgabe für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Das Relief befand sich in einer Nische im Erdgeschoss des Gebäudes. Es war das Oberteil einer mit rotem und schwarzem Marmor verkleideten Kühlanlage für Sektflaschen. Das Relief ist eine filigrane und künstlerisch erstklassige Bildhauerarbeit. Es wurde von Franz Belke mit Namen und der Jahreszahl 1924 signiert und hat eine Größe von 80 mal 125 Zentimeter.

Haymo Wimmershof aus Eichhagen hat sich um die fotografische Erfassung und die Deutung dieses Reliefs verdient gemacht: "Das Relief zeigt zwei allegorische weibliche Figuren. Sie sollen der volksmundlichen Überlieferung nach die Flüsse Bigge und Lenne darstellen, die direkt in der Nähe des Hotel zusammenfließen. Die Interpretation der Attribute der Figuren, Efeu, Zinnen und Merkur- oder Hermesstab, ergibt jedoch eher die Symbolik für Land, Stadt und Handel. Das macht schon deshalb Sinn, weil das Hotel seinerzeit auch ein Treffpunkt von regionalen und überregionalen Geschäftsleuten war."

Franz Belke wurde am 17. August 1876 in Förde als Sohn des Bäckermeisters und Gastwirts Philipp Belke geboren. Nach dem Besuch der örtlichen Volksschule konnte der junge Belke seinen Berufswunsch verwirklichen und ging 1891 bei dem Bildhauer Anton Moormann in Wiedenbrück in die Lehre. Nach vier harten Lehrjahren und Ablegung der Gesellenprüfung folgten Wanderjahre, die ihn bis nach Italien führten.

Der junge hoch begabte Sauerländer erhielt auf Grund hervorragender Arbeiten schon früh ein Staatsstipendium und ging an die Kunstakademien Düsseldorf und München. Nach Abschluss seiner Studien ließ er sich 1904 in Förde als selbstständiger Bildhauer nieder. Als eine der ersten größeren Arbeiten entstand 1904 das "Mälo"-Kriegerdenkmal in Förde. Sein Hauptanliegen war aber die Gestaltung christlicher Inhalte in Stein und Holz. Er schuf die über drei Meter hohe Monumentalfigur des heiligen Petrus Canisius für die St. Patrick’s Cathedrale in New York und die drei Meter hohe Christkönigsfigur in Wien. Am 18. Juli 1941, im Alter von 65 Jahren, war sein Lebenswerk abgeschlossen. Seine Werke zeugen von ihm und seiner geraden, schlichten Art, die ein Teil seines künstlerischen Wesens ausmacht.

Zu sehen ist das künstlerische Werk im Museum der Stadt Lennestadt am Sonntag, 3. Februar, von 14 bis 17 Uhr. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr geöffnet. An diesen Tagen kann neben der Dauerausstellung auch noch die Fotoausstellung "Zeitenwende" besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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