Kammerdiener-Livree ist Exponat des Monats

Im Frack-Stil geschnitten

Diese Kammerdiener-Livree ist ab Sonntag im Museum im Alten Amtshaus ausgestellt. Foto: Walter Stupperich

Die erste Sonderausstellung des Museums der Stadt Lennestadt im neuen „Kultur-Bahnhof“ ist kürzlich eröffnet worden.

Sowohl die Ausstellungseröffnung am 19. Januar als auch die nachfolgenden Öffnungstage des Museums zeigten das große Interesse in der Bevölkerung. Die Ausstellung steht unter dem Titel „störig! Kleidung und Mode im Sauerland 1870 - 1970“ und ist bis zum 15. Juni zusehen. Bei dieser Ausstellung dreht sich alles um historische Bekleidung, angefangen vom Festkleid einer Sauerländer Reidemeister-Gattin aus den 1870er-Jahren bis hin zum Minirock von 1971.

Auch das „Exponat des Monats Februar“ widmet sich diesem Thema. Präsentiert wird eine Kammerdiener-Livree aus der Zeit um 1900. Zu sehen sind die jeweiligen „Exponate des Monats“ nach wie vor im Alten Amtshaus des Museums der Stadt Lennestadt.

Die vorgestellte Kammerdiener-Livree ist eine Leihgabe des Grafen von Spee vom Gut Ahausen. Üblicherweise wurde die Livree vom Dienstherrn zur Verfügung gestellt, also auf seine Kosten geschneidert. Die Livree-Mode wurde in Europa lange Zeit vom französischen Hof in Versailles bestimmt. Jede Art von Dienern, seien es Kutscher, Reitknechte oder Kammerdiener, hatte eine eigene besondere Livree. Im Hause der Familie von Spee gab es seinerzeit einen Diener, der im Wechsel die Aufgaben des Lakaien (wie etwa Chauffeur) und Kammerdieners (der bei Tisch bedient) übernahm.

Die präsentierte Kammerdiener-Livree ist im Frack-Stil geschnitten. Sie ist wie üblich ganz in Schwarz gehalten. Die Wappenknöpfe tragen das Wappen der Grafen von Spee. Die Zugehörigkeit der Bediensteten zum Adelshaus konnte an den Wappenknöpfen festgemacht werden. Zum eleganten, ganz aus schwarzem Tuch geschnittenen Kammerdiener-Frack gehörte eine Weste. Diese Weste aus Samtstoff ist ganz in Rot gehalten. Rot ist die Wappenfarbe derer von Spee und ein Zugehörigkeitsmerkmal wie die Wappenknöpfe. Diese Attribute dienten bei größeren Feierlichkeiten, zu denen mitunter Bedienstete an benachbarte Adelshäuser „ausgeliehen“ wurden, als Erkennungsmerkmal.

Der Kammerdiener hatte eine verantwortungsvolle Position. Oft hing vom Kammerdiener das Renommé der Familie ab. Selbstverständlich musste seine äußere Erscheinung tadellos sein. So trug er zu seiner Livree meistens seidene Strümpfe und Lackschuhe. Auf dem Lande waren aber auch Gamaschen üblich. Die dazu gehörende Hose konnte kurz oder lang sein. Sie war meistens mit goldenen oder silbernen Kniegürteln versehen. Diese Livree war noch in den 1930er-Jahren in Gebrauch. Dazu trug die Dienerschaft eine dunkle Stoffhose und schwarze Schuhe.

Zu sehen ist diese Kammerdiener-Livree im Alten Amtshaus des Museums der Stadt Lennestadt am Sonntag, 2. Februar, 14 bis 17 Uhr. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 bis12 und 14 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. (Von Walter Stupperich)

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