Volksbanken Bigge-Lenne und Grevenbrück gehen optimistisch in die Zukunft

Fusion als Win-Win-Projekt

Der Vorstand: Peter Hundt, Michael Griese, Peter Kaufmann, Andreas Ermecke und Bernd Griese (v.l.).

Zum ersten Mal in der Geschichte luden die Volksbanken Bigge-Lenne und Grevenbrück gemeinsam zum Jahres- und Bilanzgespräch auf die Burg Schnellenberg ein.

Und das hatte seinen guten Grund: Neben den überbordenden Regulatorik der Finanzmärkte Made in Brüssel, der Zinsfalle sowie „Entsparung“ in der Bevölkerung und dem sich derzeit stark ändernden Kundenverhalten stand vor allem die geplante Fusion der beiden Banken im Fokus.

„Banken und Sparkassen im Würgegriff der Regulierer und der Zinsfalle an den Finanzmärkten“, zitierte Vorstandssprecher Peter Kaufmann (Bigge-Lenne) mit Roland Eller einen der führenden Experten für die Finanzmärkte und Risikomanagement. Ganz so dramatisch, wie es die Headline impliziere, sei die Situation laut Kaufmann nicht, aber gerade die Regionalbanken stünden derzeit vor überragenden Herausforderungen. Wobei die Ausgangssituation gerade bei den beiden Volksbanken sehr gut sei.

Bereits vor einem Jahr hatte Kaufmann auf die gravierenden Folgen der Niedrigzinsphase hingewiesen. Gerade die Regionalbanken seien auf das Zinsgeschäft mit der heimischen Wirtschaft angewiesen. Und die heimische Wirtschaft auf die Regionalbanken, da viele Geschäftsbanken gerade für den Mittelstand aus den mannigfaltigsten Gründen nicht mehr als Kreditgeber in Betracht kämen. Alarmierend sei auch die Entsparung in der Bevölkerung, gerade vor dem Hintergrund der Diskussion über die Altersarmut. Mit gerade einmal 10,1 Prozent legten die Deutschen so wenig auf die hohe Kante, wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Sorge macht den Bankern auch die zunehmende Konzentration von Einkommen und Geldvermögen – 20 Prozent der Haushalte vereinten etwa 85 Prozent auf sich. Hart ins Gericht ging Kaufmann mit der Europäischen Zentralbank, die derzeit versucht, die Staatshaushalte zu sanieren: „Es kann nicht Aufgabe der Bundesbank sein, aktiv wie derzeit Staats- und Wirtschaftspolitik zu betreiben.“ Hinzu komme der regulatorische Angriff aus Brüssel, der vor allem die Großbanken begünstige, welche wiederum die Spielregeln bestimmten. Allen Widerständen und kumulierten Lasten zum Trotz sind sich die Volksbanker jedoch sicher: „Wir schaffen das!“

Absolut im Gleichklang ist die Bilanz der beiden Volksbanken, die für das Vorjahr in allen signifikanten Bereichen (Bilanzsumme, Wachstumsrate, Kundeneinlagen, Kreditvergabe) solide bis hervorragende Ergebnisse vorweisen können. Dennoch will man sich auf diesen Zahlen keinesfalls ausruhen, sondern sich den Herausforderungen der Zukunft stellen. Einen Beitrag hierzu soll auch die Fusion bilden, über die die Vertreterversammlungen beider Banken direkt nach der Europawahl im Mai abstimmen werden. Die technische Zusammenführung ist für September geplant. Der Grevenbrücker Vorstandssprecher Peter Hundt: „Es handelt sich hier nicht um ein Wunschkonzert, sondern die Fusion ist eine Notwendigkeit, denn die Gesamtstruktur bietet für beide Banken bessere Chancen, sich in einem Umfeld immer schwieriger werdender Rahmenbedingungen erfolgreich zu behaupten.“ Profitieren würden in einer Win-Win-Situation unter dem Strich sowohl die Genossenschaftsmitglieder als auch Mitarbeiter und Kunden. Fusionsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Ganz im Gegenteil hätten die zurückliegenden Fusionen, so Kaufmann, gezeigt, dass durch den Ausbau und die Erschließung zusätzlicher Geschäftsfelder der Bedarf an Spezialisten gestiegen sei. Vor allem in der Beratung sei man mittlerweile auf einem ganz anderen Niveau unterwegs.

Eine grundlegende Restrukturierung kündigten die Vorstände beider Banken für das Filialnetz an – auch vor dem Hintergrund des sich ändernden Kundenverhaltens. Derzeit werden gerade Beratungskompetenzen gebündelt, durch SB-Filialen werde hingegen die flächendeckende Präsenz sichergestellt. Ein-Mann-Filialen, wie man sie früher noch kannte, gehören der Vergangenheit an.

Nach der Fusion wird der Vorstand – wie auch nach der letzten Fusion mit der Volksbank Schmallenberg – wieder fünf Personen umfassen. Neben Peter Kaufmann und Peter Hundt gehören ihm die Zwillingsbrüder Bernd (Grevenbrück) und Michael Griese sowie Andreas Ermecke (beide Bigge-Lenne) an. Peter Hundt und Peter Kaufmann, beide 60 Jahre alt, werden die Fusion noch mit ihrer Erfahrung begleiten, um dann mittelfristig auszuscheiden, sodass der Vorstand dann wieder drei Personen wie derzeit bei Bigge-Lenne umfassen wird.

Im Jahr vor der geplanten Fusion hat die Volksbank Bigge-Lenne erneut ein solides und kontinuierliches Wachstum hingelegt. Die Bilanzsumme stieg im Vorjahresvergleich um 1,4 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Mit 122,5 Millionen Eigenkapital gehört die Bank zu den starken Genossenschaftsbanken in Südwestfalen. Weitere Bilanzdaten: Nach einem leichten Rückgang 2012 stiegen die Kundeneinlagen um 2,1 Prozent auf 861 Millionen Euro, das gesamte Kreditvolumen belief sich auf beachtliche 1,149 Milliarden Euro. Allein im Neugeschäft konnte die Bank im Privat- und Firmenkundensegment einen Zuwachs von 6 Prozent generieren. Und das, obwohl der Trend auf Bundesebene mit 3,41 Prozent rückläufig war.

Bei einem Baufinanzierungsvolumen von 318 Millionen Euro konnte die Volksbank Bigge-Lenne ein Neugeschäft von 50,3 Millionen Euro und somit 723 Baufinanzierungen zur Verfügung stellen. Zurzeit boomt auch das Geschäft mit Immobilien: Insgesamt wurden Objekte im Wert von 14,2 Millionen Euro vermittelt – ein sattes Plus von 30 Prozent. Insgesamt halten nunmehr 33.531 Bürger Anteile der Bank, als Dividende werden den Vertretern sechs Prozent vorgeschlagen.

Ähnlich rosig die Situation bei der Volksbank Grevenbrück. Hier freut man sich über eine Bilanzsumme in Höhe von 311 Millionen Euro, die im Vorjahr um drei Millionen Euro gestiegen ist. Einen satten Sprung nach oben gab es beim Eigenkapital, das sich auf 23,5 Millionen Euro beläuft. Die sonstigen Eckpfeiler der Bilanz: 211 Euro an Kundeneinlagen, ein stolzes Plus bei den Buchkrediten von 7,3 Prozent auf 235 Millionen Euro und 28,3 Millionen Euro Neuzusagen bei Baufinanzierungen. Die 13.482 Mitglieder der Bank können sich voraussichtlich über eine Dividende von fünf Prozent freuen. (Von Thorsten-Eric Sendler )

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