Gut gefüllte "Leere"

Beate Herrmann (ganz rechts) erläutert das Projekt, das sie zusammen mit den Jugendlichen der Anne-Frank Hauptschule entwickelt hat. Foto: Miriam Brüser

Wie anders man die Welt sehen kann, ist zur Zeit in einem eigentlich leerstehenden Ladenlokal "In den Höfen" in Altenhundem zu sehen. Hier wurde jetzt die Ausstellung "Frei-Raum" eröffnet, die zeigt, dass Jugendliche sich ohne Notendruck auf das Abenteuer Kunst einlassen.

"Am schwierigsten war es, die Begriffe ,richtig´ und ,falsch´ aus den Köpfen der Schüler raus zu bekommen", sagt die freischaffenden Künstlerin und Kunstpädagogin Beate Herrmann. "Ihr seid jetzt die Bestimmer." Zusammen mit 24 Schülern der Anne-Frank Hauptschule Meggen hat sie von September bis April gearbeitet. Das Ergebnis ist nun - in repräsentativen Auszügen - in dem Raum, der von der Firma Steinbach kostenlos zur Verfügung gestellt wird, zu sehen.

Im Gegensatz zum vorausgegangenen autobiografischen Projekt mit Schülern der Janusz-Korczak-Schule, hat diese Ausstellung ein besonderes Konzept: Thema und Orientierung für die Jugendlichen waren die melancholischen Bilder Edward Hoppers (siehe grauer Kasten). Diese galt es neu zu interpretieren und beleben. "Es ist natürlich immer schwierig, sich mit dem Nichts zu beschäftigen", sagt Beate Herrmann. Die Schüler entdeckten im Laufe der Zeit die Leere, füllten diese "Frei-Räume" neu oder ließen sie tatsächlich leer.

Nach und nach schärfte sich aber ihr Blick. So wurden zum Beispiel mit einem Beamer die "entleerten" Bilder Hoppers - zuvor wurden sämtliche Personen wegretuschiert - an die Wand projeziert: Jeder bekam dann die Möglichkeit, die "Welt" Hoppers mit spontanen Handlungen zu bespielen. Diese wurde dann im Foto festgehalten.

Des weiteren sind gemalte Bilder zu sehen, auf denen die Menschen "sinnentleert" - als weiße Flächen - dargestellt werden. Beate Herrmann schickte die Jugendlichen außerdem mit Einwegkameras los, um Freiflächen und Leerstellen zu entdecken - und diese zum Beispiel mit einem pinkfarbenen Stuhl, mit Kühen oder auch einem Security-Mann zu füllen.

Ziel von Beate Herrmann ist es, den Jugendlichen Lösungsansätze zu vermitteln, die auf alltägliche Situationen übertragbar sind.

"Es ist eine wertvolle und schöne Idee, einen Leerstand als Galerie zu nutzen", gratuliert Karsten Schürheck, Beigeordneter der Stadt Lennestadt, zur Ausstellung.

Die Schüler haben in ihrer Galerie selbst Hand angelegt und die Wände weiß getüncht. So sieht das Ladenlokal jetzt aus wie eine "richtige" Galerie.

Die Ausstellung ist noch vier Wochen zu sehen. Öffnungszeiten: Mi., Do., Fr.: 15-18 Uhr; Sa.: 10-13 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare