Soungalo Konate hat das deutsche Leben kennengelernt

Getrennte Welten vereint: Deutschlehrer aus Burkina Faso zu Gast in Grevenbrück

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Mit kostbarem Wasser morgens die Blumen im Garten zu gießen, war eine der vielen neuen Erfahrungen für Soungalo Konate während seines Aufenthalts bei Familie Dolle in Grevenbrück.

Grevenbrück - Soungalo Konate ist am Samstag sehr früh ins Flugzeug nach Burkina Faso, seinem Heimatland, eingestiegen. Das Gepäck des afrikanischen Deutschlehrers war prall gefüllt mit unzähligen neuen Eindrücken, Erfahrungen, Erinnerungen, und – etwas Müsli. Zurück in der Heimat wird er seinen Schülern begeistert von Deutschland erzählen, viele Fotos zeigen und ihnen endlich das knusprige Frühstück in die Hände geben, das sie sonst nur aus Büchern kannten.

Die vergangenen zwei Wochen hat Soungalo bei Familie Dolle in Grevenbrück verbracht. Zwei Wochen, die weder er, noch Familie Dolle jemals vergessen werden. Am Anfang trafen da natürlich zwei verschiedene Welten aufeinander – doch bei der Verabschiedung waren die beiden Welten schon gar nicht mehr so weit voneinander entfernt. Gemeinsame Zeit, viele Gespräche und der Humor haben Verständnis, Verbundenheit, ja Freundschaft entstehen lassen. „Es war eine extrem bereichernde Erfahrung“, resümiert Jürgen Dolle den Besuch am letzten Abend, und weiter: „Banales wird plötzlich wieder besonders, man blickt über seinen Horizont hinaus. Einfach toll.“ Und auch Soungalo ist begeistert von seinem Besuch bei Familie Dolle: „Es war alles super und sehr interessant hier. Ich habe mich wie zu Hause gefühlt. Jetzt kann ich meine Schüler durch Bilder und meine Erfahrungen noch besser motivieren, ihren Bildungsweg weiterzugehen.“ 

Soungalo Konate arbeitet in einer Schule, vergleichbar mit unseren Gymnasien. Mit Hilfe des Vereins „Experiment e.V.“ sowie des Goethe-Instituts hatte er sich für seine erste Reise nach Deutschland entschieden. Nach einem zweiwöchigen Seminar in München mit Lehrer-Kollegen aus anderen Ländern kam er zu Familie Dolle nach Grevenbrück, die schon vorher gute Erfahrungen mit „Experiment“ gemacht hatte. Bei Ausflügen und im Alltag lernte Soungalo das Land und die Art und Weise des deutschen Lebens kennen – und so natürlich auch die Unterschiede zu seinem Land. 

„Sehr gefallen“ haben ihm zum Beispiel die Liebesschlösser auf den Kölner Rheinbrücken. Dass die Liebe symbolisch und so deutlich nach außen getragen wird, kennt er aus seinem Land so nicht. Neu war auch, dass in Deutschland oftmals nur ein knappes „Hallo“ zur Begrüßung gesagt wird. In Westafrika falle ein Treffen sehr viel ausgiebiger und persönlicher aus. „Wie geht es Dir heute?“ oder gute Wünsche gehören in Burkina Faso einfach immer dazu. Natürlich machte Soungalo auch seine Erfahrungen mit der deutschen Pünktlichkeit. „Hier ist einfach alles geregelt und zum Teil sehr hektisch“, stellte er fest. Atta-Höhle, Karl-May-Festspiele, ein Schützenfestumzug, ausgiebige Spaziergänge durch die grüne Natur und Sonnenuntergänge nach 21 Uhr – auch das alles war sehr neu und aufregend. Genauso wie die Tatsache, dass das kostbare Gut Wasser einfach und zu jeder Zeit aus dem Hahn kommt. So wurde das morgendliche Blumengießen im Garten zu einem noch nie dagewesenen Ereignis. 

Ihren Gast so zu erleben, war für Familie Dolle sehr beeindruckend. „Wir haben sehr viel voneinander gelernt. Für uns normale Dinge werden plötzlich wieder besonders. Eine tolle Erfahrung“, so Jürgen, Kirsten und Tochter Leah beim Besuch unserer Zeitung zu Hause. In ihrem Gästebuch hat sich Soungalo mit dem Satz „Der Abschied ist die Geburt der Erinnerung“ verewigt. Mit dem Wunsch auf ein Wiedersehen und vielen guten Erinnerungen flog Soungalo zurück – und voller Vorfreude darauf, seinen Schülern das Müsli zu präsentieren.

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