Goldene Zeiten für Jugendliche

Auf dem Lehrstellenmarkt geht es aufwärts: Jeder ausbildungswillige Jugendliche könne in einen Betrieb oder eine Maßnahme vermittelt werden, so Franz J. Mockenhaupt (IHK).

Qualifizierte Jugendliche blicken goldenen Zeiten entgegen - zumindest, was das Thema Ausbildung und Jobsuche betrifft. Denn schon heute versuchen viele Unternehmen, dem durch die demografische Entwicklung zwangsläufig auf sie zukommenden Fachkräftemangel mit verstärkten Ausbildungsaktivitäten zu begegnen.

"Die Rahmenbedingungen auf dem Ausbildungsmarkt sind zurzeit sehr gut. Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosenquote bewegt sich in Richtung vier Prozent und somit in Richtung Vollbeschäftigung", zogen IHK-Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt, Vizepräsident Rupprecht Kemper und die Leiterin der Olper Geschäftsstelle, Gabriela Pokall, jetzt anlässlich eines Pressegesprächs in den Räumen der Firma Gustav Hensel Halbzeitbilanz für das Ausbildungsjahr 2011.

Zuwachs von 11,9 Prozent

Die Industrie- und Handelsunternehmen im Kreis Olpe hätten innerhalb der ersten sechs Monate des laufenden Jahres insgesamt 480 Lehrverträge mit jungen Menschen geschlossen. Somit sei der Zuwachs im Vorjahresvergleich mit 11,9 Prozent wesentlich deutlicher ausgefallen, als zunächst erhofft.

Rupprecht Kemper: "Das schnelle Anziehen der Konjunktur, der sich abzeichnende Fachkräftebedarf und die Vorboten der demografischen Entwicklung sorgen dafür, dass die Unternehmen auf breiter Front Vorsorge treffen. Es zeichnet sich derzeit eines der besten Lehrstellenergebnisse der vergangenen drei Jahrzehnte ab."

Getragen wird der Aufwärtstrend auf dem Ausbildungsmarkt mit einem Zuwachs von 25 Prozent vor allem vom gewerblich-technischen Bereich, sprich den Metall- und Elektroberufen.

Weichenstellung der Unternehmen

Dem gegenüber nimmt sich das Plus bei den Lehrstellen im kaufmännischen Bereich mit 1,4 Prozent im Kreis Olpe eher bescheiden aus. Das führt die IHK-Spitze jedoch vor allem auf die Weichenstellungen der Unternehmen im Krisenjahr 2009 zurück: "Viele Industrieunternehmen haben seinerzeit erst einmal die weitere konjunkturelle Entwicklung abgewartet. Während 2010 die kaufmännischen Berufe den Ausbildungsmarkt gestützt haben, verzeichnen wir in diesem Jahr eine völlige Umkehrung. Bei den gewerblich-technischen Berufen geht die Post ab, während im kaufmännischen Bereich die Zahlen stagnieren."

Letzteres sei nicht weiter verwunderlich, wenn man berücksichtige, dass Metall und Elektro die Kernkompetenz der heimischen Industrie bildeten. Bis zum Jahresende rechnet die IHK mit einem zweistelligen Plus, sprich insgesamt 800 abgeschlossenen Lehrverträgen. Dieses sei eine gewaltige Leistung, so Mockenhaupt, wenn man berücksichtige, dass Mitte der 90er-Jahre gerade einmal um die 450 Ausbildungsplätze im Kreis Olpe bereitgestanden hätten. Mit Blick in die Zukunft rechnet die IHK damit, dass ein Wettrennen der Unternehmen um qualifizierte Jugendliche einsetzen wird. Betriebe müssten sich dann gewaltig anstrengen, um als potentieller Arbeitgeber interessant zu sein.

Mockenhaupt: "Auch der Mittelstand muss etwas tun, der Erfolg im Kampf um die Gunst der Arbeitnehmer fällt nicht vom Himmel." Für die Besetzung von attraktiven Ausbildungsplätzen würden die Weichen von den Unternehmen inzwischen relativ zeitig gestellt.

Jugendliche, so Mockenhaupt, sollten daher möglichst früh die Initiative ergreifen und sich bewerben, ansonsten bestünde die Gefahr, dass sie sich mit dem Rest begnügen müssten.

"Hier bleibt niemand zurück"

Im Kreis Olpe würde es keinesfalls einen Ausbildungsnotstand geben. Jeder ausbildungswillige Jugendliche werde in einen Betrieb oder eine Maßnahme vermittelt. Ein wertvolles Instrument sei hier auch die IHK-Ausbildungsbörse.

Eine Abfuhr erteilte Mockenhaupt der Forderung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die Betriebe müssten jedem Jugendlichen eine Ausbildungsgarantie geben. Mockenhaupt: "Das ist blödsinnig, hilft niemandem. Schon heute hat in unserer Region jeder junge Mensch eine Ausbildungschance. Hier bleibt niemand zurück, wir kümmern uns um jeden."

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