Vom Gras zum Strom

Geschäftsführer Hans-Joachim Mester blickt zuversichtlich auf den Einweihungstermin. Foto: Artur Seidenstücker

Richtig rund geht es zurzeit an der Linde in Grevenbrück - gegenüber Orchideen Koch in Grevenbrück. Bei dem guten Wetter der letzten Wochen sprießt das Gras gewaltig und wird dementsprechend gemäht.

Erhebliche Mengen liefern die heimischen Landwirte an der Biogasanlage schon jetzt an. Der angelieferte Grasschnitt wird an der Fahrzeugwaage auf dem Biogasanlagengelände gewogen und in Fahrsilos verkippt und verteilt. Von jedem Kipper (etwa sieben Tonnen) wird eine Probe genommen und direkt vor Ort dann der Feuchtigkeitsgehalt bestimmt. Laut dem Geschäftsführer der "Biogas Lennestadt", Hans-Joachim Mester, liegt der optimale Wert bei 25 bis 40 Prozent - der "Reifeprozess" dauert dann 45 Tage. Dann wird das abgelagerte Material in die runden Silos eingefüllt und der eigentliche Prozess zur Stromerzeugung beginnt.

Im Juli offizielle Einweihung

Insgesamt kann das Material dann 90 Tage das entsprechende Gas absondern. Verarbeitet wird jeweils ein Drittel Grasschnitt (Kampagne läuft etwa vom Mai bis Oktober), Mais (Ende September bis Oktober) sowie Gülle (ganzjährig). Schon jetzt liegen sorgsam verpackt etliche Mengen an Silagematerial gegenüber der Anlage zur späteren Verarbeitung bereit.

Insgesamt kann das Produkt bis zur endgültigen Verarbeitung maximal drei Jahre gelagert werden. "Schlüsselfertig" erstellt wird die komplette Biogasanlage von der Firma Ökobit, die bereits im vergangenen Jahr die Konstruktion in einer Bürgerversammlung vorgestellt hat. Im Juli soll das neue Biogaswerk fertig gestellt sein und dann offiziell eingeweiht werden. An der "Biogas Lennestadt" sind 18 Landwirte und Orchideen Koch beteiligt. Die benachbarte Orchideenfarm ist bereits jetzt der Nutznießer der Abwärme des Motors in der Blockheizkraftanlage, welche teilweise schon läuft. Mittels Leitungen kann die Firma Koch das heiße Wasser nutzen. Die Verwaltung befindet sich in Hespecke auf dem Hof Schulte. Ein Vorteil der Anlage ist natürlich neben der Stromerzeugung - laut Mester werden jedes Jahr etwa fünf Millionen Kilowattstunden Strom produziert - auch die Verringerung der Geruchsbelästigung bei Gülle; durch die anaerobe Vergärung wird der Ammoniak - welcher als besonders geruchsintensiv gilt - abgebaut. Die Jauche wird übrigens von einer geruchsdichten Folie abgedeckt. Die Abfallprodukte nach der Erzeugung von Strom werden zerkleinert und wieder auf die Felder ausgebracht und dienen so wiederum als naturbelassener Dünger.

Verkehrsprobleme sollen nicht entstehen, durch einen entsprechenden Rundlauf soll gewährleistet sein, dass kein Stau an der Einmündung entstehend soll. Die produzierte Strommenge würde ausreichen, um den Ort Grevenbrück im Normalfall komplett mit Strom zu versorgen. Eingespeist wird dieser jedoch ins Netz und an die RWE verkauft. Im Sommer soll auch wieder ein Sonnenblumenfeld entstehen. Die Blumen können dann gepflückt und gegen eine Spende für soziale Zwecke mitgenommen werden. Im Zug der Energiewende ist diese neue - im Übrigen erste Biogasanlage im Kreis Olpe - ein Baustein zur sicheren Stromversorgung.

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