Heute steigt die Schunkelnde Sauerlandhalle in Altenhundem

Vor der großen Sause: "Heinz aus Mainz" exklusiv im Interview

Im vergangenen Jahr brillierte (?) Heinz als Indianer in der Bütt.

Lennestadt - Der SauerlandKurier führte mit Heinz aus Mainz ein hochemotionales Interview, das seine Person bis auf die Knochen durchleuchtet. Wir möchten unseren Lesern den sensiblen, zarten und kreativen Künstler zeigen, der sich hinter der hässlichen Maske der grenzenlosen Trunksucht, hinter sexistischen Plattitüden und schlichten Albernheiten verbirgt. Teile des Interviews durften wir mit seiner Genehmigung abdrucken. Auf dem restlichen Part hocken sein Agent, die Hilde und sein Therapeut…

Heinz, wenn du an 1970, das Gründungsjahr der Zipfelmützen denkst, was kommt dir als erstes in den Sinn? 

Ach ja, da fallen mir viele schöne Erinnerungen wieder ein. Hab mir gerade noch Fotos aus der Zeit angeguckt, eigentlich paradox: auf alten Fotos sieht man immer jünger aus. (Heinz wirkt nachdenklich) Tja, was soll man machen, eben noch Anfang 20, jetzt schon Anfang ranzig… und jetzt bin ich nun mal in dieser besonderen Lebensphase zwischen gepflegt aussehen und gepflegt werden. Um aber noch einmal die 70er Jahre anzusprechen, das war schon eine wilde Zeit. Lange Mähnen, freie Liebe, knapp zusammengefasst: behaart aber fair. 

Wie hast du es solange mit den Zipfelmützen ausgehalten oder besser: Die Zipfelmützen mit dir? 

Naja, da muss man schon von einer Art Symbiose sprechen. Als die Zipfelmützen mich damals aufgenommen haben, ging es mir finanziell eher bescheiden. Die Leute haben sich die Füße abgetreten wenn sie AUS meiner Wohnung gekommen sind. Es sah wirklich schlimm aus. Ich sag mal so: bei mir konnte man vom Fußboden essen, man wurd‘ immer satt. Irgendwann wendete sich aber das Blatt, ich hatte Glück, über mir wurde eine schöne Kellerwohnung frei und die Gagen, die ich durch die Zusammenarbeit mit den Zipfelmützen verdiente, reichten schnell aus, um finanziell unabhängig zu werden. Und von da an war es an der Zeit mein ganzes Talent einzusetzen, um den Zipfelmützen auch etwas zurückzugeben. Die Fans wollten Heinz, also gab ich ihnen Heinz! 

Vervollständige den Satz: Karneval ohne Zipfelmützen ist…

…wie ein leckeres Pils ohne Schaumkrone, nicht vorstellbar, ungenießbar, schlichtweg verschenkt! Bei den Zipfelmützen konnte ich von den Besten meines Faches lernen. Rolli & Dulli, der „Gast aus Bonn“, Günther Kuhlmann, Peter Dommes, der in Altenhundem weltbekannte Conférencier Wolfgang Eberts – um nur mal die Big Five in diesem Bereich zu nennen, echte Koniferen auf ihrem Gebiet. Ohne sie und natürlich auch die anderen Zipfelmützen, würden im Sauerland wahrscheinlich noch immer karnevalistische Zustände wie im Siegerland herrschen. Haben sie da eigentlich die neuesten Testergebnisse gelesen? Statistisch gesehen ist jeder dritte Siegerländer genauso doof wie die anderen beiden… hehehehe… (Heinz lacht dreckig in sein Bier) 

Warum lohnt es sich für das Publikum, auch nach 50 Jahren die Schunkelnde Sauerlandhalle zu besuchen?

Menschen, Biere, Sensationen. Mehr muss ich dazu nicht sagen. 

Der Bürgermeisterposten in Lennestadt ist vakant… ein Job für dich? 

Mit Sicherheit vorstellbar, keine Frage. Ich hab schon oft gedacht, dass man schon mit kleinen Veränderungen einiges bewegen kann. So würde ich zum Beispiel im Rathaus in der Mitte des Haupteingangs eine rote Linie aufmalen lassen. So könnte man verhindern, dass die, die später kommen mit denen zusammenstoßen, die früher gehen. Ein typisches Problem in vielen Verwaltungsgebäuden. Ich hab vor kurzem mal im Bürgerbüro angerufen, um zu erfragen, wie viele Menschen eigentlich im Rathaus arbeiten. Die kurze, knappe Antwort: Wenn du Glück hast, die Hälfte… und eben zu dieser anderen Hälfte würde ich auch gern gehören, das gebe ich offen zu. Ansonsten habe ich mit dem politischen Parkett aber eher wenig zu tun. Schon alleine der Gedanke an den Politischen Aschermittwoch …brrr… da schüttelt es mich als Karnevalisten natürlich schon. Aber sag niemals nie! (Heinz grinst vielsagend)

In den Monaten vor dem Karneval sieht man dich oft verschmitzt lachend, aber sehr still, in dich gekehrt und allein, in kleineren Cafés oder Bars. Ist das der wahre Heinz auf der Suche nach Inspiration? 

Der wahre Heinz besteht aus vielen Facetten, das ist klar. Auf der einen Seite, der melancholische, in sich gekehrte Typ mit der Seele eines Poeten und dem Aussehen einer griechischen Gottheit- auf der anderen Seite, der fröhliche, immer gut gelaunte Mann mit der Seele eines Poeten und dem Aussehen einer griechischen Gottheit. Das ist für viele Menschen erst einmal schwer zu unterscheiden. Erst neulich kommt mir einer entgegen. Ein Schrank von einem Mann. Breite Schultern. Coole Mütze. Blaue Augen. Maßanzug. Ich will ihm grad die Hand geben – ZACK! Da knall ich vor nen Spiegel! Hahahaha… (Heinz hält sich den Bauch vor lachen) Ja, herzlich Willkommen in meinem Leben!

Deine humoristische Art wird ja oft als brachial wahrgenommen oder von Kritikern als niveaulos dargestellt. Deine Antwort darauf:

Ja so etwas höre ich immer wieder. Niveaulos, dumme Wortspiele, sexistisch, und das sind nur einige der Vorwürfe. Klar ist, in dieser Zeit, in der jeder lustig sein will, da komm ich und sage STOPP! Jetzt rede ich. Und die Wahrheit muss ausgesprochen werden, auch wenn sie wehtut. Manchmal leidet natürlich auch meine Frau Hilde darunter. Seit Tagen guckt sie zum Beispiel schon wieder deprimiert durchs Fenster. Wenn das so weiterregnet, muss ich sie glaub ich echt mal wieder reinlassen. (Heinz grinst) Und gerade von schlechten Wortspielen halte ich überhaupt nichts. Besonders in der stressigen Karnevalszeit kommt man bei solchen ungerechtfertigten Anschuldigungen, dem vielen fettigen Essen und dem starken Alkoholkonsum schnell in schwere Flatulenzen, da muss man gehörig aufpassen. Pfff… ich und schlechte Wortspiele…. ich könnte da manchmal aus der Haut fahren. Nach dem Karneval fliege ich erstmal schön nach Malle und dann heißt es aber: Morgens Elmex, abends Arenal. Und auch ansonsten: Amaretto sich wer kann! 

Heinz, vielleicht noch ein paar letzte Worte: 

Liebe Karnevalistinnen und Karnevalisten, feiert alle schön, passt auf Euch auf und habt mich lieb! Die Zipfelmützen freuen sich unbändig auf Euch! Besonders den altgewordenen Junggesellen sei für diesen Abend gesagt: Im Haus des Glücks ist der Warteraum das größte Zimmer! Und denen, die dann trotzdem noch allein bleiben, sei folgende Frage gestellt: Wenn unsere Tränen Bier wären, würden dann unsere Augenbrauen? Au reservoir, euer Heinz!

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