Marburger Ornithologe: Artenschutz ist Klimaschutz

Gutachten für Lennestadt: „Keine Windkraftanlagen“

Der Rotmilan, einer der farbenprächtigsten Greifvögel, ist zu einem Symbol Kampfes gegen Windenergieanlagen geworden. Foto: Archiv

Lennestadt. Keine weiteren Windräder in Lennestadt und dem gesamten Kreis Olpe. Auf diesen knappen Nenner lässt sich das avifaunistische Gutachten des Marburger Ornithologen Prof. Dr. Martin Kraft bringen. Kraft stellte Auszüge aus diesem Gutachten im Ausschuss für Stadtentwicklung vor.

Die Stadt Lennestadt hatte den renommierten Vogelkundler mit einer Artenschutzprüfung als Teil des „Sachlichen Teilflächennutzungsplans Windenergie“ beauftragt. Krafts Kernaussage: Windräder bilden einen „Querriegel“ für die Vogelzugstrecken, die von Südwest nach Nordost verlaufen. „Der Kreis Olpe hat eine überragende Bedeutung für den Vogelzug; das Sauerland liegt mitten auf der ,Autobahn der Zugvögel‘“, so Kraft. Er sei „überrascht von der Gegend“ und den „Juwelen der Vogelwelt, die in der Stadt Lennestadt vorkommen“. Allein zehn stark vom Aussterben bedrohte Arten konnten Kraft und dessen Team bei ihrer Kartierungsarbeit nachweisen, darüber hinaus Rastplätze für Zugvögel. Krafts Folgerung: Der Standort Lennestadt sei „ein Gebiet mit Dichtezentren von Brutvögeln“ wie Schwarzstorch, Wespenbussard, oder auch Waldschnepfe , Lerchen- und Pieperarten, ein „wichtiger Lebensraum für gefährdete Brut- und Gastvögel“, hat „überregionale Bedeutung für den Vogelzug“ und besitzt „mehrere schützenswerte Biotopkomplexe“, die der Ornithologe gern vernetzt sehen würde.

Seine Empfehlung an die Politik: „Lennestadt sollte frei von Windenergieanlagen bleiben.“ Der Ausschuss nahm, wie in der Vorlage empfohlen, das Gutachten zur Kenntnis und gab der Verwaltung mit auf den Weg, die nötigen rechtlichen und ökologischen Fachgespräche mit den entsprechenden Abteilungen der Bezirksregierung in Arnsberg zu führen.

„Ein Zeitrahmen dafür ist nicht abschätzbar“, so Bürgermeister Stefan Hundt, der aber zusagte, bei Fortschritten in den Gesprächen Rat und Öffentlichkeit umgehend zu informieren. Ferner regte er die Bildung einer Arbeitsgruppe zur weiteren Beurteilung des Kraftschen Gutachtens an.

Den Einwand des Grünen-Politikers Dr. Gregor Kaiser, dem Klimaschutz und damit den erneuerbaren Energien Vorrang vor dem Erhalt einzelner Arten zu geben, wischte der Marburger Hochschullehrer mit den Worten „kein Klimaschutz ohne Artenschutz, jeder Baum ist ein Co2-Killer“, vom Tisch.

CDU-Ausschussmitglied Bernd Brüggemann verwies in Hinblick auf Krafts Forderung nach Aufgabe weiterer Planungen zur Windenergie auf die rechtliche Verpflichtung der Stadt hin, der Windenergie „substanziell Raum zu gewähren“. Gleiches betonte auch Bürgermeister Stefan Hundt: „Wir müssen Vorrangflächen schaffen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare