Kannberg und Team machen MS Amadea zum Traumschiff

Die MS Amadea im Eidfjord. Foto: SK

Big in Japan: TTS-Fachleute vernetzen in Hiroshima einen Luxusliner

Lennestadt. (SK)

Majestätisch gleitet die MS Amadea in den Hafen von Hiroshima. Mit einer Länge von 193 Metern und 25 Metern Breite ist der Anblick des weißen Schiffes schlichtweg atemberaubend. Mit unglaublicher Geschicklichkeit dirigiert der Kapitän den Luxusliner durch das schmale Hafenbecken. Jens Kannberg und sein Team vom comTeam-Systemhaus TTS Lennestadt beobachten das Schauspiel gebannt vom Pier. "Ein tolles Schiff", "Einfach perfekt" hört man die IT-Experten murmeln. "Fast perfekt," wirft Jens Kannberg ein, "sonst wären wir nicht hier."

Ungefähr zwei Monate vorher sitzt Jens Kannberg, Geschäftsführer des comTeam Systemhauses TTS Lennestadt in seinem Büro. Seine Firma bietet Businesskunden eine Rundum-Betreuung ihrer IT-, Sprach-, Internet- und Datendienste. Die Arbeitsfelder sind vielfältig, und doch soll sein nächster Auftrag etwas ganz Besonderes sein.

Kannberg fällt fast der Hörer aus der Hand, als ihn die Reederei Phönix anruft. Der Ozeankreuzer MS Amadea soll in allen Kajüten einen Internetzugang bekommen. Dies ist für Kreuzfahrtschiffe die größte Herausforderung, denn die Sicherheitsbestimmungen der modernen Luxusschiffe verhindern die nachträgliche Installation einer flächendeckenden Internetversorgung an Bord. Jetzt soll der japanische Luxusliner umgerüstet werden. Die deutsche Reederei Phönix hat den Ozeanriesen gekauft, die japanischen IT-Experten wissen jedoch keine Lösung für das Problem. "Und nun sollen wir eine Lösung finden. Wenn wir das schaffen, winken uns noch weitere Folgeaufträge. Da das Schiff in Hiroshima steht, heißt es also: Koffer packen und ab nach Japan!"

Einfaches Verlegen unmöglich

Jens Kannberg und sein Team betreten den weißen Luxusliner. Schnell wird ihnen klar, dass ein einfaches Kabel zu verlegen unmöglich ist. Denn die versiegelten Stahlwände zu durchbohren, das ist nach den umfangreichen Sicherheitsbestimmungen ausgeschlossen. Der Internetzugang muss also mit den vorhandenen Möglichkeiten realisiert werden.

Kannbergs Augen leuchten, als er das Kajütentelefon bemerkt. Natürlich analog und damit für eine schnelle Internetverbindung auf den ersten Blick nicht geeignet. Aber der IT-Profi hat eine zündende Idee: Sein Team installiert im Telefonnetz des Schiffes einen sogenannten 100MegaBit-Switch. Mit diesem Gerät und dem dazugehörigen Verfahren kann die alte Telefonleitung auch als Datenkabel für das Internet dienen, ohne dass die ursprüngliche Funktion, das Telefonieren, verloren geht. Den Japanern ist dieses Verfahren, erst recht mit dieser Geschwindigkeit, bisher unbekannt.

Umsetzung ist ein Kinderspiel

"Die Umsetzung ist ein Kinderspiel," erzählt Kannberg "und unsere gemessenen Übertragungsgeschwindigkeiten sind ein Traum. 48 Megabit, also 48 Millionen Bit, selbst in den entlegensten Kajüten, das reicht zum Surfen locker." Zum Vergleich: das ist ungefähr 24 Mal schneller als in deutschen Haushalten mit Hochgeschwindigkeitsinternetanschluss.

Auftrag erfüllt, heißt es für das Team des comTeam-Systemhauses TTS Lennestadt und nur sieben Tage später sitzen sie wieder im Flugzeug nach Deutschland.

Den nächsten Auftrag hat Jens Kannberg direkt in der Tasche: Die MS Gorky, ein Traumschiff mit dem gleichen Kaliber wie die MS Amadea, soll mit eben diesem Verfahren vernetzt werden. Kein Problem für die IT-Profis von nebenan.

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