Bürgermeister Hundt: „Nichts, woran wir momentan denken“

Kein Bürgerbus in Sicht

Bereits seit fünf Jahren gibt es den Bürgerbus in Kirchhundem. In Lennestadt müssen die Einwohner jedoch noch darauf warten.

Die Bürgerbusse in Finnentrop, Wenden und Kirchhundem sind wahre Erfolgsmodelle. Sie sorgen für Mobilität und leisten damit einen wichtigen Beitrag in den Kommunen, gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Die Bürger in Lennestadt indes werden auch weiterhin auf einen Bürgerbus verzichten müssen. Der Hauptgrund dafür liegt in erster Linie – so paradox es klingen mag – im bereits bestehenden öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Denn der Einsatz der Bürgerbusse beschränkt sich auf Bereiche und Zeiten, in denen der Linienverkehr wirtschaftlich nicht tragfähig wäre – um dem ÖPNV keine Konkurrenz zu machen.

Mit Blick auf die Nachbarkommunen erklärt Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt auf Anfrage: „Bei uns gibt es eine andere Struktur im öffentlichen Personennahverkehr. In den Tälern gibt es durchgängig eine verhältnismäßig gute Verbindung. Zudem halten die Züge der Ruhr-Sieg-Strecke an drei Bahnhöfen auf Lennestädter Stadtgebiet“. Das habe auch eine Untersuchung der Universität Siegen ergeben: „Ein Bürgerbus würde nicht stark genug frequentiert werden.“ Dass die bestehenden Verbindungen aber auch besser sein könnten „darüber müssen wir nicht diskutieren.“

Es herrsche darüber Einigkeit – auch mit den Ratsfraktionen – dass die Planungen für einen Bürgerbus vorerst zurückgestellt werden, auch wegen der derzeit schwierigen finanziellen Lage der Stadt: „Ein Bürgerbus ist nichts, woran wir momentan denken“.

Die gleichen Probleme sieht auch Andrea Schiller vom HANAH-Servicebüro: „Der Personennahverkehr in Lennestadt ist zu gut aufgestellt“. Allerdings wollen die Verantwortlichen in einer Arbeitsgruppe das Thema erneut zur Sprache bringen.

AGIL vermittelt Ehrenamtler

Eine kleine, allerdings begrenzte Möglichkeit für Senioren, trotzdem mobil zu bleiben bietet die Aktion für Generationen, Integration und Lebensqualität (AGIL). Dort werden auf Anfrage Ehrenamtler vermittelt, die die Senioren beispielsweise zum Arzt oder zum Einkaufen begleiten. „Allerdings gestaltet sich das manchmal ziemlich schwierig“, erklärt Andrea Schiller. „Um alle Senioren zu unterstützen, bräuchten wir sehr viele Ehrenamtler“.

Auch die Kosten für den Bürgerbus könnten ein Problem sein: Das Land fördert die Anschaffung des ersten Fahrzeugs mit 40.000 Euro, die des zweiten Fahrzeugs aber nur noch mit 35.000 Euro. Aber nur wenn der alte Bürgerbus sieben Jahre gefahren wurde oder eine Kilometerleistung von 300.000 Kilometern nach frühestens fünf Jahren aufweist. Das alte Fahrzeug darf auf Antrag zwei Jahre lang als Ersatz genutzt werden. Zudem gibt es eine Organisationspauschale vom Land, die aber nicht für Deckung der Betriebskosten benutzt werden darf. Dafür stehen die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf oder aber Werbeeinnahmen zur Verfügung. Falls die Kosten so nicht gedeckt werden können, muss die Gemeinde einspringen. Und dem stehen die Verantwortlichen in Zeiten knapper Kassen eher kritisch gegenüber. Bürgermeister Hundt erklärt daher: „Wenn uns jemand den Bürgerbus bezahlt, würden wir dankend annehmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare