Kirmesgefühl in Corona-Zeiten

„Kirmes-to-go“: Rummelalternative begeistert Besucher und Schausteller

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„Kirmes-to-go“-Initiator Frank Foulon (l.) und sein Team der Mandelbrennerei hoffen auf zahlreiche Besucher in Altenhundem.

Das Kirmesgefühl der besonderen Art vermittelt die „Kirmes-to-go“ auf dem Parkplatz der Sauerlandhalle in Altenhundem. Der bekannte Geruch nach gebrannten Mandeln und Popcorn, Kirmesmusik und sogar ein Karussell für die ganz Kleinen bietet die besondere Kirmes, die aus der Not heraus entstand und deutlich das schwere Schicksal der Schausteller in der Corona-Pandemie zeigt. 

Altenhundem - Frank Foulon, selbst Schausteller mit Herz und Seele, hatte die Idee der „Kirmes-to-go“ und auch des „Kirmes-Drive-In“. Als die ersten Absagen Anfang März für Veranstaltungen kamen, ahnte er bereits, dass diese Situation ein wenig länger dauern könnte. „Wir hatten noch auf Mai gehofft“, gesteht Foulon. Doch dann kam corona-bedingt das bundesweite Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober. Er und seine Kollegen waren gezwungen, nach einer anderen Möglichkeit zu suchen, um Geld zu verdienen, um auch die anstehende Winterpause von Januar bis März überstehen zu können. „Die Soforthilfe vom Bund ist gut, hätte aber besser überlegt werden können.“

Besonders für Kleinunternehmer und Selbstständige sei es keine Hilfe, da bis Ende Dezember die erhaltenen Gelder zurückgezahlt werden müssten. Dies sei ohne Einnahmen jedoch kaum zu bewerkstelligen, so Frank Foulon weiter. Da sei ihm die Idee für den „Kirmes-Drive-In“ gekommen.

„Kirmes-to-go“ trotzt Corona: Zwei Spuren für Autofahrer

Die neun Buden bei der „Kirmes-to-go“ sind L-förmig auf dem Parkplatz aufgebaut und bieten verschiedene Leckereien von gebrannten Mandeln, Popcorn, Zuckerwatte, Lebkuchenherzen über frische Crêpes, Churros sowie herzhafte Burger und Backfisch. Zwei Spuren stehen Autofahrern zur Verfügung, die ganz kontaktlos bedient werden können.

Aber auch an Fußgänger haben Frank Foulon und seine Kollegen gedacht. „Wir haben ein strenges Hygienekonzept“, berichtet er . Neben jeder Bude steht corona-gerecht ein Spender mit Desinfektionsmittel, dazu tragen die Schausteller Masken, oder Plexiglasscheiben trennen sie von den Kunden. Dazu ist ein Einbahnstraßen-System entwickelt worden. Auch die Möglichkeit der Rückverfolgung ist per App oder einer Liste möglich. „Die Unterstützung der Stadt Lennestadt und des Schützenvereins war groß“, sagt Frank Foulon. Er sei mit seiner Idee und dem Hygienekonzept auf „offene Ohren“ gestoßen.

Auch Lebkuchenherzen dürfen bei der Kirmesalternative nicht fehlen.

„Kirmes-to-go“ trotzt Corona: Fast einzige Chance für Schausteller

Das erste Mal ist die „Kirmes-to-go“ in Menden an Pfingsten gestartet. „Die Bestätigung aus der Bevölkerung und den Besuchern war groß“, erzählt der Kirmes-Initiator vom Beginn seiner Idee. „Viele waren froh über das Angebot und endlich einmal vor die Tür gehen zu können. Der Zuspruch war so groß, dass wir überlegten, die Idee auch in andere Bereiche auszuweiten.“ In Altenhundem ist es der fünfte Markt für Frank Foulon. „Es gibt viele Orte und Gemeinden, wo wegen Corona nicht einmal ein Trödelmarkt stattfinden konnte. Wir bringen ein bisschen Abwechslung mit unserer Kirmesalternative für die Besucher. Wir wollen auch nicht nur Geld verdienen. Denn Schausteller zu sein ist kein Beruf, sondern eine Berufung“, betont er. „Wer nicht mit Spaß und Herzblut dabei ist, ist auch kein Schausteller.“

Auch seine Kollegen sind von der Idee der „Kirmes-to-go“ begeistert. „Es ist eine gute Idee, da andere Sachen für uns nicht möglich sind. Nur noch diese Pop-up-Freizeitparks“, berichtet Claudia Schäfer, Inhaberin von Schäfers Crêpes. „Ich finde die Idee sehr gut und bin das dritte Mal schon dabei. Ich bin froh um das Mitwirken, da ich sonst keine andere Möglichkeit habe, um Geld zu verdienen“, erzählt Natalie Pretter, die an ihrem Stand Hot-Dogs, Burger und Pommes verkauft. „Es ist super, nach den ganzen Absagen der Volksfeste und anderen Ausweichmöglichkeiten wie Schützenfeste. Trotz keiner großen Karusselle ist für jeden etwas dabei“, ist sich Saskia Hirsch sicher, die bereits zum zweiten Mal dabei ist und Churros anbietet.

Nicht nur für Saskia Hirsch ist die „Kirmes-to-go“ die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Doch nicht nur die Schausteller sind von Frank Foulons Idee überzeugt, sondern auch die ersten Besucher der „Kirmes-to-go“ in Altenhundem. „Ich finde es klasse. Vor allem für die Schausteller, die sonst nichts haben“, berichtet eine Besucherin von ihrem Eindruck. „Grundsätzlich ist es für die Kirmes-Branche gut und auch für den Ort Altenhundem“, meint ein weiterer Besucher. Nicht nur für die großen Kirmesgänger ist Frank Foulons Idee toll, sondern auch für die ganz Kleinen.

Der Schausteller hat sogar schon eine Idee, wie es weitergehen soll, nachdem die erste Corona-Absage eines großen Weihnachtsmarktes im Ruhrgebiet kam. „Ich habe die Idee für einen ,Weihnachtsmarkt-Drive-In‘“, gesteht er. Dieser soll ein ähnliches Konzept wie bereits die „Kirmes-to-go“ besitzen, nur mit Glühwein, Weihnachtsmusik und was sonst noch dazu gehört. Dafür muss jedoch noch die Absegnung durch das Gesundheitsamt erfolgen. Aber Frank Foulon und seine Kollegen geben die Hoffnung nicht auf.

Noch heute und Sonntag können Besucher das etwas andere Kirmes-Gefühl jeweils von 12 bis 21 Uhr genießen.

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