Mediziner muss 230.000 Euro an Patientin zahlen

Kostspieliger Arztfehler

Das Wachkoma wird durch schwere Hirnschädigungen hervorgerufen. Foto: Fotolia/Bergringfoto

230.000 Euro Schadensersatz musste jetzt ein Lennestädter Arzt nach einem Verfahren am Siegener Landgericht an eine ehemalige Patientin bezahlen.

Weil nach einem Hirnaneurysma die von den Kliniken vorgeschriebenen Kontrolluntersuchungen unterblieben, kam es zu einem sogenannten Rupturrezidiv. Mit der Folge, dass die zuvor noch recht rüstige Seniorin vom einen auf den anderen Moment ins Wachkoma fiel.

Die schwerstpflegebedürftige 77-Jährige ist mittlerweile in einer Briloner Spezialeinrichtung untergebracht, wo sie auch künstlich ernährt wird. „Meine Mutter kann sich weder bewegen noch sprechen“, beschreibt Tochter Ines Lehmann das Leid ihrer Mutter.

Ärztepfusch? „Ich habe alles richtig gemacht“, so der langjährige Hausarzt der Lennestädterin. Und wieso haben sich die Prozessparteien vor dem Siegener Landgericht dann mit dem Plazet der Haftpflichtversicherung auf solch eine horrende Summe geeinigt?

„Fachlich habe ich mir nichts vorzuwerfen.“

Für den Lennestädter Arzt liegt der Fehler nicht bei ihm selbst, sondern im System. „Im Medizinrecht“, so der in der Region renommierte Mediziner, der seit mehr als drei Jahrzehnten praktiziert, „muss ab einer bestimmten Summe immer der Arzt beweisen, dass es nicht zu Fehlern gekommen ist. Fachlich habe ich mir absolut nichts, aber auch gar nichts vorzuwerfen. Ich kann es nur nicht beweisen.“ Heute wisse er, dass das seinerzeitige Dokumentationsverfahren in der eigenen Praxis ungenügend gewesen sei.

Im konkreten Fall hätte der Arzt seine Patientin darauf hinweisen müssen, dass diese sich aufgrund des Hirnaneurysmas zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in die Hände eines Spezialisten begeben muss. „Das ist auch so geschehen“, so der Hausarzt, „ich konnte es aber letztlich nicht beweisen.“

Die Patientin habe er lange gekannt, „sie tut mir auch aufrichtig leid“. Es sei fast ein freundschaftliches Verhältnis gewesen, vor Weihnachten hätten die Seniorin und ihr zwischenzeitlich verstorbener Mann sogar Stollen vorbeigebracht. Der Arzt ist überzeugt, dass, auch wenn das Rupturrezidiv durch Kontrolluntersuchungen frühzeitig entdeckt worden wäre, das postoperative Ergebnis das gleiche gewesen wäre. „Das hat mir eine Neurologin bestätigt.“

Fortsetzung auf Seite 26 (Von Torsten-Eric Sendler)

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