Kreativworkshop zu „Zukunft braucht Herkunft“

Start in ein Experiment

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Knapp 50 Interessierte nahmen am Workshoptag teil und versuchten mit ihren Ideen, Geschichte wieder lebendiger zu machen.

Grevenbrück. „Herzlich Willkommen zu einem Experiment“, begrüßte die Kreisheimatpflegerin Susanne Falk die Teilnehmer des Kreativworkshops zu „Zukunft braucht Herkunft“, ausgerichtet von der Stadt Lennestadt und der Gemeinde Kirchhundem. Es sollte ein Experiment werden, um zu testen, wie lokale Geschichte auf unkonventionelle, neue Weise vermittelt werden kann. Ein Tag voller Kreativität, interessanten Ideen und dem Willen, etwas verändern zu wollen, begann.

Die Stadt Lennestadt, die Gemeinde Kirchhundem und die Kreisheimatpflegerin Susanne Falk hatten zu diesem „Kreativworkshop“ im Kulturbahnhof Grevenbrück eingeladen. Das Ziel: Zusammen mit den Teilnehmern Ideen auszutüfteln, um Menschen jeden Alters für lokale Geschichte zu begeistern. Der Leitsatz der Aktion bringt die Dringlichkeit dieses Problems auf den Punkt: „Zukunft braucht Herkunft“.

Viele Menschen würden über die Vergangenheit ihrer Wohnorte, des Lebens dort und über ihre Herkunft nicht viel wissen. Unterstützt wurde das Ganze vom Heimatverein Grevenbrück. 

Der Workshop begann mit einem Impulsreferat von Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL Landesmedienzentrums. Er brachte erst einmal drei Ansätze dazu vor, wie Geschichte wieder lebendiger gemacht werden könnte. Zum einen solle die Geschichtskultur in ein attraktives Freizeitangebot eingebunden werden. Dazu biete sich auch der Tourismus an. Zum anderen „sollte man den demographischen Wandel sehr ernst nehmen“, so Köster. Die Gesellschaft werde immer älter. Somit bestünde die Möglichkeit, dass ältere Menschen länger und auch intensiver über die lokale Geschichte erzählen können. Die Zielgruppe aber, um Geschichte lebendig zu halten, sei die Jugend. 

Bestehende Strukturen ergänzen

Der dritte Ansatz leite sich daraus ab – die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung. Einer der häufigsten Kritikpunkte an der zunehmenden Digitalisierung sei, dass Jugendliche nur noch den Blick für ihr Smartphone hätten, was als Gefahr für Bildung angesehen werde. Allerdings lasse sich laut Prof. Dr. Köster und auch der Meinung vieler Teilnehmer, dies sowohl auch positiv nutzen. „Es geht keinesfalls darum, die aktuellen Strukturen und Ausstellungen zu ersetzten“, betonte Markus Köster, „sondern sie nur zu ergänzen“ – soweit die Theorie. Also wie könnte die Praxis, Geschichte lebendig zu halten, nun aussehen? Damit befasste sich der von Sabine Falk moderierte Workshop. In „schulüblicher“ Manier wurde durchgezählt, dann teilten sich die Teilnehmer in Gruppen auf. Jeder musste seinen Namen und seinen Bezug zur Geschichte auf einem Zettel notieren. Vielleicht waren es damals die Lehrer, vielleicht waren es auch die Eltern oder Großeltern, die Geschichte weitergaben. Die notierten Gedanken waren vielfältig und bunt gemischt. Es folgte eine interaktive Vorstellungsrunde, bei der die Ergebnisse der Gruppen präsentiert wurden. Die Aufgabe des Tages wurde nun konkreter, „die traditionellen Gedanken zu überrumpeln“, erklärte Sabine Falk.

Im Anfang eines kreativen Prozesses sei die „blödeste Idee immer die beste, solange sie schnell entsteht“. Die individuellen Bezüge der Teilnehmer zur lokalen Geschichte wurden von den einzelnen Gruppen genutzt, um sie zu zukunftsfähigen Ideen auszubauen. Neben neuen Ansätzen, wie die Verbreitung von Geschichte über die sozialen Netzwerke, hielten viele der Besucher noch an dem Gedanken fest, die klassischen Museen zu nutzen, aber sie mit digitalen Medien umzustrukturieren. Das Erzählen von Geschichte spielte ebenfalls eine große Rolle in den Vorschlägen für das Anliegen des Workshops. Die Teilnehmer zeigten Ehrgeiz und Kreativität, um Möglichkeiten zu finden, die Geschichtskultur interessant zu übermitteln. Jede Gruppe hatte am Ende fünf Minuten Zeit, ihre Ergebnisse darzustellen – ein Zeitraum, der kaum ausreichte. 

Am Ende des Workshoptages hatten die Teilnehmer mehrere Ansätze zum lebendig Halten von Geschichte entwickelt. Das Ziel des ersten Treffens war erreicht: Es sollten spontan Ideen überlegt werden. Die detaillierte Planung müsse natürlich länger geplant und ausgearbeitet sein, so Susanne Falk: „Wir werden einen langen Atem brauchen. Jetzt fangen wir aber erst einmal an.“

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