„Wen würdest du wählen?“
Landtagskandidaten stellen sich den Fragen der Jugend
Altenhundem/Kreis Olpe. Drei Jugendparlamente aus dem Kreis Olpe verwandelten jetzt das Needles & Pins in eine gut besuchte „Talk Bar“. Anlässlich der Landtagswahlen am 14. Mai standen die Kandidaten aus dem Kreis Olpe den jungen Moderatoren Rede und Antwort.
Tim Steinberg und Sebastian Menn vom Jugendparlament Lennestadt nahmen bei ihren Fragen an die Politiker kein Blatt vor den Mund. Alles was das junge Publikum interessieren könnte, wurde thematisiert. Ralf Knocke von der Linken, Jochen Ritter von der CDU, Gregor Kaiser von den Grünen, Bastian Halbe von den Piraten, Wolfgang Langenohl von der SPD und Joachim Hoffmann von der FDP gerieten bei einigen der Themenbereiche in hitzige Diskussionen.
- Verkürzte Schulzeit Wolfgang Langenohl (SPD) spricht bei der G8 oder G9 Debatte für seine Partei: „Wir wollen zurück zu G9!“ Joachim Hoffmann (FDP) sieht die Thematik etwas gelassener. So ein System müsse seiner Meinung nach besser geprüft und evaluiert werden. Ralf Knocke (Linke) wäre dafür das Blickfeld zu erweitern und sich mehr mit den Schulsystemen in anderen Ländern zu vergleichen. Jochen Ritter (CDU) ist es wichtig, dass kein gleichzeitiges Angebot von G8 und G9 in NRW herrscht.
- Investition in Bildung Hier sind sich alle Kandidaten am Talk-Tisch einig: Bildung muss besser finanziert werden. Bastian Halbes (Piraten) Begründung: „Das Gold liegt in unseren Köpfen.“ Das Ziel von Wolfgang Langenohl (SPD) ist es die Kosten für jegliche Bildung abzuschaffen. Kritik an der derzeitigen Landesregierung der SPD kam von der Linken und der CDU. Da NRW im Bildungsmonitor derzeit auf Platz 14 von 16 steht, sei der Bereich der Bildungsförderung keine Bestleistung der Regierung, so Jochen Ritter (CDU). Ralf Knocke (Linke) würde das Geld vor allem in kleinere Klassen investieren.
- Sekundarschule Gregor Kaiser (Grüne) sagt, dass die Sekundarschule der richtige Weg sei. Er wünsche sich aber eine Schule für alle. Ganz anderer Meinung ist hier Jochen Ritter (CDU), der die Differenzierung erhalten will. Joachim Hoffmann (FDP) schlägt vor die anwesenden Schüler zu befragen. Die Meinungen gehen bei der kurzen Umfrage deutlich Auseinander. Das Ergebnis repräsentiert auch die Haltungen am Talk-Tisch.
- Bildungsföderalismus Für Bastian Halbe (Piraten) ist klar, dass der Föderalismus ungerecht ist. Er fordert gleiche Abschlüsse für alle Bundesländer. Jochen Ritter (CDU) glaubt, dass das bestehende System schon ganz gut funktioniere. Bei Studienvoraussetzungen sollten jedoch neben dem NC auch einschlägige Ausbildungswege mehr berücksichtigt werden. Joachim Hoffmann (FDP) hält den Wettbewerb unter den Bundesländern für sinnvoll. Das System müsse bloß besser evaluiert werden.
- Technik im Unterricht Joachim Hoffmann (FDP) kennt das Problem der neuen Technik im Unterricht auch noch aus seiner Schulzeit. Damals mussten die Schüler dem Lehrer zeigen wie der Overheadprojektor nachgespannt wird. Heute, so bestätigt auch der 23-jährige Bastian Halbe (Piraten), müssten die Schüler den Lehrern Nachhilfe in der Internetnutzung geben. „Jeder kann voneinander lernen“, zieht Gregor Kaiser (Grüne) daraus. Wolfgang Langenohl (SPD) fordert einen bewussten Umgang mit smarter Technik. „Wir nutzen das Handy ja auch für effiziente Phasen“, erzählen die Moderatoren über ihre Smartphones, die sie in der Schule nicht nutzen dürfen. Gregor Kaiser (Grüne) begründet so ein Verbot damit, dass viele auch gedankenlos mit dem Smartphone umgehen. Er ist der Meinung, dass man in der Schule vor allem diskutieren und argumentieren lernen sollte.
- Breitbandausbau Wolfgang Langenohl (SPD) weiß, dass bei dem Ausbau des Internets noch einiges getan werden muss. „Wir sind da auf dem Weg“, sagt er. Bastian Halbe (Piraten) will in dieser Hinsicht, anders als sein Name vermuten lässt, keine halben Sachen machen. Er will sich für Glasfaser in jedem Haus einsetzen. Jochen Ritter (CDU): „Das hätte schneller gehen können. Das muss aber auch alles bezahlt werden.“
- Öffentliche Verkehrsmittel Bus fahren im Kreis Olpe und Siegen bekommt von Ralf Knocke (Linke) eine 4-5 im Schulnotensystem. Joachim Hoffmann (FDP) fahre viel Bus und oft sei er der einzige Fahrgast, erzählt er. Dass das Bussystem nicht genutzt wird, liege vor allem an der Akzeptanz der Gesellschaft. Gregor Kaiser (Grüne) ist unzufrieden mit den bestehenden Verbindungen. Zudem mutmaßt er, dass der ÖPVN möglicherweise günstiger wäre, wenn die Tickets umsonst wären, da man sich dann das unübersichtliche Ticketsystem sparen könne. Er appellierte in dieser Diskussion an die Jugendparlamente Olpe, Attendorn und Lennestadt. Das Thema Nahverkehr sei eine tolle Chance sich im Kreistag einzusetzen.
Nach der Diskussionsrunde hatten die Anwesenden die Möglichkeit Fragen zu stellen und die Kandidaten der sechs Parteien persönlich kennen zu lernen. Abschließend stellten Tim Steinberg und Sebastian Menn den Kandidaten eine ganz besondere Aufgabe: „Versetz dich in die Rolle eines hier anwesenden Schülers. Wen würdest du nun wählen?“ Keiner der Kandidaten wählte sich selbst. Jochen Ritter (CDU) gab seine Stimme der FDP. Ralf Kocke (Linke) konnte sich nicht zwischen den Piraten und den Grünen entscheiden. Bastian Halbe (Piraten) wählte grün und sowohl Wolfgang Langenohl (SPD), als auch Gregor Kaiser (Grüne) wurden von der CDU überzeugt. Jochen Ritter ging somit als Sieger aus der Diskussion. Wie die jungen Wähler entscheiden, zeigt sich am 14. Mai.