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Landwirte im Kreis Olpe: „Wir brauchen Planungssicherheit“

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Von: Hartmut Poggel

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Nahmen für das Gruppenfoto stilecht Platz (v.l.): Michael Richard, Hildegard Hansmann-Machula (beide Kreisverband) Guido und Tina Quinke sowie Stefan Becker-Borggräfe (Kreisverband)
Nahmen für das Gruppenfoto stilecht Platz (v.l.): Michael Richard, Hildegard Hansmann-Machula (beide Kreisverband) Guido und Tina Quinke sowie Stefan Becker-Borggräfe (Kreisverband). © Hartmut Poggel

Gemischt wie das Wetter fällt für die Landwirte im Kreis Olpe dieses Jahr aus. In der urigen Tenne von „Quinken Hof“ in Melbecke zog der Vorstand des Landwirtschafts-Kreisverbandes Olpe Bilanz.

Melbecke/Kreis Olpe - Der Hof von Guido und Tina Quinke hat sich zum „Urlaubsbauernhof“ gewandelt und zeigt so exemplarisch die zukunftsgerichteten Möglichkeiten der heimischen Landwirte auf.

„Der viele Regen in diesem Jahr hat dem Grünland und dem Wald gut getan“, so der Kreisvorsitzende Michael Richard (Petmecke). „Der stark geschädigte Wald kann so langsam seine Wasserspeicher wieder auffüllen. Aber: Blitzartig hat der Borkenkäfer in den letzten drei Jahren die Fichtenwälder vernichtet. Kapital von Generationen ist verschwunden. Im Gegensatz zu den letzten Jahren ist aber auf unseren Rinder haltenden Betrieben auf jeden Fall schon mal die Futterversorgung weit über den Winter hinaus gesichert. Wir haben gute Preise für Rindfleisch und stabile Milchpreise. Die Getreideernte war wegen des Regens teils schwierig.“ Desaströs ist die Lage der Schweinezüchter: „China hilft den Waldbesitzern, die Holzpreise sind hoch, zugleich lässt China aber die Schweinezüchter vor die Wand fahren. In diesem Bereich sieht es düster aus.“ China hat den Import deutschen Schweinefleisches wegen der Afrikanischen Schweinepest drastisch reduziert. Folge: Ein Überangebot an Scheinefleisch im Land. „Deutschland ertrinkt in Schweinen.“ Hohe Kosten, niedrige Preise. Viele Züchter stehen vor großen Problemen. Sie haben nicht den Grund und Boden, um im Sinne des Tierwohls zu investieren. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) fordert daher für Züchter, die aufhören müssen, eine Ausstiegsprämie.“

Gut sieht es beim Mais aus. Michael Richard wagt mitten in der Ernte eine Prognose: „Der Mais kommt gut mit sich ändernden Wetterbedingungen klar und es sieht so aus, als könnten die Tierhalter ihre Futtervorräte durch den energiehaltigen Mais sehr gut ergänzen.“

Wenig Erfreuliches gibt es über die Getreideernte zu berichten. Schriftführer Georg Jung: „Die Getreideernte war in diesem Jahr spannend: Kurze Regenlöcher machten das Einbringen zum Glücksspiel. Jetzt konnten die letzten Sonnentragen noch genutzt werden. Klar ist aber: Die Qualität ist eher schwach, die Menge war ordentlich.“

Eine Forderung in Richtung der neuen Bundesregierung hat der frischgebackene Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Lennestadt im Landwirtschaftlichen Kreisverband Olpe, Stefan Becker-Borggräfe aus Grevenbrück: „Wir brauchen Planungssicherheit und eine echte Perspektive für uns Landwirte, und damit auch für die kleinen Schlachter vor Ort.“ Der 32-Jährige bewirtschaftet mit Bruder und Mutter einen Hof mit 60 Milchkühen.

Als „Gemischtwarenladen mit Schwerpunkt Tourismus“ bezeichnen Tina und Guido Quinke ihren Hof im Melbecketal. Elf Ferienwohnungen, eine kleine Reitschule sowie Einstellplätze für insgesamt rund 50 Islandpferde hat der Betrieb zu bieten. Schon die Eltern des Ehepaares begannen Unterkünfte zu vermieten, als Pierre Brice als Winnetou beim Elspe Festival auftrat. Sukzessive wurde die klassischen Landwirtschaft zurückgefahren und auf Diversität gesetzt.

Michael Richard sieht in diesem und vergleichbaren Höfen eine Chance für die Bauern: „Die Landwirtschaftsschulen sind voll.“

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