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Zweiter Hilfstransport bringt Spenden direkt zu den Betroffenen

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Von: Inge Schleining

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Lennestadt hilft Hilfstransport in die Ukraine
Das Team von „Lennestadt hilft“ vor der Abfahrt in die Ukraine. © Privat

Spenden und Hilfsgüter dorthin bringen, wo sie wirklich gebraucht werden und den Menschen vor Ort zeigen „Wir denken an Euch, wir sind für Euch da“ – das ist das Ziel von „Lennestadt hilft“. 

Lennestadt/Charkiv - Nach zwei Transporten an die ukrainische Grenze machte sich vor vier Monaten der erste Hilfstransport in Richtung Charkiv auf den Weg, am Montag startete der zweite. Von unterwegs berichten die Helfer von ihren Erlebnissen.

Update: Freitag, 7. Oktober

Das Helferteam ist wohlbehalten wieder zurück in Deutschland. „Danke auch an alle, die uns aus Deutschland unterstützt haben mit Sach- und Geldspenden sowie guten Gedanken, Wünschen und emotional motivierten Worten. Wir waren nicht alleine dort, sondern mit euch allen zusammen. Wir sollen von den Menschen aus der Ukraine allen Menschen in Deutschland danken. Es tut ihnen unermesslich gut, dass sie von uns allen nicht vergessen werden“, schreibt Matthäus Wanzek von Lennestadt hilft.

Update: Sonntag, 2. Oktober

Mit den Hilfspaketen an Bord ist das Helferteam am Samstag nach Balaklija gefahren. Ein Ort, fast an der Front, der vor kurzem erst von der Ukraine befreit worden ist. Hier gibt es Gebiete, die fast komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind, „die Brücken sind zerstört, man kommt zum Teil nur über Pontonbrücken in diese Gebiete hinein. Alle Supermärkte sind zerstört und ausgeraubt, so dass die Menschen dort wirklich auf humanitäre Hilfe angewiesen sind“, erzählt Matthäus. Überlebt haben sie durch Vorräte, die sie in ihren Kellern gelagert hatten. „Aber natürlich kann man Reis oder Nudeln dort nicht herstellen oder konservieren und deswegen haben die Menschen sich unheimlich gefreut. Sie waren sehr diszipliniert und wirklich anständig, freundlich und dankbar.“

Insgesamt haben die Helfer drei Dörfer in der Umgebung von Balaklija besucht. „Die Menschen waren wirklich extrem dankbar und haben es wirklich ganz oft gesagt, wie toll sie es finden, dass Unterstützung aus Deutschland kommt.“ Im letzten Dorf standen 210 Menschen an der Straße und haben gewartet, und man hat den Leuten angesehen, was sie in den letzten Monaten der Besatzung erlebt haben.“

Am heutigen Sonntag hat das Helferteam ein Kinderkrankenhaus besucht und mit dem leitenden Chirurgen gesprochen. „In den schlimmsten Zeiten wurden einmal acht Kinder, einmal 22 Kinder auf einmal eingeliefert, als ein Kindergarten von einer Rakete getroffen wurde.“ Das Krankenhaus selber wurde viermal angegriffen, bei den Angriffen ist meistens niemand verletzt worden. „Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass hier wirklich Kinder darunter leiden und mit Leib und Leben dafür bezahlen“, sagt Matthäus.

Nun heißt es Abschied nehmen für die Helfer. Am heutigen Sonntag war der Kommandant der Nationalgarde zu Besuch und hat den Helfern eine Danksagung überreicht. Nach dem großen Abschied macht sich das Team auf den Rückweg nach Deutschland.

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Das Besondere an diesen Transporten ist, dass sie nicht an der Grenze zur Ukraine oder kurz dahinter Halt machen, sie führen weiter, nach Charkiv und in die gerade befreiten Gebiete.

Mit zwei Transportern, vollbepackt mit Hilfsgütern, starteten Matthäus Wanzek und seine Mitstreiter Sabine, Tamara und Simon sowie André aus der Ukraine, der die Helfer bis Lwiw begleitet, am Montagmorgen.

Der erste Zwischenstopp nach 900 Kilometern ist in Polen. Hier bleibt Zeit für einen Einkauf von Outdoorkleidung für die Menschen in der Ukraine. Am zweiten Tag überqueren die Transporter dann die ukrainische Grenze, „die Stimmung ist gut und wir lernen uns besser kennen“, schreibt Matthäus. Abends kommt die Gruppe in Lwiw an und kann auf dem Weg ein Hörgerät übergeben, um das die Ukrainer gebeten hatten. Vor Fahrtantritt hat Lennestadt hilft die Menschen in der Ukraine gefragt, was konkret benötigt wird und so ganz gezielt die Hilfsgüter zusammengestellt und ausgewählt.

Hilfstransport Lennestadt hilft in die Ukraine
Großeinkauf in der Ukraine. © Privat

Mit Polizeieskorte geht es über die ukrainischen Straßen. Das nächste Zwischenziel ist Kiew, von dort geht es weiter nach Charkiv. Hier laden die Helfer die Transporter aus, füllen das Lager und packen die Spenden auf Wochenrationen um. Mit den Geldspenden geht es zum Großeinkauf, zehn große Einkaufswagen füllen sich, der Inhalt ist gut geplant und teilweise auch „bestellt“.

Hilfstransport Lennestadt hilft in die Ukraine
Zehn große Einkaufswagen voll mit Hilfsgüter wollen verteilt werden. © Privat

„Wir hatten heute einen intensiven Tag und haben die Stationen besucht, die ich bei meinem letzten Besuch in Charkiv besucht habe, und dort Lebensmittel hingebracht“, berichtet Matthäus. „Einmal eine Station, wo ältere Frauen waren, an der anderen Station waren junge Familien mit Kindern“. Im Anschluss ging es noch zu einer zerbombten deutsch-ukrainischen Schule in Charkiv. Hier finden die Helfer durch Zufall die verrostete, zerstörte Schulklingel.

Hilfstransport Lennestadt hilft in die Ukraine
In Charkiv haben die Helfer die Hilfsgüter an mehreren Stationen verteilt. © Privat

Aber Matthäus ist positiv gestimmt: „Man hat deutlich gemerkt, dass die Situation besser ist als vor vier Monaten, den Menschen ging es besser, auch wenn es bei weitem noch nicht gut war, aber die Situation in Charkiv bessert sich“, sagt er.

Hilfstransport Lennestadt hilft in die Ukraine
Vor der Abfahrt in die kürzlich befreiten Gebiete. Eine Schutzausrüstung ist dabei Pflicht. © Privat

Freitag machte sich das Team auf in die gerade befreiten Gebiete, dort gibt es kein Handynetz, die Helfer wurden angewiesen, kugelsichere Westen und Helme anzuziehen. Sie besuchen dort drei kleine Dörfer. Im Gepäck haben sie Verpflegungstüten, die mindestens eine Woche reichen sollen. Am Abend vorher haben sie die 150 Tüten gepackt, sie enthalten Nudeln, Haferflocken, Zucker, Salz, Öl, Buchweizen, Tee, Ibuprofen, Seife, Zahnpasta, Desinfektionsmittel, Zahnbürsten, Konserven mit Fleisch und Fisch und „als süße Geste dazu“ ein Tütchen Gummibärchen.

Update, Samstag, 1. Oktober

Die Helfer sind wohlbehalten und mit bewegenden Eindrücken zurück aus den kürzlich befreiten Gebieten. „Wir waren, und das konnten wir gar nicht glauben, einen Kilometer von der russischen Grenze entfernt, nördlich von Charkiv, und haben dort als erste Station ein Dorf mit etwa 45 Menschen besucht und Lebensmittel am Haus des Bürgermeisters verteilt“, berichtet Matthäus. „Einer von uns ist noch durch das Dorf gefahren und hat gehupt, damit die Menschen wissen, dass es jetzt etwas gibt. Die Leute kamen nach und nach aus ihren Häusern, zuerst war es sehr erschreckend und befremdlich, weil die Leute sehr verängstigt waren und sehr zurückhaltend. Danach hat sich die Stimmung langsam gelockert und die Leute haben gemerkt, dass es einfach etwas zu Essen gibt. Sie sind aus ihren Häusern gekommen und haben sich mit uns unterhalten. Wir haben uns alle an die Hände gefasst, haben uns in einen Kreis gestellt und haben auch zusammen gesungen. Es war sehr bewegend.“

„Dann sind wir zum nächsten Dorf gefahren und die Strecke dorthin war wie Armageddon, das hätte sich keiner von uns vorstellen können. Eine Straße, auf vier, fünf Kilometern nur Zerstörung, mit Autowracks rechts und links. Alle Bäume entlang der Strecke waren in Mitleidenschaft gezogen, es gab kaum einen Ast, der nicht abgeknickt war. Das konnten wir uns vorher wirklich nicht vorstellen.“ In diesem Dorf verteilen die Helfer noch einmal die Hilfstüten. „Wir haben den Menschen gesagt, dass es bei uns viele Menschen gibt, die an sie denken und sie nicht vergessen. Es war wirklich schön, dass wir nachher auch Lächeln sehen konnten, Menschen, die dankbar waren, aber auch schwer gezeichnet vom Krieg.“ In einem dritten Dorf verteilen die Helfer weitere Lebensmittel, unterwegs die restlichen.

Zurück in Charkiv haben die Helfer am Freitagabend unter mehreren Luftangriffen weitere Lebensmittel eingekauft: „Lebensmittel für 500 weitere Tüten, was eine riesige Menge ist. Wir haben lange gebraucht zum Einkaufen und Bezahlen, haben viele Spendengelder dafür verwendet.“ Bis zwölf Uhr nachts hat das Team die Lebensmittel sortiert und in Tüten gepackt, die Helfer vor Ort haben noch bis drei Uhr morgens Hilfsgüter zusammengestellt und verpackt. „Heute fahren wir ohne einen Quadratzentimeter Platz in unseren Bussen in die Dörfer rund um die Stadt Balaklija. Hier kommt nur wenig Hilfe an, die Dörfer sind vom Netz abgeschnitten, teilweise auch vom Strom“, so Matthäus.

Mittlerweile ist auch die ukrainische nationale Presseagentur auf das Helferteam aus Lennestadt aufmerksam geworden und hat mit vielen Fotos berichtet.

Wer die Menschen in der Ukraine unterstützen möchte kann Spenden auf das Konto der Kirchengemeinde St. Bartholomäus Meggen unter dem Stichwort Lennestadt hilft, Volksbank Sauerland, DE39 4606 2817 4341 0886 02 überweisen.

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