"Wo geht’s denn hier nach Lennestadt?" begeistert die Zuschauer

Lennestadt-Musical setzt dem 50. Stadtjubiläum die Krone auf

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Jede Menge "Bergleute" von Sachtleben liefen auf und zeigten, dass Lennestadt früher eine bedeutende Grube hatte.

Lennestadt - Die langen Vorbereitungen haben sich gelohnt: Das Lennestadt-Musical setzt dem Stadtjubiläum die Krone auf, da waren sich alle Beteiligten nach der Premierenvorstellung einig. Christa-Maria Jürgens, Gesamtverantwortlich für das Musical, strahlte nach der Vorstellung übers ganze Gesicht, war ihr doch mit diesem Meilenstein der ganz große Wurf gelungen.

Drei komplett ausverkaufte Vorstellungen im PZ Meggen sprechen für sich; stehende Ovationen waren die logische Folge. Gemeinsam mit Michael Nathen (Musikalische Leitung), Tanja Wienand (Choreographie) und David Löher (Projektkoordination) hat Christa-Maria Jürgens ein Bühnenwerk geschaffen, über das man nicht nur in Lennestadt noch lange sprechen wird. 

Mit den zahlreichen Mitstreitern, zwei Jahren Recherche und unglaublich viel Arbeit gelang es, nicht nur den Werdegang der neuen Kommune, sondern auch parallel dazu den Zeitgeist der ‚Gründerjahre‘, verwoben mit einer Liebesgeschichte, aber auch mit einer Menge an Informationen und nicht zuletzt einem nachdenklichen und traurigen Teil; der auch im Kreis Olpe für viel Not und Tränen gesorgt hat, umzusetzen. 150 Darsteller vor und 50 Akteure hinter den Kulissen sowie eine beispiellose disziplinarische Leistung sorgten für Gänsehautfeeling beim Publikum. Möglich machten dieses Werk: der Kinder- und Jugendchor Grevenbrück, der Frauenchor „Cantiamo“, der Männerchor „Gaudium“ und Mitglieder der Jungen Philharmonie Lennestadt und die Band.

Insgesamt 14 Szenen wurden dargestellt; perfekt klappten auch immer die kurzen Umbauphasen. Die Technik war super und so manche Einspielung von Fotomaterial aus den einzelnen Ortschaften mit ihrem charakteristischen Flair, sorgte für manches „Ah“ und „Oh“ beim Publikum. Rathausbote Toni Heinemann hatte viel zu tun, war er doch zuständig für den Austausch von Schriftstücken und anderen Dingen, die er den einzelnen Ämtern zu bringen und abzuholen hatte. Die einzelnen Dienststellen waren nämlich in den ersten Jahren in verschiedenen Gebäuden Grevenbrücks untergebracht. Mail, Fax, Handy - kannte man da noch nicht. 

Maria (Monika Dietermann) im Gespräch mit Hausmeister Toni Heinemann

Es war überhaupt ein holpriger Weg, die Stadt Lennestadt auf den Weg zu bringen. Da man keinen Ratssaal oder ähnliche Räumlichkeiten hatte, wurden die Sitzungen oftmals in den heimischen Gaststätten abgehalten. Da ging es auch schon mal hoch her. Einig wurde man sich auch nicht, wo denn nun das neue Rathaus stehen solle. Altenhundem oder Grevenbrück oder doch letztendlich „Im Ohl“ in Meggen? Für den Bergmannsort hatten sich die Ratsmitglieder bereits entschieden. Das Regierungspräsidium aus Arnsberg widersprach und stellte nur Fördermittel für Altenhundem zur Verfügung. Der neue Stadtdirektor Erwin Krollmann aus Arnsberg kam nach Grevenbrück und hatte keine Wohnung. „Den bringen wir beim Stens unter“, sagte ein Ratsvertreter. So kam es, dass dieser zunächst in der Tat für ein Jahr im Haus von Dietrich Stens untergebracht wurde, bis sein Domizil am Lehmberg zur Verfügung stand. Den jungen Leuten damals, war das ganze Procedere um die neue Stadt ziemlich egal. Sie interessierten sich für „Peace and Freedom“. Folk in den Bergen war die Veranstaltung in den Veischedewiesen in Grevenbrück, wo damals so richtig die Post abging. Herrliche Tanzszenen in bunten Kostümen sorgten dafür, dass der Zeitgeist förmlich ins PZ überschwappte. Wie ein roter Faden zog sich auch die Geschichte von Sachtleben durch das Musical. Seit vielen Jahren sorgte das Bergwerk durch den Abbau von Schwerspat und Schwefelkies auch für Wohlstand in und um Meggen. „Glück auf“ und viele kleine und große Bergleute mit ihren weißen Helmen und nicht zuletzt Steiger Paul und Lehrling Fritze sorgten dafür, dass man mit in den Stollen genommen wurde. 

Schmankerl am Rande: der Vater von Bürgermeister Stefan Hundt war Lokomotivführer und brachte den kleinen Stefan mit an die Gleise, dieser zeigte sich bereits damals diplomatisch und erkannte, dass die Bahn zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor gehörte. Maria und Gerda, zwei Hausfrauen von damals, sorgten mit ihrem losen Mundwerk für Lachsalven und last but not least tauchten immer wieder Personen auf, die man eigentlich gar nicht vermutete.

Mit Sachtleben ging es dann leider bergab – am 31. März 1992 schloss die Grube für immer ihre Pforten. Auf dem Gelände siedelten sich einige neue Firmen an und auch Pyramiden wurden errichtet. So kam ein leibhaftiger Pharao mit seinem Gefolge an und stellte abermals die Frage: wo geht es denn hier nach Lennestadt? Dass Winnetou und seine Mannschaft von der Karl-May-Bühne Elspe nicht fehlen durften, versteht sich ja von selbst. Aber immer wieder erstaunlich, wie die einzelnen Erzählstränge verbunden wurden, einmal mit Tanz und Gesang, dann aber auch wieder mit einem schauspielerischem Eifer, der an Profis erinnern ließ. Dazu musikalische Einwürfe von den Mitgliedern der Band und der Philharmonie – wie zum Beispiel „Walk like an Egyptian“ – die Choreographie war bombastisch. Die Kostüme und die Requisiten ebenso… 

Dann war da noch die Freundschaft von Klaus und Ingrid, die sich seit frühen Kindertagen kannten, und nach und nach immer mehr Gefallen aneinander fanden. Tom Julius Beier und Katharine Jütte sangen sich in die Herzen der Zuschauer. Zwischendurch immer wieder Erwin Krollmann, der Stadtdirektor nahm Kontakt mit dem Architekturbüro Miele aus Hagen auf (der Seniorchef saß übrigens auch am Freitag im Publikum) – dieses hatte doch den Wettbewerb um die Pläne fürs Rathaus gewonnen und trug maßgeblich dazu bei, dass am 2. Juni 1984 bezugsfertig war. 

Mucksmäuschenstill wurde es gegen Ende der Vorstellung, als an die Verlegung der Stolpersteine erinnert wurde. Sie erinnern an die Deportation von jüdischen Mitbürgern. Langsam und in dunklen Kostümen ziehen die Sängerinnen und Sänger auf die Bühne und stützen sich gemeinsam. Als dann noch Maria Nentwig das Lied: „Yerushalayim shel zahav“ aus dem Film „Schindlers Liste“ singt, wird es den Zuschauern schwer ums Herz. „Fremdenhass darf nie wieder herrschen“ – ruft dann ein Mitglied vom Ensemble in den Saal und dem kann man nur beipflichten. Lennestadt bietet heute Menschen verschiedenster Nationalitäten und Religionen ein zuhause. „Wir wollen eine bunte Stadt“… Folgerichtig hatten alle Darsteller bei der Schlussszene ein weißes Shirt mit einer Flagge angezogen. Alle möglichen Länder dieser Welt waren da vertreten und genauso freundlich präsentiert sich die Lennestadt auch heute. 

Ohne Zugabe ließ das Publikum die Akteure nicht von der Bühne - und dass die Lennestadthymne vorgetragen wurde und alle mitsangen, versteht sich ja von selbst.

43 Ortschaften – eine Stadt – so präsentiert sich heute die Kommune im Herzen des Sauerlands. Ganz großes Kino mit einer beispiellosen Leistung der Akteure vor und hinter den Kulissen und den Wegbereitern.

Lennestadt-Musical feiert Premiere

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