Lennestädter Demenzwochen: Plädoyer für Akzeptanz und Toleranz

Die Reise aus "Normalien" ins "Anderland"

Als kleines Dankeschön überreicht Tanja Hilden dem ersten Referenten der neunten Lennestädter Demenzwochen, Erich Schützendorf ein Präsent.

In „Normalien“ wird das Leben der Menschen vom Verstand, Berechenbarkeit, Nützlichkeit und Rationalität bestimmt. Das „Anderland“ hingegen ist ein Land der Sinne, in dem Gefühle, Fantasie und andere Sitten, weg von Rationalität die Menschen bestimmen. In dieses Land brechen laut Erich Schützendorf an Demenz erkrankte Menschen auf.

Der Referent und Buchautor war im Rahmen der neunten Lennestädter Demenzwochen im fast vollbesetzten Lennestädter Ratssaal auf Einladung des Caritas-Zentrums Lennestadt/Kirchhundem zu Gast. Er warf einen liebevollen Blick auf die Menschen mit Demenz und deren Eigensinn, schärfte den Blick für die Unterschiede und ermutigte zu Toleranz und Verständnis. Angehörige, Begleiter und Pflegende können die Menschen mit Demenz bei deren Reise vom Verstande weg entspannter, freundlicher, liebevoller und verwöhnender begleiten, wenn sie ihre Vorstellung von Würde nicht einseitig an Rationalität und funktionaler Autonomie festmachen, wenn sie Abbau und Vergänglichkeit nicht nur als Verlust sehen, wenn sie Passivitäten höher einschätzen als Aktivitäten und wenn sie Menschen mit Demenz nicht als Kranke sehen, sondern als Partner in einer schwierigen Beziehung. Grundvoraussetzung sich auf den Vortrag einzulassen war zu verstehen, dass der Verstand nicht alles ist. Der Weg von „Normalien“ ins „Anderland“, wie es der Redner beschrieb, ist geprägt von anderen Sitten, die schon beim Essen und beim Zeitgefühl anfangen. „Der Demenzkranke hat einfach keine Lust zu Essen, oder er isst die Nachspeise vor der Vorspeise. Im Anderland geht es nicht nach der tickenden Uhr“, erklärte Erich Schützendorf zu Beginn und fügte hinzu, dass „Anderländer“ die Wörter kennen, die mit ihnen gesprochen werden, aber sie zuweilen nicht verstehen oder einordnen können. Demenzkranke entdecken auf ihre Art die oft vernachlässigten Welten des Fantastischen, des Traumhaften, des Spielerischen, der Sinnlichkeit und natürlich die Gefühlswelt mit all ihren Facetten von Angst bis Lust. „Anderländer“ seien äußerst sensibel und nie untätig. Was sie tun, habe einen Zweck, doch der Normalier denkt was keinen Sinn hat, hat auch keinen Zweck. Erich Schützendorf schärfte den Blick der Anwesenden zu noch mehr Akzeptanz, Toleranz und Verständnis, auch wenn es schwer fällt, wie der Autor einräumte. 

Beim zweiten Vortrag am Donnerstag, 30 März, um 18.30 Uhr im Lennestädter Rathaus referiert Dr. Gerthild Stiens, Leiterin des Gerontopsychiatrischen Zentrums der LVR-Klinik Bonn zum Thema: „Aktuelle, medikamentöse Behandlung bei Demenz“.

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