„Fatale Auswirkungen für Sekundarschule Hundem-Lenne“

Lessing Realschule: Lennestadt will Dreizügigkeit - Kritik aus Kirchhundem

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Die Lessing Realschule wird zum Zankapfel zwischen den Nachbarkommunen.

Lennestadt/Kirchhundem. Das Thema „Dreizügigkeit der Lessing Realschule Grevenbrück“ wird zum Zankapfel zwischen Lennestadt und Kirchhundem. CDU, SPD und UWG in Lennestadt haben in einem gemeinsamen Antrag die Verwaltung beauftragt, die Weichen für eine Dreizügigkeit der Realschule zu stellen. In der Nachbarkommune stößt das auf Ablehnung. Die Kirchhundemer Politik befürchtet negative Auswirkungen auf die Sekundarschule Hundem-Lenne.

Mit der ungewöhnlichen Begrüßung „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder“ eröffnete Bürgermeister Stefan Hundt am vergangenen Mittwoch die Ratssitzung der Stadt Lennestadt. Denn zahlreiche Viertklässler waren mit ihren Eltern ins Rathaus gekommen, um für eine erneute Dreizügigkeit der Realschule Grevenbrück zu demonstrieren. Die Kinder kamen mit Transparenten, Briefen und einem Schreiben der neu gegründeten Elterninitiative, das sie vor der eigentlichen Sitzung an den Bürgermeister übergeben haben.

 Für die Lessing Realschule ist Zweizügigkeit vorgesehen, nachdem im vergangenen Jahr bereits mehr Kinder angemeldet wurden, wurde eine einmalige Genehmigung zur Dreizügigkeit erteilt. In diesem Jahr wurden 92 Viertklässler angemeldet, 62 konnten angenommen werden, 30 bekamen einen Ablehnungsbescheid (Näheres dazu hier). Bürgermeister Hundt erläuterte die Vorgehensweise des Losverfahrens. Da die Lessing Realschule die einzige öffentliche Realschule im Kreis Olpe ist, müssen bei der Anmeldung auch Kinder aus den Nachbargemeinden diskriminierungsfrei berücksichtigt werden. Geschwisterkinder werden bevorzugt aufgenommen, dann greift das Losverfahren. Zwischen Jungen und Mädchen muss ein ausgewogenes Verhältnis bestehen. Unter den abgelehnten Kindern sind 19 aus Lennestadt, 11 aus Nachbargemeinden. Unter den angenommenen sind 46 aus Lennestadt, 16 aus Nachbargemeinden.

 Nun haben CDU, SPD und UWG einen gemeinsamen Antrag auf Dreizügigkeit der Realschule gestellt. „19 Lennestädter Schüler müssen abgewiesen werden, das halten wir nicht für richtig“, so Gregor Schnütgen, Fraktionsvorsitzender der CDU. „Wenn wir als Schulträger eine Schullandschaft bereitstellen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass die Eltern ihre Kinder an allen Schulen anmelden können“, so Heinz Vollmer, Fraktionsvorsitzender der SPD. Auch die UWG stellte einen Antrag auf Dreizügigkeit. Die drei Fraktionen einigten sich auf einen gemeinsamen Antrag. 

Gegenwind auch im Lennestädter Rat

Gegenwind kam von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Vor Jahren habe man sich Gedanken über die Zukunft des Schulsystems gemacht und sei gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass ein dreigliedriges Schulsystem nicht mehr zeitgemäß ist und ein Festhalten an demselben die schlechteste Lösung sei. „Das Bestehen der Realschule gefährdet den Bestand der Sekundarschule“, so Christa Orth-Sauer, Fraktionsvorsitzende der Grünen. 

Nun werden die Anmeldezahlen der übrigen weiterführenden Schulen abgewartet. Der Anmeldezeitraum endet am 10. März. Für die Realschule galten vorgezogene Anmeldefristen, „weil zu erwarten war, dass die Anmeldungen über die Zweizügigkeit hinausgehen“, so Hundt. Dann wird sich die Bezirksregierung Arnsberg mit dem Antrag der Fraktionen und dem Brief der Elterninitiative befassen und eine Entscheidung treffen. 

Als Hintergrund informierte die Tischvorlage zum Sitzungspunkt über ein Gespräch, das bereits im Januar mit der oberen Schulaufsicht geführt wurde. Demnach kann „nach einer einmaligen Erhöhung der Zügigkeit für die Eingangsklasse als nächster Schritt nur noch die dauerhafte Erhöhung der Zügigkeit beantragt werden.“ Als Voraussetzung müssen die benachbarten Schulträger zustimmen und die Mehrklassenbildung muss zur „Vermeidung von Beschulungsproblemen in der Region / zur Sicherstellung der Schulpflichterfüllung erforderlich sein.“

Kirchhundem lehnt Pläne ab

Die Planungen in Lennestadt stoßen in der Nachbarkommune auf Ablehnung. Die Kirchhundemer Politik befürchtet negative Auswirkungen auf die Sekundarschule Hundem-Lenne. „Die aktuellen Pläne können nicht ohne Einfluss auf die Sekundarschule bleiben“, erklärte Kirchhundems Bürgermeister Andreas Reinéry bei der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag. Schließlich hat die Dreizügigkeit an der Realschule zur Folge, dass die geplante Fünfzügigkeit an der Sekundarschule – drei Eingangsklassen am Hauptstandort in Meggen und zwei am Teilstandort in Kirchhundem – in Gefahr ist. Michael Färber (CDU) befürchtete „fatale Auswirkungen. Und zwar zuerst für den Teilstandort und dann erst für den Hauptstandort.“ Und damit auch für die gemeinsame Schulentwicklung in Lennestadt und Kirchhundem. 

Bürgermeister Reinéry sieht in diesem Fall auch die Bezirksregierung in Arnsberg in der Pflicht: „Wir hatten im vergangenen Jahr die definitive Zusage der Bezirksregierung, dass die Dreizügigkeit an der Realschule eine einmalige Sache ist.“ Er stellte aber auch klar, dass die Initiative bei den Lennestädter Planungen „nicht von Verwaltungsseite, sondern von der Elternschaft und Teilen der Politik“ kam. An deren Adresse richtete Christoph Henrichs (UK) deutliche Worte: „Die Lennestädter Politik kann nicht gleichzeitig für die Realschule für die Sekundarschule sein.“ Die Gemeinde Kirchhundem müsse ihre Meinung öffentlich deutlich machen. Das sieht sein Fraktionskollege Dr. Joachim Roloff ähnlich: „Wir haben die Sekundarschule mühsam erkämpft. Daher müssen wir ein politisches Signal senden, sonst sind unsere Eingangsklassen in Gefahr.

 Daher sagte Kirchhundems Fachbereichsleiter Schule, Konrad Schlechtinger: „Wir müssen an die Bezirksregierung herantreten, um die weitere Zweizügigkeit an der Realschule zu fordern. Die Bezirksregierung muss hier klare Kante zeigen.“ Er merkte aber auch an, dass die Nachbarkommune keineswegs einen „Alleingang“ machen kann: „Die Genehmigung der Dreizügigkeit geht nur mit unserer Zustimmung.“ Und davon sind die Kirchhundemer momentan noch weit entfernt.

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