Madonna der Straße

Die Madonna der Landstraße nördlich von Oedingen. Foto: Marita Sapp

Die Madonna der Straße ist eine Andachtsstätte an der B 55, etwa einen Kilometer nördlich von Oedingen. Sie zählt zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt Lennestadt.

Die heute unter dem Namen "Madonna der Straße" bekannte Rast- und Andachtsstätte diente im 19. Jahrhundert unter der Namensbezeichnung "Bethanien" als Muttergottes- und Prozessionskapellchen. Dies ergibt sich aus einem Vermerk im Archiv der Pfarrgemeinde Oedingen aus dem Jahre 1890, wonach der damalige Pfarrer Hardebusch der Kirchengemeinde einen Geldbetrag mit der Auflage stiftete, dass aus der Verzinsung des Geldes auch die Unterhaltung des Kapellchens "Bethanien" bestritten wird. Im Kirchenarchiv der Pfarrgemeinde Oedingen aufgelistete Material- und Handwerkerrechnungen deuten auf das Jahr 1879 als Bau- oder Entstehungsjahr der Prozessionskapelle hin. Die Beweggründe für die Namensgebung "Bethanien" sind nicht weiter dokumentiert. Bethanien ist ein biblischer Ort zwischen Jerusalem und Jericho, der dem Johannesevangelium nach Wohnort des Lazarus war.

Nach ihrer Fertigstellung war die Prozessionskapelle "Bethanien" die erste Station der jährlichen Christ-Himmelfahrt-Prozession, die über weitere Stationen (so Schwartmecke, Leckmart und Oedingerberg) zurück zur Pfarrkirche St. Burchard in Oedingen führte. Gemäß einer kirchlichen Anordnung aus dem Jahr 1814 wurde die jährliche Hauptprozession der Gemeinde zwecks Wahrung eines würdigen Rahmens auf den Festtag Christi Himmelfahrt verlegt. An diesem Festtag waren die Gaststätten geschlossen und Tanz sowie andere öffentliche Vergnügungen verboten.

Prozessionen zur Kapelle haben noch nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden. Aufgrund der Lage an der B 55 und der wachsenden Verkehrsdichte wurden sie schließlich eingestellt. Die Nähe zur Straße ließ aber die Zahl der Reisenden, die an der Kapelle Rast und Besinnung suchen, stark wachsen. Vielfach führen die Reisenden Kerzen mit, die sie vor dem Mosaikbildnis der Gottesmutter anzünden. Der Andacht-Charakter der Stätte kommt auch in einer Gebetstafel und ausliegenden Gebetszetteln zum Ausdruck. Vorbeifahrende können von der Bundesstraße aus die Kerzenlichter beobachten.

Mit den zunehmenden Besuchen Durchreisender und wegen der Nähe zur Bundesstraße wurde die Rast- und Andachstätte unter der neuen Bezeichnung "Madonna der Straße" bekannt. Seit der Begradigung des Straßenverlaufs im Bereich der Rast- und Andachtsstätte liegt diese nicht direkt an der Bundesstraße. Die alte Fahrbahn bildet nun eine sichere Zufahrt, außerdem wurde der Vorplatz vergrößert und verschönert. Die Stätte wird von der katholischen Pfarrgemeinde St. Burchard Oedingen gepflegt und unterhalten. Die katholische Frauengemeinschaft findet sich dort einmal im Jahr zu einer Andacht ein.

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