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Biblische Botschaft im Wald entdeckt

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Von: Inge Schleining

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Fels am Strumberg Lennestadt Meggen
Die eigentliche Inschrift ist im oberen Bereich des Felsens zu finden, die Namenssignatur am Fuß des Felsens. © Privat

 Am 1. September 1939 begann mit Hitlers Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Der Nationalsozialismus hatte schon vorher Einzug in Deutschland gehalten – auch im beschaulichen Sauerland. Ebenfalls am 1. September 1939 hat ein junger Mann am Strumberg in Meggen eine Inschrift in den Fels gehauen, die als Botschaft für den Frieden gedeutet werden kann. 

Meggen/Maumke - „Freiheit, Macht, Gerechtigkeit und Liebe, sind meines Lebens feurige Triebe“, versehen mit den Initialen AD und dem Datum 1.9.1939. Anfang der 50er Jahre, mit etwa neun Jahren, entdeckte Norbert Schwarzer aus Maumke diese Inschrift bei der Pilzsuche mit seinen Eltern. Er war fasziniert von der Schrift, die so sorgfältig und klar in den Stein gemeißelt ist und fragte sich, was für eine Bedeutung diese hat. Nun, etwa 70 Jahre später, hat er gemeinsam mit der Meggener Heimatforscherin Monika Pieper-Clever versucht, der Bedeutung auf den Grund zu gehen.

Künstler hinterließ seinen Namen

Beim gemeinsamen Besuch des Kunstwerks fiel Monika Pieper-Clever ein weiterer Schriftzug auf: Der Name „Daum“ am Fuße des Felsens, etwas unterhalb und abseits der eigentlichen Inschrift, in eine weitere Felsplatte eingemeißelt. „Damit lag auf der Hand, dass das ‚D‘ zum Namen Daum führte. Der Familienname Daum ist in Meggen bekannt“, so Monika Pieper-Clever. Die Heimatforscherin fing an zu recherchieren, in Kirchenbüchern sowie in Archiven und befragte Familienangehörige. „Die Initialen ‘AD’ verweisen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den vollständigen Namen Alois Daum, damals wohnhaft in Lennestadt Meggen. Durch die Mithilfe der zwei Töchter des Alois Daum konnten wir erfahren, dass ihr Vater wohl aus religiösen Gründen den Kriegsdienst verweigern musste, ihm das aber nicht gelungen ist. Er wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen, 1948 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft heim“, so die ersten Ergebnisse. Denkbar sei, dass Alois Daum die Inschrift vor seiner Einberufung angebracht hat. „Das hält auch seine Tochter für möglich, die nachdrücklich seine Vorliebe für schöne Schriften erwähnt. Ihr Vater sei vor vielen Jahren verstorben, ihrer Erinnerung nach habe er nie über die Felstafel gesprochen“, so Monika Pieper-Clever.

Inschrift Fels Strumberg Lennestadt Meggen
Diese Inschrift hat Alois Daum im Jahr 1939 in einen Felsen gehauen. © Privat

Über die Motive des Künstlers kann man nur spekulieren: „Wer so offen, sogar öffentlich, seinen Glauben bezeugte und Widerstand gegen den Krieg äußerte, lief Gefahr, entlarvt und verfolgt zu werden. Wohl deshalb hat der Urheber Form und Ort des Textes so gewählt, dass er nicht auf Anhieb entdeckt werden konnte.“ Die Inschrift misst nur etwa 20 mal 30 Zentimeter, der Name ‘Daum’ ist etwas abseits gelegen, der ganze Ort ist schwer zugänglich. „Allerdings – darin besteht kein Zweifel – das Kunstwerk war auf Dauer angelegt. Jeder einzelne Buchstabe, deutlich erkenn- und lesbar, korrektes Schriftbild, in Stein gemeißelt“, so die Heimatforscherin. An solch einer Stelle eine Inschrift in den Stein zu meißeln, kann kein leichtes Unterfangen gewesen sein.

Signatur Fels Strumberg Lennestadt Meggen
Der Künstler hinterließ seinen Namen am Fuß des Felsens. © Privat

Doch was sollen die Worte bedeuten? „Der Text gibt Hinweise auf die Bibel, genauer gesagt auf das Buch der Könige im Alten Testament. Die Worte könnten aus dem Munde König Salomos stammen. Salomo wurde von seinem Vater David die Herrschaft über das Volk Israel übertragen. Um seine Macht in gerechter Weise ausüben zu können, wurde er inspiriert und getrieben durch die Eigenschaften seines Gottes Jahwe: Weisheit, Macht, Gerechtigkeit und Liebe“, so Monika Pieper-Clever. Es handelt sich um „ein heimatgeschichtliches Dokument von historischer Bedeutung. Mahnmal für den Frieden.“

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