Mehr als 64 Stunden mit Meisterstück beschäftigt

Jüngster in Deutschland: Sauerländer Niklas Schulte macht Steinmetz-Meisterbrief mit 21 Jahren

Steinmetz Meister Prüfung
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Niklas Schulte (21) ist der jüngste Steinmetzmeister deutschlandweit.

Niklas Schulte ist mit seinen 21 Jahren der jüngste Steinmetzmeister deutschlandweit. An seinem Meisterstück arbeitete er mehr als 64 Stunden unter ständiger Beobachtung durch die Prüfungskommission.

Trockenbrück - Man muss schon mal hinter die Kulissen schauen, um festzustellen, dass der Grat zwischen Handwerk und Kunst oftmals sehr schmal ist. Das beste Beispiel ist der Beruf des Steinmetzes. Zum einen erstellt diese Zunft Denkmäler und Grabmale, Arbeitsplatten in der Küche, aber auch komplette Treppen für innen und außen, Fensterbänke.

Einer dieser Betriebe ist die Firma Schulte in Trockenbrück. Seit nunmehr 60 Jahren im Geschäft in der dritten Generation. Vier Meister waren bzw. sind für diese Manufaktur tätig. Steinmetzmeister Raimund Schulte erklärt die Arbeitsweise und das Bearbeiten der verschiedenen Gesteinsarten.

Immer noch werden etwa 60 Prozent der Arbeiten für Denkmäler, Grabplatten und Gedenksteinen durchgeführt. Die restlichen 40 Prozent werden bei Tätigkeiten rund um den Bau erledigt.

Familientradition, die verbindet

Vater Willi Schulte gründete den Betrieb im Jahr 1959. Die Mitarbeiterstärke von 3 bis 4 blieb in all den Jahren konstant. Sohn Raimund übernahm 1999 den Betrieb, nachdem er seine Meisterprüfung in Aschaffenburg mit Auszeichnung bestanden hatte. Gemeinsam mit seiner Frau Steffi führen sie seitdem die Firma.

Nun hat ihr Sohn Niklas im Juni 2020 mit gerade mal 21 Jahren die Meisterprüfung in Kaiserslautern abgelegt. Die Bestätigung kam dann im August 2020. Früher war es vorgegeben, dass nach der Ausbildung ein paar Gesellenjahre notwendig waren, um dann die Meisterschule zu besuchen. Aufgrund des Mangels an Arbeitskräften kann nun unmittelbar nach der Lehre damit begonnen werden.

Nach dem erfolgreichen Abitur mit gerade mal 17 Jahren, begann er die Ausbildung im elterlichen Betrieb. Diese konnte er von 3 auf 2 ½ Jahre verkürzen. Von der Kindheit an hat ihn der Beruf seines Vaters und Großvaters immer fasziniert. Auch seine Tante Anja trat in die Fußstapfen von Vater Willi; auch sie hat die Meisterprüfung abgelegt.

Dann ging es zunächst auf die Meisterschule nach Olpe, wo er sich weitere Fähigkeiten aneignete, bevor er dann auf die Lerneinrichtung nach Kaiserslautern für ein Jahr „seinen Meister“ vervollständigte.

Raimund und Niklas Schulte berichten stolz, dass sie fast jedem Kundenwunsch nachkommen können. Sie legen Wert darauf, dass hier keine Massen- oder Kettenproduktion angeboten wird. Jedes Produkt ihrer Arbeit ist praktisch ein Unikat, sei es eine Treppe, ein Grabstein, eine Fensterbank (da kann eine durchaus schon mal konisch zulaufen oder drei Ecken haben, erzählt er schmunzelnd). Apropos Unikat, da konnte ich mich bei der Präsentation der Meisterstücke überzeugen.

Handwerk des Steinmetzes gehört zu älstesten Gewerken

Niklas hat eine Fensterrose (ein sogenanntes Maßwerkfenster) im Flamboyantstil erstellt. Beim genauen Hinsehen und bei seinen Erläuterungen zu diesem Projekt bleibt einem förmlich der Atem stehen. Aus einer Platte Udelfanger Sandstein (eine Gesteinsart, die in der Nähe von Trier gefördert wird) hat er in detailgetreuer Arbeit ein wahres Meisterwerk erarbeitet. Er erstellte zunächst Schablonen und eignete sich weiteres Wissen aus einem französischen Buch an. Der Flamboyantstil (französisch für flammend) ist die letzte Stufe der Spätgotik. Die Überlängerung der Kunstwerke erinnert an Flammen.

Hier das Werk des jungen Meisters - für jede Seite waren 64 Stunden veranschlagt.

64 Stunden dauerte es, bis die Hälfte des Werkes fertiggestellt war. Immer unter den wachsamen Augen der Prüfungskommission. Akribisch ausgearbeitet bis ins Detail hat er hier wirklich ein Meisterwerk geschaffen. Volle Konzentration und sein überaus geschicktes Arbeiten halfen ihm dabei. Alleine die unzähligen Riefen im Stein mit Meißel und Feinwerkzeug erstellt sind phänomenal. Hätte er sich nur einmal „verhauen“ oder ein Stück wäre versehentlich angeschlagen worden, wäre die ganze Arbeit vergebens gewesen. Doch Gott sei Dank ist das nicht passiert. Wenn die Sonne auf die Platte scheint, sieht man erst die Ausmaße seiner Arbeit, davon konnte ich mich bei den wenigen Strahlen dieses Sonntagnachmittags überzeugen. Ebenso erstellte er sozusagen spiegelverkehrt die andere Hälfte – jedes Detail musste noch einmal aus dem Stein bearbeitet werden.

Bewegend auch die Geschichte des Meisterwerks von Vater Raimund Schulte. Vor 25 Jahren hatte er seinen Meister „gebaut“. Sein Meisterstück war eine ionische Säule aus rotem Sandstein. Damals verkauft um seinem Hobby zu frönen, gelang es Gattin Steffi, das Werk zurückzukaufen und dort steht diese nun, wie ein Relikt aus dem alten Griechenland.

Es sei hier nur am Rande erwähnt, dass das Handwerk des Steinmetzes zu den ältesten Gewerken zählt und seit heute Nachmittag sehe ich diesen Beruf mit anderen Augen. Wirklich beeindruckend.

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