MdB Petra Crone (SPD) im Neujahrsgespräch

Politik in der Pflicht

Nahm im Neujahrsgespräch zu einer Fülle aktueller Themen Stellung: Petra Crone, SPD-Politikerin und Mitglied des Bundestags. Foto: Sven Prillwitz

Migration als Chance, der demografische Wandel als Herausforderung mit zahlreichen Facetten, die Demonstrationen und Diskussionen rund um Pegida und die finanzielle Situation der Kommunen: Petra Crone, SPD-Politikerin und Mitglied des Bundestags (MdB), stand SauerlandKurier-Chefredakteur Torsten-Eric Sendler beim Neujahrsgespräch am Montag Rede und Antwort. Dabei nahm sie – auch selbstkritisch – die Politik mit Blick auf aktuelle und zukünftige Entwicklungen in die Pflicht.

Bundesweit und in allen Gesellschaftsschichten seien fremdenfeindliche Einstellungen und Vorurteile verbreitet – auch weil „viele Politiker mit Ressentiments gespielt“ hätten statt auf Menschen zuzugehen und das Gespräch zum Thema Einwanderung zu suchen. Zumal Migration nicht nur aus humanitären Gründen eine gesellschaftspolitische Verpflichtung darstelle, sondern auch eine Möglichkeit, dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Wir brauchen diese Menschen, unter denen auch viele Gebildete und Ausgebildete sind“, sagte Crone.

Die öffentliche Anteilnahme nach dem Terroranschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ habe ein erfreuliches Miteinander von Nationen, Kulturen und Religionen bewiesen – und sei ein erfreuliches gemeinsames Bekenntnis zu europäischen Werten gewesen.

Der Pegida-Bewegung sprach die SPD-Politikerin einen „fremdenfeindlichen Hintergrund“ zu. Dass die Anzahl der Islamkritiker bei ihren Aufmärschen lediglich in Sachsen über der der Gegendemonstranten liege, könne damit zusammenhängen, dass sich viele Menschen im Freistaat als „Wendeverlierer“ empfinden, womöglich von der Politik im Stich gelassen fühlen und von einer diffusen, ihr aber unerklärlichen Wut erfüllt seien, so Crone.

Als demografiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion warb sie dafür, dem Thema Pflege und der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. „Es gibt immer mehr Menschen, die hochaltrig und pflegebedürftig sind. Es bedarf in diesem Bereich dringend einer strategischen Neuausrichtung. Bestehende Hürden für kreative Lösungen müssen abgeschafft werden“, forderte Crone. Pflegeberufe müssten attraktiver werden und es müsse dafür gesorgt werden, dass Pflegebedürftige zu Hause versorgt werden können: „Das rentiert sich für Kommunen und Kreise.“

Fokus auf „mittlerer Generation“

Den Schwerpunkt des demografischen Wandels allein auf die Alterung zu legen, sei der verkehrte Weg. Die „mittlere Generation“ sei die am meisten belastete, weil diese Beruf, Familie und die Pflege Angehöriger meistern müsse. Das „Elterngeld Plus“ könne hier eine Entlastung darstellen, zudem müssten mehr Verdienstmöglichkeiten für junge Familien geschaffen werden, erklärte Crone.

Die Regionale 2013 wertete sie mit Blick auf den gesteigerten Bekanntheitsgrad der Region als Wirtschafts- und Tourismusstandort als Erfolg. Die Abwanderung junger Menschen in die Großstädte bleibe aber weiterhin ein zentrales Problem. Ebenso wie die finanzielle Situation der Kommunen, denen der Bund Crone zufolge auch aufgrund der vermehrten Aufgaben mehr unter die Arme greifen muss.

Die Sozialdemokratin warb zudem dafür, den Solidaritätszuschlag auch nach 2019 beizubehalten – als Investition in neue Projekte: „Wenn wir den Bürgern richtig erklären, wie das Geld zur Erhaltung von Lebensqualität genutzt werden kann, gibt es dafür Akzeptanz“, glaubt sie. (Von Sven Prillwitz)

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