"Poznan — meine zweite Haut" Gedichte, die Völker verbinden

Barbara Erdmann hat sich viel vorgenommen: Für ihr Studium in Polen tauschte sie ihr kleines, 40 Jahre altes Wörterbuch gegen die neue Ausgabe Deutsch-Polnisch. Foto: Marita Sapp

Ein neues Lyrik-Prosa-Buchprojekt von Barbara Erdmann

Saalhausen. (masa)

Nach ihren gesellschaftskritischen Büchern "Deutschlands kaputte Kinder — Aufschrei einer Lehrerin" und "Kinder wieder ganz machen — Bauanleitung für ein Deutschland mit Kindern" hat sich Barbara Erdmann nun einer neuen Aufgabe gewidmet. Sie möchte sich einsetzen für die völkerverbindende Arbeit zwischen Deutschland und Polen. Ihr neuestes Buch, das in Kürze veröffentlicht wird, heißt "Poznan — meine zweite Haut, Gedichte und Kurzgeschichten über dein und mein Leben". Das Buch enthält bebilderte Gedichte und Kurzgeschichten in deutscher und polnischer Sprache.

Polen ist kein fremdes Land

Polen ist für die Saalhauserin kein fremdes Land. Stammt doch ihr Großvater aus Posen. Ein Teil ihrer Verwandten lebt auch heute noch dort. Nach einem Besuch in Polen fasste die 56-Jährige vor zwei Jahren den Entschluss, sich intensiver mit dem Land und seinen Menschen zu beschäftigen. Schon als junges Mädchen wäre sie gern öfter in das Land ihrer Vorfahren gereist, doch was damals aus politischen Gründen nicht möglich war, kann sie jetzt endlich verwirklichen.

"Ich möchte Völker verbindend tätig sein", sagt die ehemalige Lehrerin, "Europa hat es zwar schon geschafft, dass die Menschen sich näher gekommen sind. Es trennt uns nur noch die Sprache, doch da können wir Abhilfe schaffen."

Und sie selbst hat damit auch schon begonnen. Vorige Woche ist sie wieder nach Posen gefahren, um dort ihr drittes Semester "Polnische Sprache" zu beginnen.

Von Januar bis Juni tauscht sie ihr Haus in Saalhausen gegen ein Zimmer in Posen, um an der Universytet IM.Adam Mickiewicza die polnische Sprache zu studieren. Ihre "Kommilitonen", mit denen sie den Hörsaal an der Schule, die Polnisch für ausländische Studenten unterrichtet, teilt, sind Engländer, Iren, Franzosen und andere Deutsche. Die meisten lernen die Sprache, da sie geschäftlich in Polen agieren.

Im Rahmen eines Literarischen Morgens hatte Barbara Erdmann die Möglichkeit, ihre Gedichte und Erzählungen in Posen vorzustellen. Sie entstanden überwiegend während ihres Aufenthaltes in Posen. "Sie spiegeln ihre Begeisterung für die polnische Sprache wider", schreibt die Zeitschrift des Polnischen Deutschlehrerverbandes.

Titel der Gedichte lauten "Im Botanischen Garten" und "Frühling in Posen". Auch Texte, die sich mit der Geschichte beider Völker beschäftigen, finden sich in diesem Buch. Da Barbara Erdmann, unter anderem bedingt durch ihre Arbeit als Musikpädagogin, gern musiziert, knüpfte sie in Polen auch neue Kontakte über die Musik. Ihre Initiative und Organisation ermöglichte dem Kirchenchor "Sankt Peter und Paul" Eslohe seine erste Konzertreise.

Am 4. Januar und 5. Januar gab der Chor ein Konzert in zwei Kirchen in Posen. Dafür hatten die Sängerinnen und Sänger das Lied "Stille Nacht" in polnischer Sprache einstudiert, was großen Beifall beim Publikum hervorrief. Gewidmet waren die Konzerte einer älteren Dame aus Polen. Die Lehrerin verstarb jedoch, bevor ihre Idee, durch die Musik die Menschen der unterschiedlichen Länder einander näher zu bringen, umgesetzt werden konnte. Der Kirchenchor erhielt weitere Einladungen von den Erzbischöfen in Posen und Gnesen für zukünftige Konzerte in den jeweiligen Kathedralen.

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