"Tabula rasa" statt Salami-Taktik macht Projekt "Zukunft 23" aus

Radikaler Umbruch bei der Volksbank Bigge-Lenne: 13 Filialen werden geschlossen

Auf dem Weg in die Zukunft: Der Vorstand der Volksbank Bigge-Lenne stellte das Strategieprojekt „Zukunft 23“ vor.

Kreis Olpe/HSK - Die Volksbank Bigge-Lenne hat das Strategieprojekt „Zukunft 23“ präsentiert. Dahinter verbirgt sich ein sukzessiver, aber drastischer Umbau der Bank bis 2023. Das Wichtigste in Kürze: 13 Filialen werden geschlossen, dafür werden Beratungszentren etabliert, die Mitarbeiterzahl wird ohne betriebsbedingte Kündigungen verringert, neue Geschäftsfelder werden erschlossen.

„Mit dem Projekt ‘Zukunft 23‘ reagieren wir auf die Entwicklungen und Herausforderungen unserer Zeit“, eröffnete Vorstand Michael Griese gestern die Pressekonferenz. Die Volksbank Bigge-Lenne habe in den vergangenen Monaten alle Bereiche auf den Prüfstand gestellt und Konsequenzen gezogen, die nun Schritt für Schritt bis 2023 umgesetzt werden. „Der Vorstand kommt damit seiner unternehmerischen Verantwortung nach und stellt die Zukunftsfähigkeit der Bank sicher“, so Griese. Dabei habe man sich von Anfang an auf „Klartext“ verständigt, sowohl in der internen, als auch in der externen Kommunikation.

13 Filialen schließen, Mitarbeiterzahl wird sozialverträglich verringert 

„Klartext“ also: Die Filialen Dorlar, Elspe, Fleckenberg, Fretter, Helden, Kirchhundem, Meggen, Oberkirchen, Rönkhausen, Saalhausen, Siedlinghausen, Welschen Ennest und Wormbach werden bis 2023 schließen, das heißt, es werden keine Mitarbeiter mehr vor Ort sein. Ob diese Filialen als SB-Standorte weitergeführt werden, wird in den kommenden Wochen und Monaten geklärt. 

Zum „Klartext“ gehört auch: Die Mitarbeiterzahl wird verschlankt. Griese: „Der Abbau von Stellen über das gesamte Marktgebiet hinweg ist unvermeidbar.“ Es werde aber keine betriebsbedingten Kündigungen und keinen Sozialplan geben, der Abbau erfolge über natürliche Fluktuation und sozialverträgliche Vereinbarungen. Aktuell hat die Volksbank Bigge-Lenne 365 Beschäftigte (inkl. Voll- und Teilzeitstellen). Wieviele Stellen bis 2023 abgebaut werden, konnte der Vorstand bei der Pressekonferenz ebenfalls noch nicht sagen. 

„Klartext“ außerdem in puncto Geschäftsfelder: Da sich mit Geld nur noch sehr schwer Geld verdienen lasse, müsse sich die Bank anderen Geschäftsfeldern öffnen. Die Volksbank Bigge-Lenne hat diesen Weg bereits begonnen, das Projekt „Alter(n)sgerechtes Wohnen“ in Saalhausen oder die Vermittlung von Energieverträgen sind Beispiele. Weitere Möglichkeiten des gesamten Finanzverbundes sollen dazukommen. 

Und nicht zuletzt „Klartext“ in Sachen Digitalisierung: „Der Wettbewerb ist nicht nur auf der anderen Straßenseite, sondern nur einen Klick entfernt“, verdeutlichte Vorstandsmitglied Andreas Ermecke. Direktbanken und andere Anbieter würden traditionelle Geschäftsmodelle so massiv angreifen, dass die Zukunft des traditionellen Bankenmodells sehr ungewiss sei, so Ermecke weiter. 

Alle Einschnitte seien „eine logische Konsequenz“, so Vorstandsmitglied Bernd Griese, aus den Gegebenheiten unserer Zeit und der sich ändernden Gesellschaft. Aus einer aktuell starken Position heraus wolle die Volksbank Bigge-Lenne daher nun agieren, die Zukunft selbst gestalten und sie nicht dem Zufall überlassen. Das strategische Projekt „Zukunft 23“ sei daher auch nicht auf dem Prinzip „Salami-Taktik“ gebaut, sondern konsequent und klar definiert. Wichtig sei, so betonte es der gesamte Vorstand, dass die Volksbank Bigge-Lenne ihre Identität als Genossenschaftsbank nicht verliere, dass die Ergebnisse stimmen und über allem ein Höchstmaß an Kundenzufriedenheit.

Zukunftsweisende Änderungen bis 2023 

Als Gegenstück zu den Filialschließungen sieht das neue Konzept vor, dass an den verbleibenden elf Standorten die Mitglieder und Kunden von den „spezialisierten Beratungsangeboten und einer noch besseren Konzentration von Expertenwissen profitieren werden.“ Es entstehen Beratungszentren mit Spezialberatern für Privat- und Firmenkunden und Beratungsfilialen für Privatkunden. Die Beratungszentren im HSK werden in Schmallenberg, Winterberg und Medebach sein und die Beratungsfilialen in Bad Fredeburg und in Hallenberg. Im Kreis Olpe sind die Beratungszentren in Attendorn, Bamenohl, Grevenbrück und Altenhundem und die Filiale Würdinghausen wird zukünftig als Beratungsfiliale geführt. Die größte Filiale des gesamten Marktgebiets wird das „KundenDialogCenter“ in Kirchhundem. „Hier sind hochqualifizierte Banker für unsere Kunden direkt erreichbar – und nicht Call-Center-Agents am anderen Ende der Welt“, beschreibt Bernd Griese. 

Die Volksbank Bigge-Lenne startet außerdem eine Digitalisierungsoffensive. „Wir sehen die Digitalisierung nicht als Gefahr, sondern als Riesenchance“, führte Vorstand Bernd Griese aus. Doch dafür seien „entscheidende Veränderungen nötig.“ Der Großteil der Kunden sei schon auf dem Weg. Rund 80 Prozent überweisen ihr Geld längst per Computer oder Smartphone, außerdem gebe es inzwischen 2,5 Millionen Homepage-Zugriffe pro Jahr, Tendenz deutlich steigend, nannte er nur zwei Beispiele.

„Die Umsetzung des neuen Konzepts wird sukzessive stattfinden. Unsere Kunden werden daher nicht von heute auf morgen vor verschlossenen Türen stehen. Wir geben unseren Kunden und unseren Mitarbeitern ausreichend Zeit, sich auf die neue Struktur einzustellen“, betont Bernd Griese.

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