Schützenverein Altenhundem muss 10.000 Euro an RWE zahlen

Rechnung für vergessene Jahre

Eigentlich hat sich der Schützenverein Altenhundem gar nichts zuschulden kommen lassen. Dennoch müssen die Schützen jetzt tief in die Tasche greifen: 10.000 Euro werden per Nachzahlung an RWE fällig.

Grund ist ein Gaszähler in der Sauerlandhalle, den der Energieversorger zwar abgelesen, über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren aber versehentlich nicht abgerechnet hat.

Vier Gaszähler gibt es in der Sauerlandhalle, die im Besitz des Vereins ist. Zuständig für das Ablesen der Messgeräte ist der Netzbetreiber Westnetz GmbH, ein Tochterunternehmen von RWE, das dem Konzern die Zählerstände elektronisch übermittelt. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass vergessen wurde, der Stand des vierten Zählers abzurechnen“, erklärt Mario Leikop, Sprecher der RWE Vertrieb AG, auf Nachfrage.

Das war im März 2011. Knapp dreieinhalb Jahre später, im September 2014, legte der Konzern dem Schützenverein die Abrechnung vor. „Wir haben die Situation genau nachgeprüft. Die Gründe, warum der Zähler vergessen wurde, ließen sich aber nicht rekonstruieren“, so Leikop, der von einem „Einzelfall“ spricht.

RWE forderte die Nachzahlung von mehr als 14.000 Euro für den Zeitraum von knapp zehn Jahren. Darüber hinaus habe der Energieversorger einen – mittlerweile auf ein übliches Maß zurückgesetzten – monatlichen Abschlag von rund 2000 Euro angesetzt, sagt Christoph Brüggemann. „Nach der Abrechnung war das der nächste Schlag ins Kontor“ erinnert sich der 1. Vorsitzende des Schützenvereins.

Verjährungsfrist gilt nicht

Zumal sich auch auf rechtlichem Wege an der Zahlungsaufforderung für die „vergessenen“ zehn Jahre nichts ändern lässt. Anders als im Geschäftsleben, wo für Rechnungen eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt, gibt es für Strom- und Gasverträge keinen festgeschriebenen Zeitraum, in dem eine Rechnung vorgelegt werden muss. Und nicht nur das: Hier hat laut Brüggemann, von Beruf Jurist, der Kunde sogar die Pflicht, die ordnungsgemäße Abrechnung zu überprüfen.

Den Schützen sei der Fehler jedoch nicht aufgefallen. Nach Rücksprache mit RWE hat sich der Verein darauf geeinigt, die Forderung um knapp ein Drittel auf 10.000 Euro zu reduzieren und den Betrag in zwei Raten zu zahlen. Das bestätigt Leikop. „Für den Verein ist das eine große Belastung. Mit der jetzigen Lösung wollten wir den Schützen entgegenkommen“, so der RWE-Sprecher.

Der Verein hätte die Summe lieber in die Schuldentilgung investiert, sagt Brüggemann. Gleichzeitig spricht er von einem „blauen Auge“, mit dem die Schützen davongekommen seien – und das sie sich ohne eigenes Verschulden abgeholt hätten. (Von Sven Prillwitz)

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