Rückkehr in den Mittelstand

Wollen Key Plastics mit neuem lokalen Konzept und Namen zu einem erfolgreichen Global-Player des Mittelstandes ausbauen: Geschäftsführer Carsten Paris (re.) und Prokurist Dirk Baier mit einer Mitarbeiterin. Foto: Torsten-Eric Sendler

Der Name ist Programm: ICT steht für Innovative Components Technologies, das neue Logo für Partnerschaft, Perfektion, Fachkompetenz, neue Chancen und eine schnelle Kommunikation.

Mit dem Gesellschafterwechsel am 17. Februar scheint das Grevenbrücker Unternehmen Key Plastics nach stürmischen Jahren unter amerikanischer Flagge nun unter neuem Kommando endlich die Chance zu erhalten, ruhigere Gewässer anzusteuern und kräftig an Fahrt aufzunehmen. Belegschaft, Lieferanten und Kunden reagieren erleichtert auf das Ende der Odyssee durch die Welt der internationalen Konzerne und hoffen, dass durch die Rückkehr in den deutschen Mittelstand nun alle Signale auf Wachstum und Erfolg stehen.

Fünf Geschäftsführerwechsel weist das Handelsregister alleine für das Jahr 2011 aus, wovon lediglich einer der deutschen Sprache mächtig war. Jörg Gregel und Carsten Paris, seit November im Unternehmen, tragen nun sowohl die operative als auch die unternehmerische Verantwortung und haben gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Managements das Unternehmen den Amerikanern abgekauft. Der heute 42-jährige Paris arbeitete lange Jahre bei Honsel. Zunächst in Luxemburg, später wurde er dann zur Restrukturierung eines Unternehmensbereichs nach Kanada entsandt. Gemeinsam haben Carsten Paris und Jörg Gregel, der als automobiles Urgestein gilt, verinnerlicht, dass man nur vor Ort erfolgreich sein kann, die Führungsstruktur klar definiert sein muss und die örtliche Geschäftsführung verantwortlich handeln kann.

Die Wirtschaftskrise 2008 hat die Automobilzulieferer mehr als jeder Lopez-Effekt gebeutelt. Umsatz stand über allem, die Zulieferer lieferten sich eine regelrechte Preisschlacht. Teilweise legten sie sogar noch drauf. Unter den Spätfolgen hat die Branche heute noch zu leiden. Im vergangenen Jahr wurden Paris und Gregel mit ihrem Team als sogenannte "Interimsmanager" (Manager auf Zeit) von den Amerikanern verpflichtet. Bereits nach ersten Stippvisiten in den Standorten Lennestadt, Kierspe, Wächtersbach, Borja (Spanien) und Tachov (Tschechische Republik) war für die beiden klar, dass die einzelnen Standorte gut aufgestellt sind und die operative Basis stimmt.

Paris selbst hatte sich nach seiner Zeit bei Honsel selbstständig gemacht und seinen Fokus auf das mittelständisch geprägte Eigenkapital gerichtet. Als Portfoliomanager beriet er Strategie- und Finanzinvestoren. Als dann erkennbar wurde, dass die Manager des amerikanischen Hedgefonds keine allzu große Freude mehr an ihrem Lennestädter Investment hatten, griffen Paris und seine Partner zu. Innerhalb von nur acht Tagen war der Deal unter Dach und Fach. Aus Key Plastics wurde ICT. "Global denken, lokal handeln", könnte das Motto von Geschäftsführer Carsten Paris lauten. Erfolg hat eine Basis: die kompetenten und hoch motivierten Mitarbeiter von ICT. Damit sind die Ziele, Geld zu verdienen, Arbeitsplätze zu sichern und das Unternehmen weiter auszubauen, erreichbar. Produktion in Billiglohnländern? Für Carsten Paris kein Thema: "Wir produzieren nicht einfache Teile, die automatisiert aus aus der Maschine laufen, sondern bieten anspruchsvolle Lösungen für die Automobilindustrie an - vom Engineering bis hin zur Umsetzung in der Produktion. Und wir bekennen uns zu Deutschland und den Standorten unserer Werke." Und kaum unter neuer Flagge, stehen die Weichen bereits auf Expansion: Auf Bitten eines renommierten Automobilherstellers hin überlegen Paris und seine Kollegen derzeit, einen süddeutschen Mitbewerber zu übernehmen. Dessen Portfolio, so Paris, "würde gut zu uns passen." Paris: "Der Erfolg dieses Landes und vor allem dieser Region liegt in seiner mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur, nicht bei international tätigen Konzernen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare