"Schön, dass es so etwas gibt"

Einige Damen des Warenkorb-Teams decken schon den Tisch im Café. Fotos: Marita Sapp

Über 120 Menschen treffen sich jeden dritten Mittwoch im Monat vor dem katholischen Pfarrzentrum Arche in Altenhundem. Denn an diesem Tag öffnet um 14 Uhr der Warenkorb.

Seit etwa zwei Jahren nutzt auch regelmäßig eine 38-jährige Frau aus einem Lennestädter Ort das Angebot, sich kostenlos mit Nahrungsmitteln und Kleidung zu versorgen.

Sie und ihr Mann zogen 2002 ins Sauerland, da sie hier bei einer Zeitarbeitsfirma Jobs bekommen hatten. Dann wurden beide arbeitslos.

"Mein Mann bekam zwar kurzfristig wieder Arbeit, aber als unser Auto kaputt ging, und wir nicht das Geld hatten, es reparieren zu lassen, verlor er diesen Job auch wieder. Die Firma wollte sich nicht darauf einlassen, dass er mit dem Fahrrad oder Bus zur Firma kommt."

Seit zwei Jahren leben die beiden von den Arbeitslosengeld II (Hartz IV). "Das sind 345 Euro, davon müssen noch Strom und Versicherungen bezahlt werden. Dann ist gegen Ende des Monats manchmal nichts mehr übrig. Wenn es den Warenkorb nicht gäbe, hätten wir die nächste Woche nichts zu essen."

So geht es wohl vielen Menschen, auch in Lennestadt, wie der große Andrang im Altenhundemer Pfarrzentrum jeden Monat aufs Neue beweist. "Armut kann jeden treffen", sagt die gelernte Seidenweberin und Busfahrerin. Sie hat alle Führerscheine außer für die Klasse A (Motorräder). Sie würde gern wieder arbeiten, um nicht mehr vom Staat abhängig zu sein.

Vor zwei Jahren hat sie in der Zeitung gelesen, dass die Aktion Warenkorb in Altenhundem einmal im Monat alle einlädt, die Hilfe brauchen. Dann ist sie auch dort hingefahren. "Das erste Mal war es schon ein bisschen komisch", erinnert sie sich, "Doch man braucht keine Scheu zu haben, die Frauen und Männer, die die Aktion Warenkorb betreuen sind nett und tun es gern. Es ist schön, dass es so etwas gibt."

Dass das Team um Mechthild Hennecke und Cilly Becker mit ganzem Herzen bei der Sache ist, zeigt sich schon am Mittwochvormittag.

Die Regale sind voll mit Nahrungmitteln aller Art, teils gespendet, teils von Spendengeldern gekauft. In der "Kleiderkammer" stapeln sich Pullover, Hemden, Hosen und Jacken. Eine Besonderheit in Altenhundem ist die Cafeteria.

Dort gibt es Kaffee und Kuchen und dort können die Zettel ausgefüllt werden, auf denen angekreuzt wird, was man so braucht.

Beim Warenkorb im Altenhundemer Pfarrzentrum ist alles geregelt. "Damit es einigermaßen gerecht zugeht", sagt Cilli Becker. Und jeder muss nachweisen, dass er bedürftig ist. Eine Kartei haben die Damen angefertigt, die im Laufe der Jahre ständig an Umfang zugenommen hat. "Beim ersten Mal waren nur 20 Personen da, mittlerweile kommen jeden Monat 120 bis 130", erklärt Mechthild Hennecke.

Damit es kein Gedränge gibt wurde ein Zeitplan aufgestellt. Von 13.30 bis 14.30 Uhr werden Familien mit Kleindkindern versorgt, danach die anderen in zwei Gruppen, alphabetische nach Namen eingeteilt.

Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die bei Warenkorb Hilfe suchen. Da ist eine sehr junge Mutter mit ihrem Baby im Kinderwagen, ein älterer Mann, Frauen und Männer mittleren Alters, Familien mit Kindern, eine alte Frau, die sich vor dem Eingang hingesetzt hat - sie alle warten darauf, dass sich die Tür - wie immer einmal im Monat - öffnet, und ihnen geholfen wird, ihr Leben, das im Moment nicht so gut läuft, ein wenig besser zu gestalten.

Nudeln, Konserven, Margarine, Zucker, Obst, Gemüse und frische Backwaren - auf einer Bestandsliste kann angekreuzt werden, was man so am nötigsten braucht. Auf dieser Liste wird auch vermerkt, für viele Personen die Lebensmittel benötigt werden. Die Reihenfolge der Ausgabe wird per Los ermittelt, das jeder, der teilnehmen möchte, bei Cilli Becker ziehen muss. Dann geht es zur Lebensmittelausgabe. Dort verteilen die fleißigen Helfer die vorhandenen Waren. Nach und nach leeren sich die Räume wieder.

Am nächsten Tag weist dann nichts mehr auf die Aktivitäten der engagierten Helfer des Warenkorbs hin. Alle Lebensmittel sind ausgegeben, die Räume im Pfarrzentrum aufgeräumt und übrig gebliebene Kleidung von Förderband abgeholt - bis es am 16. Dezember wieder heißt: Zur Aktion Warenkorb sind alle eingeladen, die Hilfe benötigen!

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