Volksbank Bigge-Lenne: Performance stimmt, aber der Gewinn bricht ein

Selbstbewusst in schweren Zeiten

Der Volksbank-Vorstand: Sprecher Peter Kaufmann, Michael und Bernd Griese, Andreas Ermecke und Peter Hundt (v.l.). Letzterer verabschiedet sich in wenigen Wochen nach 30 Jahren Vorstandstätigkeit in den Ruhestand.

Die Volksbank Bigge-Lenne legte am Freitag erstaunliche Zahlen vor. Die Jahresbilanz 2015 liest sich in allen Belangen positiv. Eigenkapital, Gesamtvolumen, Kundenanlagen und -kredite und folglich auch die Bilanzsumme sind allesamt gestiegen. Und das teils recht deutlich. Doch beim Bilanzgewinn wird gegenüber 2014 ein Minus im zweistelligen Bereich ausgewiesen. Diese Widersprüche drücken die gesamte Misere der Banken und Sparkassen aus. Die Performance stimmt – aber gestiegener Kostendruck und wegbrechende Erlöse bringen das Geschäftsmodell ins Wanken.

Altenhundem/Attendorn.

„Wir verkaufen zum Einkaufspreis“, drückt es Peter Kaufmann, Vorstandssprecher der Volksbank Bigge-Lenne aus. Die Rechnung ist simpel: Für die Kundeneinlagen kann das Institut kaum noch Zinsgewinne verbuchen. Und an den Ausleihungen verdient man ebenso wenig. Die Margen fallen weg und das sorgt für einen Einbruch des Bilanzgewinns von 2,65 Mio. Euro in 2014 auf 2,33 Mio Euro in 2015. Kaufmann rechnet auch in den kommenden Jahren mit sinkenden Gewinnen.

Dennoch gibt sich die Bank selbstbewusst. Das kann sie auch, denn in einem immer schwieriger werdenden Umfeld sehen nahezu alle Kennzahlen prima aus. Das große Plus sieht die Volksbank bei ihren Mitgliedern. Man vertraut der Bank und dieses Vertrauen gibt sie in die Region zurück. „Unsere Einlagen haben wir fast eins zu eins an Krediten wieder ausgegeben“, erläutert Vorstandsmitglied Bernd Griese. Ein Volumen von immerhin rund 1,1 Mrd. Euro. Schwerpunkte bei den Krediten sind Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen auf Seiten der Gewerbetreibenden und Wohnungsbau sowie Sanierungen bei Privatkunden. Vorstand Andreas Ermecke teilte mit, dass die Gesamtzahl der Mitglieder der Volksbank erneut gestiegen ist, um 1526 auf nun 47.782.

Digitalisierung als Schwerpunktthema

Neben dem drückenden Zinsniveau ist die Digitalisierung ein Schwerpunktthema der Volksbank Bigge-Lenne. Vorstand Michael Griese: „Banken wird es auch in zehn Jahren noch geben, trotz aller digitaler Trends. Aber wir müssen uns digital neu erfinden.“ Denn „Global Player“ machen genau das vor. Amazzon, Ebay, Google und Co. haben unlängst eine Allianz gebildet, welche die Digitalisierung des Bankengeschäfts vorantreibt. Mit Auswirkungen, die auch bis nach Lennestadt, Schmallenberg und Attendorn zu spüren sind. So gehört die heimische Volksbank beispielsweise dem Verbund von Geldinstituten an, welcher die bargeldlose Bezahlvariante „paydirekt“ anbietet. Rund die Hälfte der Volksbank-Kunden setzt auf Online-Banking, im vergangenen Jahr gab es da erneut Zuwächse (+8,6 Prozent). Und doch bricht die Beratung vor Ort nicht weg. Im Gegenteil: Rund 50.000 Gespräche wurden in den rund 31 Service-Geschäftsstellen (dazu kommen 17 SB-Filialen) geführt – ein Plus von mehr als 10 Prozent.

Gelassen sieht das Institut mit Stammsitz in Altenhundem übrigens die aktuelle Diskussion um eine etwaige Abschaffung des Bargelds. „Amerikanische Verhältnisse“, bei denen ein Päckchen Kaugummi im Supermarkt mit der Kreditkarte gezahlt wird, drohen den Sauerländern auf absehbare Zeit nicht. Ganz im Gegenteil: Die Volksbank setzt enorme Anstrengungen ein, den Bargeldverkehr noch vernünftig handeln zu können. So hat man kürzlich noch einmal rund 200.000 Euro am Standort in Grevenbrück investiert, um die strengen Vorgaben der Zentralbanken beim Umgang mit Münzen und Scheinen erfüllen zu können.

Kassierer Wolfgang Höffer gab einen eindrucksvollen Einblick in den von Regularien und Gesetzen geprägten Alltag des Bargelds. Maschinen, die Falschgeld aussortieren, Münzen auf so genannte „Fitness“ testen (z.B. ohne Beschädigungen) und diese anschließend rollen und in einer Art Backofen bei rund 200 Grad Celsius zu handlichen Paketen verschweißen. All dieser Aufwand kostet die Volksbank Geld. Einen Rollenpreis von rund 26 Cent hat Höffner errechnet. Oder anders: Jede Münze Bargeld kostet im Handling einen Cent. „Wir investieren jährlich rund 1,6 Millionen Euro in die Bargeldversorgung unserer Kunden in der Fläche“, so Höffer.

Unterm Strich wird der gestiegene Druck auf die Banken Konsequenzen haben. Den aktuellen Höchststand von 391 Mitarbeitern wird man nach Vorstandsangaben dauerhaft nicht halten können. Man plane einen altersbedingten „sanften“ Personalabbau. Das betrifft übrigens auch ein Vorstandsmitglied: Nach rund 30 Jahren geht Peter Hundt in wenigen Wochen in den Ruhestand.

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