90 Minuten mit dem Mormon Tabernacle Choir in Salt Lake City

Für Siegfried Knappstein ist ein Traum wahr geworden

Inmitten der Sänger des Tabernacle Choir: Chorleiter Siegfried Knappstein aus Lennestadt (vorne, 2.v.r.).

Lennestadt/Salt Lake City. In der ersten Reihe, auf dem zweiten Platz von rechts, durfte Siegfried Knappstein Platz nehmen und an einer Probe des Mormon Tabernacle Choir in Salt Lake City teilnehmen. Für den Lennestädter Chorleiter ein „irres Erlebnis“, von dem er noch lange zehren wird.

Denn der Tabernacle Choir ist nicht irgendein Chor. Der Chor besteht aus 360 Sängerinnen und Sängern, gegründet wurde er 1847 von der Glaubensgemeinschaft der Mormonen. Benannt ist er nach dem Konzerthaus der Mormonen, dem Tabernakel, in Salt Lake City. Hier steht eine der weltgrößten Pfeifenorgeln und bildet eine eindrucksvolle Kulisse. Hinzu kommt ein 80-köpfiges Orchester.

Zweimal wöchentlich probt der Chor, zur öffentlichen Probe kommen regelmäßig an die eintausend Zuhörer. Jeden Sonntag, seit 1929, wird ein Konzert des Chors „Music an the Spoken Word“ im Rundfunk übertragen, im Tabernakel versammeln sich dazu an die 6000 Zuschauer. Nur wenigen Gästen wird die Ehre zuteil, an einer Probe teilzunehmen, Siegfried Knappstein hatte gleich zweimal dazu die Gelegenheit.

Der Lennestädter ist USA-Fan. Mit seiner Ehefrau reiste er viele Male in die Vereinigten Staaten. In Kontakt mit dem Tabernacle Choir kam er erstmals im Jahr 1995. In diesem Jahr hat der Chorleiter den Chor erstmals live gesehen. Im Jahr 1998 reiste er abermals nach Salt Lake City und knüpfte erste Kontakte. Hier durfte er das erste Mal an einer Chorprobe teilnehmen, gemeinsam mit dem Organisten der Westminster Abbey.

Die Bühne im Tabernakel, im Hintergrund die Orgel, dann der Chor und im Vordergrund Chorleiter Mack Wilberg und das Orchester. Siegfried Knappstein ist in der ersten Reihe, auf dem zweiten Platz von rechts zu sehen.

Vor zwei Jahren dann war der Chor auf Konzertreise in Europa. Knappstein besuchte das Konzert in Zürich und beschloss, nochmals zu versuchen den Chor bei einer Probe zu begleiten. Er bewarb sich ganz offiziell um einen Probentermin, erst kurz vor seiner Reise in die USA stand fest: Siegfried Knappstein kann erneut an einer Probe des Tabernacle Choir teilnehmen.

Vor der Probe durfte er Chorleiter Mack Wilberg kennenlernen. Dieser leitet seit 2008 den Tabernacle Choir, komponiert und arrangiert Chorwerke. Auch Siegfried Knappstein hat bereits Stücke von Wilberg mit seinem Chor Just for Fun einstudiert und aufgeführt.

Dann geleitete ihn die „Seating Managerin“ an seinen Platz – bei dem Mormonen-Chor haben die Sänger keine festen Plätze, die Seating Manager teilen die Plätze ein. In der ersten Reihe, auf dem zweiten Platz von rechts, durfte Knappstein Platz nehmen. Die Chorliteratur sah er nun zum ersten Mal, nach kurzem Warmsingen wurde es ernst. Unterstützung kam von seinen Sitznachbarn. 90 Minuten dauerte schließlich die Probe mit Orchester, an die eintausend Menschen sahen zu. „Da mitzusingen, das ist unvorstellbar“, so Siegfried Knappstein.

„Da mitzusingen, das ist unvorstellbar“

Am Ende der Probe stellte Mack Wilberg den Gastsänger dann noch seinen Mitsängern vor: „Siegfried Knappstein, from Lennestadt, Germany, concerned with music all his life (sein Leben lang mit Musik beschäftigt)“. „Ich habe mir einen Traum erfüllt und bin immer noch voll davon“, so Siegfried Knappstein.

Die Religion trat übrigens in den Hintergrund, wichtig war nur die gemeinsame Leidenschaft für die Musik. Im Tabernacle Choir dürfen nur Mormonen Mitglied sein, doch die Verantwortlichen haben sich tolerant gezeigt. In seiner Bewerbung hat Knappstein nichts zum Thema Religion geschrieben und ist nur auf seinen musikalischen Hintergrund eingegangen. „Niemand hat mich nach meinem Glauben gefragt, die Musik stand im Vordergrund“, so der Lennestädter.

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