MK-Schüler hatten viele Fragen an Zeitzeugen Peter Keup

Stasi-Häftling berichtete

(v.re.): Berthold Schleime (Schulleiter), Peter Keup (STASI-Häftling) und Manfred Linder (Fachvorsitzender Geschichte).

„Sag dich von deinen Eltern los, dann wirst du von einer Pflegefamilie adoptiert und kannst das Abitur machen.“ Dieses an den damals Sechzehnjährigen gerichtete Ansinnen war nur eines, das der DDR-Zeitzeuge Peter Keup kürzlich über 200 Oberstufenschülern des Gymnasiums Maria Königin Lennestadt im vollbesetzten Konferenzsaal schilderte.

Altenhundem.

Keup, der im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur tätig ist, verlebte zunächst eine „DDR-typische“ Jugend: 1958 in Radebeul geboren – der Vater war als Kommunist 1956 in die DDR gezogen – Mitglied der kommunistischen Jugendorganisationen Thälmann-Pioniere und FDJ, strikt linientreu erzogen. „Ich glaubte zunächst sogar, dass die Mauer ein ‚antifaschistischer Schutzwall? sei.“ – Bis die Großeltern aus Essen zu Besuch kamen und von Grenzschikanen und Mauertoten berichteten. Wegen des danach gestellten Ausreiseantrags der Eltern galt der 16-jährige Peter als „Verräter“, musste die Schule verlassen, durfte nicht mehr im Sportverein trainieren. Der Tanzsport bot eine Alternative. Doch trotz der erfolgreichen Teilnahme an zahlreichen Meisterschaften wurde ihm verboten, an Tanzturnieren im Westen teilzunehmen und dort Karriere zu machen. Der Fluchtversuch (über die CSSR nach Ungarn, dort über die Donau nach Österreich schwimmen) scheiterte bei der DDR-Grenzkontrolle: Keup hatte vergessen, eine Rückfahrkarte zu kaufen! Es folgten entwürdigende Leibesvisitationen, 20-stündige Verhöre und zunächst eine viermonatige U-Haft im Stasi-Gefängnis in Dresden.

Keup, der in der Haft 20 Kilogramm Gewicht verlor, zeigte einen Filmausschnitt über die Haftbedingungen der 2 mal 3 Meter „großen“ Zellen und die indiskutablen „Sanitäreinrichtungen“.

Die Schüler, hochkonzentriert und betroffen, hatten viele Fragen an den Zeitzeugen: Wie schlägt man die Zeit tot, wenn man nicht einmal Briefe schreiben darf? Wie hat er die weiteren zehn Monate Haft nach seiner Verurteilung als „Republikflüchtling“ ausgehalten? Was dachten die Eltern und Geschwister, die nichts über seinen Verbleib wussten? Peter Keup gelangte schließlich im März 1982 im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik und lebt heute in Essen. Das Resumé der Schüler war einhellig: „Das ging unter die Haut – solche Geschichtsstunden sollte es öfter geben!“

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