Die Sternstunde des Josef Bieder

Eine Revue für einen Theaterrequisiteur mit Walter Renneisen wird am Freitag im P.Z. gezeigt. Foto: Walter Renneisen Gastspiele

Der satirische Rundumschlag auf den Irrsinn des Theaterbetriebs und doch zugleich eine Liebeserklärung an die Bühnenkunst ist er, dieser Monolog von Eberhard Streul und Otto Schenk, der am 25. April um 20 Uhr im P.Z. Lennestadt-Meggen auf die Bühne gebracht wird.

Einmal nur, in seiner "Sternstunde", darf sich der Theaterrequisiteur Josef Bieder dem Publikum präsentieren — und kommt so seinem Lebenstraum nahe, statt wie sonst unsichtbar, anonym und grantelnd in der Requisitenkammer zu verschwinden. Vor dem Vorhang grantelt es sich nämlich viel lustvoller!

Uraufgeführt 1992 in Klagenfurt, basiert "Die Sternstunde des Josef Bieder" auf einem Fehler im Ablauf des Theaterbetriebs, den der Titelheld dem Publikum wie folgt unter die Nase reibt: "Was machen Sie denn hier? Heut ist geschlossen, es ist überhaupt keine Vorstellung und Sie sitzen da und warten. Auf was denn?" Eigentlich ist keine Vorstellung aber der Trottel von Theaterdisponent hat Mist gebaut (wieder mal), so wie alle andern, die des Titelhelden Weg kreuzen — wenn man seinen Auslassungen glaubt. Grund genug für ihn, sich in Rage zu reden über die da oben, "aber auf mich hört ja keiner". Nach den hilflosen Versuchen, das Publikum zum Verlassen des Theaters zu bewegen, überspielt Josef die ungewohnte Nähe und wird dabei immer offenherziger.

Nach und nach steigert er sich in Opern-Arien, parodiert die neue Musik, tänzelt mit dem Lampenschirm als "Tütü" wie die Fontaine als "Sterbender Schwan" über die Bretter, spielt (live) auf neun Musikinstrumenten und findet noch Gelegenheit, die Zuschauer an seiner scheuen Liebe zu Lini, seiner hübschen Auszubildenden, teilnehmen zu lassen.

Walter Renneisen führt uns das Psychogramm einer verletzten Seele vor, die ihren Platz an der Sonne verpasst hat und 30 Jahre in der Requisite versauert. Ein Solo als König für eine Nacht, das der Publikumsliebling und begnadete Solist ("Der Kontrabass", "Ein Bericht für eine Akademie") mit der richtigen Mixtur aus Kleinbürgerlichkeit und Aufsässigkeit spielt, wie man hört. Dankbares Rollenfutter ist manchmal eben schon die halbe Miete. Renneisen aber horcht tief in die Figur hinein, lotet den ewig Zukurzgekommenen aus und bewährt sich als Meister der Verwandlung.

Karten für diese Vorstellung sind in der Geschäftsstelle der Kulturgemeinde Hundem-Lenne im Rathaus Lennestadt, Zi. 220/1, (Tel.: 02723/608403) im Bürgerbüro und an der Abendkasse erhältlich.

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