Bundesrat stimmt Gebühren-Erhöhung zu

Tierärztlicher Notdienst wird deutlich teurer

Tierarzt
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„James“ stellte sich für einen inszenierten Notfalleinsatz bei Tierärztin Christin Voß (rechts) in Altenhundem gerne zur Verfügung.

Kreis Olpe - Tierhalter müssen sich auf deutliche Kostensteigerungen für den tierärztlichen Notdienst einstellen. Der Bundesrat hat einer Erhöhung der Gebühren in dieser Woche zugestimmt. Die Änderungen treten in den kommenden Wochen in Kraft.

  • Eine verbindliche Notdienstgebühr von pauschal 50 Euro pro Tierhalter und Besuch wird eingeführt 
  • künftig muss mindestens der zweifache Gebührensatz berechnet werden
  • abhängig vom Aufwand kann der vierfache Gebührensatz berechnet werden 
  • die Nachtzeit wird um zwei Stunden verlängert, indem sie bereits um 18 Uhr (vorher 19 Uhr) eines Tages beginnt und um 8 Uhr (vorher 7 Uhr) des Folgetages endet.
  • der Beginn des Wochenendes wird von Samstag 13 Uhr auf Freitag 18 Uhr verschoben 

Hintergrund der Tarifsteigerungen sind die verursachten Kosten für den Notdienst. Diese konnten bisher weder in den Tierkliniken, noch in den Praxen niedergelassener Ärzte wirtschaftlich gedeckt werden. Tierärztin Christin Voß (Altenhundem) erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung den Sachverhalt. „Das Hauptproblem in den Notdiensten war, dass der Großteil der Patienten gar keine Notfälle sind.“ Eine Zecke, die gezogen werden soll, Krallen schneiden oder der Hund, der seit einer Woche hustet, kosten Tierärzte und ihre Helfer unnötig Zeit und Kraft, so Christin Voß. „An einem Notdienstwochenende des Notdienstrings Olpe sind bis zu 60 Einsätze für einen Tierarzt keine Seltenheit. Natürlich sind auch wirkliche Notfälle dabei, aber in etwa zwei Drittel der Fälle wäre der Besuch beim Notdienst nicht notwendig gewesen. So ist der Notdienst für uns Tierärzte einfach nicht aufrecht zu erhalten“, so Voß weiter. 

Ständige telefonische Bereitschaft

Warum? Die Tierarzt-Gebührenverordnung (GOT) sieht für die verschiedenen Behandlungsleistungen bestimmte Vergütungen vor – gestaffelt nach dem ein-, zwei- oder auch dreifachen Satz –, je nach Aufwand. Diese Staffelung reiche aber bei weitem nicht aus, um den Kostenaufwand zu decken. „Salopp gesagt: Von einmal Zecke ziehen kann ich noch nicht einmal meine Helferin bezahlen“, bringt es die Altenhundemer Tierärztin auf den Punkt. Beim Notdienst stehen in den meisten Fällen ein Tierarzt sowie eine weitere Personalkraft zur Verfügung – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. 

Gerade in den ländlichen Regionen, in denen zumeist niedergelassene Ärzte praktizieren, kommt noch hinzu, dass sowohl die Ärzte, als auch die Helferin zunächst aus der Privatwohnung in die Praxis fahren, hier behandeln, um dann wieder nach Hause zu fahren – bis der nächste Anruf kommt und das Spiel von vorne losgeht. „Kaum ein niedergelassener Tierarzt kann es sich leisten, das ganze Wochenende über eine Vor-Ort-Bereitschaft aufrecht zu erhalten“, so Christin Voß. Daher sei sie zu Hause in ständiger telefonischer Bereitschaft. Doch hier tut sich ein weiteres Problem auf: „Wenn ich einem Tierhalter nach seiner intensiven Beschreibung der Symptome am Telefon sage, es handelt sich nicht um einen Notfall und dann daneben liege, kann er mich belangen. Also bitte ich ihn meistens doch in die Praxis zu kommen.“ 

Entwicklung hat alarmierende Züge angenommen

Diese Entwicklung hat alarmierende Züge angenommen: Viele Kliniken und Tierärzte schaffen den Notdienst ab. Dadurch habe ein „Kliniksterben“ eingesetzt, denn der Notdienst sei Bedingung für den Klinikstatus. Oftmals ist auch der Verkauf an große Ketten die letzte Option, die sich aber in den seltensten Fällen günstig auf das Wohl der Patienten auswirkt, sagt Christin Voß. Die Tierärztekammer will dem entgegenwirken und hat eine Erhöhung der Gebühren angeregt. Mit Erfolg. Kammer und Politik hoffen, dadurch wieder mehr Tierärzten zu ermöglichen, den Notdienst anbieten zu können. „Im Kreis Olpe sind wir mit unserem organisierten Notdienstring relativ gut aufgestellt, aber es gibt viele Regionen, da gibt es so etwas nicht“, weiß Christin Voß. 

Sie wirbt bei Tierhaltern um Verständnis für die Gebührenerhöhung: „Es geht sicher nicht darum, dass sich die Tierärzte die Taschen voll machen. Wir müssen unsere Kosten decken. Schließlich ist das Heilen von Tieren am Ende des Tages unser Beruf, mit dem wir unsere Brötchen verdienen. Im Moment ist der Notdienst eine Serviceleistung, bei der wir draufzahlen.“ 

Tierärztin rät zu Tier-Krankenversicherung

Um die deutlich gestiegenen Kosten im Notfall abfangen zu können, rät Christin Voß zu einer Tier-Krankenversicherung: „Informieren Sie sich bei den Anbietern.“ Außerdem hat sie einen weiteren Tipp: „Mit gesundem Menschenverstand lässt sich oft schon abschätzen, ob es sich um einen Notfall handelt.“

Der Bundesrat hat am Montag der „Notdienst-GOT“ zugestimmt. Wird dieser Beschluss im Bundesgesetzblatt (www.bgbl.de) veröffentlicht, tritt er in Kraft – wahrscheinlich im Februar ist es soweit.

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