Würstesingen ist ein Höhepunkt des Dorflebens

Lange Tradition in Bonzel lebt immer wieder auf

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Dieses Bild zeigt die aktuellen Wurstesänger kurz vor ihrer „Arbeit“. 

Bonzel. Seit vielen Jahren pflegt die Bonzeler Dorfgemeinschaft den Brauch des sogenannten Würstesingens.

In jedem Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag machen sich wackere Bonzeler Burschen und Männer auf den Weg, um gemeinsam an den zahlreichen Haustüren ihr Lied zu singen.

Als Dank bekommen sie einen finanziellen Obolus und schenken ihrerseits einen hochprozentigen Tropfen aus.

Damals, so schildert Boris Bieke, fanden in fast jedem Haus noch Hausschlachtungen statt; so bekamen die Sänger von einst meistens eine Schlackerwurst, Mettwurst oder eine andere selbstgemachte Wurstspezialität an ihre mitgebrachte Mistgabel gehangen und ließen es sich nach erfolgreicher Arbeit gutgehen.

Das heißt, die Kalorienbomben wurden anschließend verzehrt und bei dem einen oder anderen Bierchen wurde oftmals bis in die Nacht gefeiert. Das Geld stellten die Burschen karitativen Zwecken zur Verfügung (beispielsweise der Kapellengemeinde). Schlussendlich profitierte davon der ganze Ort.

Die Vorfahren der heutigen Wurstesänger, wie si, noch im Anzug und mit Hut, vor dem Zweiten Weltkrieg um die Häuser zogen. Foto: Boris Bieke

Heutzutage geht es abschließend ins Hotel Kramer. Aber anstatt Grünkohl und Bratkartoffeln stehen Pommes und Bockwurst auf dem Speiseplan. Die Mistgabel ist auch heute noch mit dabei, jedoch werden nur noch wenige Würste angehangen, da Hausschlachtungen der Vergangenheit angehören. Nach wie vor sind viele Bonzeler Jungen mit Leib und Seele dabei, sogar Jugendliche aus Bilstein und Grevenbrück machen mittlerweile mit. Beim Weihnachtsfest 2016 waren 20 Sänger im Alter von 15 bis 30 Jahren dabei und stimmten das Lied unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden Lars Bieke an. Diese Tradition ist schon seit dem 19. Jahrhundert lebendig und wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Auf Neujahr rücken die Bonzeler noch einmal aus und singen folgerichtig das neue Jahr an. Verbunden mit der Hoffnung, dass dieses Gemeinschaftserlebnis noch viele Jahre Bestand haben wird, freut man sich bereits schon jetzt auf Weihnachten 2017.

Das Wurstelied

Der Herr kam gerien te schonen / van diäm Hiämmels Thronen / van diäm Hiämmels Kruizebrait / wo Guott der Herr sine Schmärten lait

Giät us eok diän Schnurrekopp / diäm deu Hoor sind iutgerofft

Giät us eok ne Mettewurst / deu stillet Hunger und maiket Durst

Giät nus eok diän Schinken / do konnt vi guett no drinken

Latt us nit te lange stohn / vi wellt neon'n Huisken widder gohn

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