Hospizkonzert vereint Orchester aus Schweden und Deutschland

Völkerverständigung mit Musik

5000 Euro überreichte Bernd Schablowski an Pastor Heinrich Schmidt und Martin Schäfer vom Hospizverein.

„Die, die heute nicht hier sind, verpassen etwas“, sagte Martin Schäfer, Geschäftsführer des Hospizvereins Lennestadt, in seiner Begrüßung zum 24. Hospizkonzert in der Sauerlandhalle. Er musste es wissen, hatte er doch das Konzertprogramm nach eigenen Angaben bereits am Vortag in der Bonner Beethovenhalle gehört. Und er sollte recht behalten. Denn beide teilnehmenden Orchester, das Marinemusikkorps der schwedischen Territorialverteidigung aus Göteborg und das Heeresmusikkorps Hannover, boten den Zuschauern etwa drei Stunden lang ein außergewöhnliches Konzerterlebnis.

Das Marinemusikkorps der schwedischen Territorialverteidigung bewies im ersten Konzertteil, dass es zurecht als eines der besten symphonischen Blasorchester Europas gilt. Rund und weich war der Klang des Orchesters, was auch an der Besetzung lag. Schließlich verwendeten die Schweden Euphonien und Kornette statt Tenorhörnern und Trompeten – in der deutschen Militärmusik eher unüblich. Die schwedischen Musiker brachten sogar ihre eigenen Komponisten mit. Denn drei der Werke, die die Schweden aufführten, stammten aus der Feder von Mitgliedern des Orchesters.

Hauptmann David Lundblad, Dirigent der rund 45 Musiker, schrieb das Eröffnungswerk, „Intrada Solemnis“, bei dem sich feierliche Fanfarenklänge mit lyrischen Passagen abwechselten.

Trompeter Fredrik Landgren komponierte das eher rockig daherkommende Stück „Fanfare and Tribute“.

„Elfborgsmarschen“, ein schwungvoller Marsch im 6/8-Takt ist eine Komposition der erst 20-jährigen Trompeterin des Orchesters, Martina Norén. Sie zeigte außerdem ihr Können am Instrument, als sie gemeinsam mit Anton Johannson (Waldhorn) als Solistin den ruhigen zweiten Satz aus Anders Soldhs „L’Intense Concerto“ zu Gehör brachte.

Dirigent verlässt die Bühne

Zu Begeisterungsstürmen rissen die Schweden das Publikum mit dem Stück „Ankan och hackspetten“ (Die Ente und der Specht) von Jerker Johannsson. Dabei entwickelte sich ein musikalischer Streit zwischen schnatterndem Kazoo (Ente) und klackerndem Woodblock (Specht). Als sich auch noch das Baritonsaxophon tief röhrend einmischte, ging es sogar so weit, dass der Dirigent die Bühne verließ – natürlich nur zum Spaß.

Doch was wären schwedische Musiker ohne ihre „musikalischen Wahrzeichen“, die Gruppe ABBA? Und so erklang als Zugabe im ersten Konzertteil das Medley „Abba Gold“ von Ron Sebregts,

Preußisch-zackig, wenngleich nicht weniger eindrucksvoll, war das Herresmusikkorps Hannover unter der Leitung von Oberstleutnant Martin Wehn. Ihr Eröffnungsstück im zweiten Konzertteil war der Marsch „Einzug der Gladiatoren“ von Julius Fucík – oft als Erkennungsmelodie von Zirkusvorstellungen genutzt. Bereits dabei zeigten die etwa 50 Musiker ihre ganze Bandbreite, von pompös-majestätisch bis locker-tänzerisch.

Tänzerisch ging es auch weiter beim Danzon No. 2 von Arturo Marquez, bevor ein Medley aus dem Musical „My fair Lady“ das Publikum zum Mitklatschen bewegte – inklusive der Evergreens „Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht“ und „Es grünt so grün“.

„Hussa! Horrido!“ von Hans Herzberg, ehemaliger Leiter des Heeresmusikkorps, beschloss den zweiten Konzertteil – passend zu diesem Jägermarsch wechselten die Trompeter des Orchesters ihr Instrument und spielten auf Fürst-Pless-Hörnern.

Gemeinsam bestritten die rund 100 Musiker der beiden Orchester den dritten Konzertteil. Nach dem schwedischen Marsch „Under blagul fana“ (Unter der blau-gelben Flagge) zeigte Ragna Seinecke, Hauptfeldwebel des HMK Hannover, musikalische Völkerverständigung: Sie sang „Gabriella’s Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ auf Schwedisch. Das führte beim stellvertretenden Landrat Dietmar Meeser zu Erinnerungen an seine eigene Wehrdienstzeit: „Allerdings haben meine Hauptfeldwebel nie so gut gesungen“ – Frauen waren seinerzeit noch nicht zur Bundeswehr zugelassen.

Mit Edward Elgars Werk „Pomp and Circumstance No.1“, bekannt von der „Last night of the Proms“ und dem Marsch „In Treue fest“ von Carl Teike endete das Konzertprogramm. Doch natürlich entließ das Publikum die Musiker nicht ohne Zugabe. So erklangen zum Schluss der Marsch „Alte Kameraden“ und die Nationalhymnen Schwedens und Deutschlands.

Der Hauptsponsor, die Sparkasse ALK, war natürlich nicht mit leeren Händen gekommen. Sparkassendirektor Bernd Schablowski überreichte einen Scheck über 5000 Euro an den Hospizverein.

Im kommenden Jahr feiern die Hospizkonzerte 25-jähriges Jubiläum. Und eines der teilnehmenden Orchester steht bereits jetzt fest: Das Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen. Die Bayern kommen bereits zum zweiten Mal nach 2004 nach Altenhundem. Deren Leiter, Oberstleutnant Karl Kriner, war eigens angereist, um das dem Publikum mitzuteilen.

Das zweite Orchester sollte eigentlich aus Ungarn kommen, sagte aber dann doch ab. Für Martin Schäfer, den Dietmat Meeser als „Mr. Hospizkonzert“ bezeichnete, kein Problem: „Natürlich haben wir einen Plan B. Und vielleicht will das Herresmusikkorps Hannover ja wiederkommen“. „Dann wären die Bayern das ausländische Orchester“, so Meeser.

Weitere Bilder vom Hospizkonzert finden Sie unter www.sauerlandkurier.de/galerien/d387bd1973e5c5d720eb590087831a70/?tx_yag_pi1[maingallery][galleryUid]=4&tx_yag_pi1[maingallery][albumUid]=1533&tx_yag_pi1[action]=submitFilter&tx_yag_pi1[controller]=ItemList

(Von Michael Sauer)

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