Verbraucherzentrale bietet Immobilienkäufern Beratung an

Wenn eigenes Haus zu teuer wird

Bieten in Altenhundem umfangreiche Beratungsangebote für Häuslebauer an (v.l.): Sylvia Rogall, Anne Szymczak, Anne Haumann und Adrian Rusin von der Verbraucherzentrale. Foto: Jaqueline Auerswald

Zwischen 120 und 140 Zwangsversteigerungsverfahren landen pro Jahr vor den Amtsgerichten in Lennestadt und Olpe – konstante Zahlen im Kreis in den letzten Jahren, sagt die Verbraucherzentrale NRW.

Hauptgrund dafür sei nicht etwa, dass Betroffene plötzlich ihren Job verloren hätten. Vielmehr hätten diese die Risiken der Finanzierung unterschätzt oder seien von Banken unzureichend beraten worden. Die Verbraucherzentrale wirbt daher nun verstärkt mit Beratungsangeboten für angehende und betroffene Immobilienbesitzer.

„20 Prozent unserer Insolvenzberatungen gehen auf Immobilienkäufe zurück“, erklärte Anne Hausmann, Beraterin in Sachen Schuldner- und Verbraucherinsolvenz in der Geschäftsstelle Altenhundem, am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz. Zwar seien die drohende Zwangsversteigerung und/oder Privatinsolvenz „sehr komplexe, rechtlich komplizierte und emotionale Themen“. Weshalb Häuslebauer sich schwer damit täten, Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Genau das sei allerdings der falsche Weg, so Hausmann: „Wer sich rechtzeitig beraten lässt, hat die Chance, mehr zu klären und die Krise kleiner zu halten.“

Privatinsolvenz als Chance für Neustart

Das gelang etwa einem jungen Ehepaar, das am Mittwoch von seinen Erfahrungen berichtete. Vor sieben Jahren hatten die beiden in städtischer Lage eine Doppelhaushälfte gebaut. Nach knapp drei Jahren mussten sie sich eingestehen, dass das Finanzierungskonzept nicht aufging – auch nicht durch Nebenjobs, die beide zusätzlich zum Hauptberuf ausübten. „Der Druck, das Gefühl des Versagens, war immens. Mit Lebensqualität hatte das nichts mehr zu tun“, berichteten die beiden Mittdreißiger. Für die beiden Kinder, heute vier und neun Jahre alt, sei nur wenig Zeit geblieben.

Die für die Finanzierung zuständigen Banken und die Bausparkasse drehten schnell den Geldhahn zu, rieten dem Ehepaar, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden. Stattdessen wandten sich beide an die Verbraucherzentrale, verkauften über einen Makler ihr Haus und wohnen jetzt in einem Mehrfamilienhaus zur Miete. Die Privatinsolvenz – es blieben Restforderungen der Bank übrig – betrachten beide heute als „Neuanfang“. „Die beiden haben es richtig gemacht, indem sie sich früh bei uns gemeldet haben“, sagte Adrian Rusin von der Verbraucherzentrale, der dem Ehepaar als Berater zur Seite stand. Banken und Bausparkasse hätten ein viel zu knapp bemessenes Finanzierungsmodell entwickelt. „Da war überhaupt kein Spielraum mehr, und das ist gefährlich. Es braucht ja nur die Heizungsanlage oder das Auto kaputtzugehen“, so Rusin. Zudem sei die niedrige Zinsbindung ein gefährliches Verkaufsargument. „Sobald diese Verträge auslaufen, steigen die Tilgungskosten und platzen reihenweise Finanzierungen“, erklärte Rusin. Der es als „Kardinalsfehler“ ansieht, wenn lediglich eine Beratung vor dem Kauf einer Immobilie in Anspruch genommen wird.

Auch bei der Verbraucherzentrale können sich angehende Häuslebauer gegen Gebühr beraten lassen – und genießen Rusin zufolge den Vorteil einer unabhängigen Beratung. In der Geschäftsstelle an der Hundemstraße 29 liegt demnächst kostenloses Infomaterial bereit, das Tipps rund um die Immobilienfinanzierung bis hin zum Verhalten bei einer drohenden Zwangsversteigerung gibt.

Zusätzlich zur offenen Sprechstunde vor Ort (montags von 14 bis 17 Uhr) bietet die Verbraucherzentrale am Donnerstag, 18. Juli, zu diesem Thema von 14 bis 17 Uhr eine telefonische Beratung unter der Rufnummer %  02723/7195715 an. (Von Sven Prillwitz)

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