Wenn die Kasse klingelt

Alte Registrierkasse ist das Exponat des Monats Oktober

Diese Registriekasse ist im Museum der Stadt Lennestadt in Grevenbrück zu sehen. Foto: Museum
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Diese Registrierkasse ist im Museum der Stadt Lennestadt in Grevenbrück zu sehen.

Grevenbrück. Ende August dieses Jahres wurde in Grevenbrück das Gebäude des ehemaligen Textilgeschäftes Steinhoff an der Kölner Straße 12 abgerissen. Das Museum der Stadt Lennestadt nimmt dieses Ereignis zum Anlass, einen Mittelpunkt dieses alten Geschäftes als „Exponat des Monats Oktober“ der Öffentlichkeit vorzustellen.

Es handelt sich um die alte Registrierkasse, die wohl um 1900 zur Erfassung des Geldverkehrs dort eingesetzt wurde. Sie war bis zum Jahre 1964 in diesem Geschäft ununterbrochen in Funktion. Leihgeber ist Franz-Josef Steinhoff aus Grevenbrück, der letzte Inhaber des Textilgeschäftes Steinhoff.

Die vorgestellte Registrierkasse stammt aus der Produktion der „Nationale Registrierkassen GmbH Berlin“, hergestellt etwa um 1900. Erfunden wurde die Registrierkasse im Jahr 1879 von James Ritty in Dayton, Ohio, USA. Dieser amerikanische Saloon-Besitzer fühlte sich von seinem unehrlichen Personal geplagt und erfand einen Kassenapparat, der jede Verkaufstransaktion registrierte. Er ließ sich das Gerät patentieren und gründete eine Fabrik. Die erste Registrierkasse war geboren. Im Jahr 1884 verkaufte Ritty das noch kleine Unternehmen an John H. Patterson. Er benannte die Firma um in „National Cash Register“.

Unter diesem Namen, später abgekürzt zu „NCR“, wurden die frühen Registrierkassen verkauft. Im Jahre 1896 gründete diese amerikanische Firma dann eine Niederlassung in Berlin. Die aus diesem Werk stammende hier vorgestellte Registrierkasse trägt die Modell-Nummer 1247723 und stammt aus der Modellreihe 442X. Das zunächst noch sehr einfache System wurde in den darauffolgenden Jahren stetig verbessert. John H. Patterson fügte zum Beispiel die Kassierrolle mit Papierbelegausgabe hinzu.

Eine Besonderheit ist die Marmorplatte

Der Kern der Erfindung war die Bargeldschublade, die sich nur zum festgesetzten Zeitpunkt mit dem für die Registrierkasse typisch gewordenen Klingelgeräusch öffnete. Diese antiken Registrierkassen bestehen neben der Geldschublade generell noch aus dem Bedienfeld mit Tasten, Drehkurbel und der Betragsanzeige.

Neben den Tasten für die Mark- und Pfennigbeträge gibt es noch Tasten für „Kein Verkauf“, „Bez.Rechnung“, „Credit-Verkauf“ und „Ausgabe“. Unterschiedliche Stile wurden bei der Produktion der Registrierkassen verwendet. Die hier präsentierte Kasse ist in einem reich verzierten Reliefdruck im Jugendstil-Design hergestellt. Das Oberteil der Kasse besteht aus massivem Metall, insbesondere aus Bronze. Die Kassenlade ist allerdings aus Holz. Auf diesem Unterbau steht fest verankert das Gerät. Das Gewicht beträgt ca. 80 kg.

Eine Besonderheit dieser Registrierkasse ist die Marmorplatte auf der Kassenlade. Diese diente der Echtheitsprüfung der Geldmünzen. Da seinerzeit viele Falschmünzen im Umlauf waren, konnte man die Münzen auf dieser Platte springen lassen und hörte dann am Klang, ob es sich um echte Münzen handelte. Unterhalb des Tastenfeldes befindet sich eine Klappe, die genau wie die Geldschublade nur mit einem Schlüssel zu öffnen ist. Hier konnte der Kaufmann bei Rechnungsabschluss die gesamten addierten registrierten Beträge ersehen, die vorhanden sein mussten. Ebenfalls nur mit einem Schlüssel zu öffnen sind zwei Klappen inmitten des Tastenfeldes. Hier sind unter anderem die Anzahl der getätigten Geschäftsvorfälle ersichtlich.

Die Registrierkasse wurde um 1900 im Textilgeschäft Steinhoff in Förde erstmals eingesetzt. Gegründet wurde es etwa 1880 von Heinrich Steinhoff, geboren um 1852 in Förde. Zuvor hatte er an der Kölner Straße diesen wuchtigen großen Ziegelbau errichtet, der kürzlich dem Bagger zum Opfer fiel. Heinrich Steinhoff war es, der sich um 1900 zum Kauf dieser Registrierkasse, die damals eine technische Revolution war, entschied. Nach seinem Tod 1928 erbte sein Bruder Theodor das Geschäft. Dieser setzte wiederum seine Tochter Franziska als Nachfolgerin fest.

Nach deren Tod 1964 übernahm Franz-Josef Steinhoff, geb. 1935 die Führung des Textilgeschäftes. In dem Textilgeschäft Steinhoff wurden seit jeher Stoffe für Kleider und Anzüge, sowie Betten und Bettwaren, dazu Bett- und Tischwäsche, ferner Trikotagen und Kurzwaren verkauft. Franz-Josef Steinhoff entschloss sich 1978, das Geschäft zu schließen, da er nach der Neugründung der Stadt Lennestadt mit Altenhundem als Hauptschwerpunkt keine Perspektiven mehr für ein Geschäft dieser Art in Grevenbrück sah.

Info: Zu sehen ist diese nostalgische Registrierkasse im Museum der Stadt Lennestadt am Sonntag, 2. Oktober, von 14 -17 Uhr. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 -12 und 14-18 Uhr geöffnet. Der Eintritt in das Museum ist frei. 

(Walter Stupperich)

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