„Willkommen in Lennestadt“

Bürgerversammlung in Meggen informiert zur Flüchtlingssituation

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Bürgermeister Stefan Hundt konnte 350 interessierte Bürger in Meggen begrüßen. 

Meggen. Wie ist die Situation der Flüchtlinge in Lennestadt? Welche aktuellen Zahlen gibt es? Wie sieht es mit der Kriminalität in Zusammenhang mit den Zuwanderern aus? Was kann der Einzelne tun, um zu helfen? Etwa 350 Lennestädter kamen am vergangenen Mittwoch zur Bürgerversammlung in die Schützenhalle Meggen. Thema war die Situation der Asylbewerber in der Stadt Lennestadt.

Die Bürger sollten umfassend informiert und auf den neuesten Stand gebracht werden. Als Referenten kamen Thomas Meier, zuständig für Steuerung und Unterbringung der Asylbewerber, Petra Peschke-Göbel, Federführung, Integration und ehrenamtliche Hilfe, Thomas Wendel von der Bundesagentur für Arbeit und Polizeidirektor Diethard Jungermann.

Doch zunächst stellte Bürgermeister Stefan Hundt die aktuelle politische Situation dar. 10.000 Euro pro Flüchtling und Jahr waren als Zahlung vom Land angekündigt. Bei anzunehmenden 800 Flüchtlingen in 2016 hätte diese Summe in etwa die Kosten der Unterbringung gedeckt. Nun erhält die Stadt Lennestadt aber nur 3,8 Millionen Euro vom Land. (DerSauerlandkurier berichtete).

Für den Haushalt bedeutet dies eine Deckungslücke von weiteren 1,8 Millionen Euro. Im Rat wurde deshalb eine Überlastungsanzeige beschlossen. Die Stadt Lennestadt erklärt, sie sei nicht in der Lage, weitere Flüchtlinge aufzunehmen.

Derzeit leben 585 Asylbewerber im Stadtgebiet. Vorzugsweise dezentral in städtischen oder angemieteten Wohnungen untergebracht. 32 Nationalitäten – die Menschen aus Syrien stellen mit 175 die größte Gruppe, gefolgt von Afghanistan mit 68 und dem Irak mit 47 Personen.

Seit Januar hat die Stadt Lennestadt keine neuen Zuweisungen bekommen, momentan sind die Ballungsräume an der Reihe. Im Gegensatz zu den ländlichen Kommunen haben sie ihre Quote bei weitem nicht erfüllt. Die Verwaltung rechnet ab Mitte März mit neuen Zuweisungen.

Unter den Asylbewerbern sind 167 Kinder, die größte Gruppe ist im Alter bis sechs Jahre. Es haben Gespräche mit Arnsberg stattgefunden, demnach können Grundschulklassen auch im laufenden Schuljahr bei Bedarf geteilt werden. „Besonderes Augenmerk liegt hier auf den Grundschulen Grevenbrück und Altenhundem“, so der Bürgermeister.

Petra Peschke-Göbel erläuterte die Schulsituation. An der Anne-Frank-Hauptschule in Meggen wurden zwei Förderklassen mit unterschiedlichem Niveau für die Jugendlichen bis 16 Jahre eingerichtet. Die Lehrer haben ein Testverfahren entwickelt, das nach Alter und Leistung differenziert. Danach erfolgt die Zuordnung zu den unterschiedlichen Schulformen. Auch im Berufskolleg gibt es zwei Förderklassen für Jugendliche ab 17 Jahre. Sie können den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 erlangen.

Die Bereichsleiterin wies nochmals auf die caritativen Einrichtungen wie Kleiderkammer, Warenkorb und Förderband hin und betonte, dass diese Angebote nicht nur Flüchtlingen offen stehen.

In der Möbelbörse des Förderbandes in Elspe sind sechs Flüchtlinge beschäftigt und beziehen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Etwa 20 bis 30 Personen unterstützen im gesamten Stadtgebiet die Ortsreinigung, als Hausmeistergehilfen oder Praktikanten bei sozialen Trägern. Etwa 20 Personen unterstützen den Bauhof der Stadt Lennestadt, bis zu 17 Asylbewerber engagieren sich in verschiedenen Initiativen, koordiniert durch Helferkreise im Veischedetal.

Zur Perspektive auf dem Arbeitsmarkt gab Thomas Wendel von der Bundesagentur für Arbeit Auskunft. Zu Beginn ihres Aufenthalts gilt noch ein Arbeitsverbot für die Asylbewerber. Ab dem vierten Monat haben sie einen nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt, das heißt, die Arbeitsagentur muss prüfen, ob die Stelle nicht auch durch einen berechtigten Arbeitnehmer besetzt werden kann. Anerkannte Flüchtlinge haben dann unbegrenzten Zugang zum Arbeitsmarkt. Als zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge und Asylbewerber wurden sogenannte „Integration Points“ eingerichtet. Die App „Ankommen“ begleitet die Flüchtlinge in den ersten Wochen.

Polizeidirektor Diethard Jungermann gab einen umfassenden Lagebericht der Polizei zur Einschätzung der Sicherheitslage im Zusammenhang mit der Flüchtlingssituation – und räumte dadurch mit einigen Vorurteilen und Ängsten auf.

Im Anschluss an die Vorträge konnten sich die Bürger noch an verschiedenen Thementischen bei den zuständigen Verwaltungsmitarbeitern und Ehrenamtlern über ehrenamtliche Hilfsmöglichkeiten informieren.

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