Wunderliche Wesen

Dirk Mende und Sibylle Wahl eröffneten die Ausstellungen in den Galileo-Pyramiden. Foto: Inge Schleining

Im Galileo-Park Meggen kann man noch bis zum 4. April "Wesen aus einer anderen Raumzeit" bewundern, am Sonntag wurde die Ausstellung mit Gemälden, Zeichnungen, Radierungen und Skulpturen offiziell eröffnet. Erschaffen wurden diese Wesen von dem Künstler Jochen Wahl, geboren 1942 in Tübingen, verstorben 2007 in Obersulm.

Zur Eröffnung waren die Witwe des Künstlers Sibylle Wahl und der Literaturwissenschaftler Dr. Dirk Mende, langjähriger Freund und Wegbegleiter von Jochen Wahl angereist.

Dirk Mende gab eine unterhaltsame Einführung in das Werk seines Freundes, in der er zunächst einmal die Zuhörer gehörig erschreckte.

So kündigte er eine umfassende Abhandlung der gesamten Kunsthistorie an, von ersten paläontologischen Funden bis zu historischen Werken wie der "Venus vom hohlen Feld". Doch "ätschegäbele, ätschegäbele", wie der Schwabe zu sagen pflegt, damit wollte er die Zuhörer nur auf's Glatteis führen. Statt sie "mit Fachvokabular zu zuschwallen" gab er den Besuchern Fragen an die Hand, mit denen jeder Kunstinteressierte eine Ausstellung erleben kann. "Was sehe ich?", "Was sehe ich nicht?", "Was sagt der Titel?" Wunderliche Wesen, befremdlich und doch vertraut, mal in Bewegung, mal im Stillstand, keine Hintergründe, keine Landschaften, isolierte Wesen.

Der Besucher soll mit offenen, interessierten Augen "auf all diese Wunderlichkeiten achten". "Woraus ist es gemacht?", "Wie ist es gemacht?", Jochen Wahl war handwerklich brillant und hat all seine Radierungen und Drucke selbst hergestellt, "weil keiner es besser kann". Die Plastiken sind aus Stein, Holz, Leder, Textil, Wachs, Glas, Gips, Metall, Kunststoff und Bein. Mende: "Entdecke ich Knochenplättchen, habe ich immer noch den Geschmack von Jochens kräftiger Fleischsuppe auf der Zunge".

Um an Material für seine Skulpturen zu kommen kochte Wahl literweise Fleischbrühe, kochte die Knochen aus, grub sie ein, grub sie wieder aus und bleichte sie. Aber das ist nur ein kleiner Teil seiner großen Vielfalt.

Läufer, Maskenträger, Gewappnete und Gepanzerte, Wächter und Schutzgeister, Narren und Zauberer sind noch bis zum 4. April in Meggen zu Gast und laden Experten und Laien zu einem phantasievollen Ausflug in den Surrealismus ein.

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