Zeichen der Trauer

Haarbilder wurden hergestellt, indem man dem oder der Verstorbenen eine Strähne ihres Haares abschnitt und in höchst kunstvoller Weise in Form von Landschaftsgemälden oder Ornamenten anordnete.

Schon seit Jahrhunderten steht der Monat November im Zeichen der Trauer um die verstorbenen Familienangehörigen. Das Museum der Stadt Lennestadt schließt sich auch in diesem Jahr wieder diesem Brauch an und wählte als "Exponat des Monats November" ein ganz individuelles und spezielles Erinnerungsstück aus dem 19. Jahrhundert an eine verstorbene Person.

Es handelt sich bei diesem Erinnerungsstück um ein Haarbild. Haarbilder nennt man Bilder, die meist aus menschlichen Haaren hergestellt wurden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren solche Haarbilder sehr beliebt, kaum jemand wurde davon unangenehm berührt. Ganz im Gegenteil.

Man schätzte sich glücklich, wenn man zumindest noch irgendein authentisches Andenken von einem geliebten Verwandten bewahren konnte.

Das Haarbild als Reliquie

Haarbilder gehören zum Bereich der Sepulkralkultur. Diese umfasst die Kultur des Todes, des Sterbens, des Bestattens sowie des Trauerns und kann im weitesten Sinne auch als Trauer- und Begräbniskultur verstanden werden. Man kann diese Haarbilder auch als reliquienhafte Memorial-Artefakte bezeichnen.

Man stellte die Haarbilder her, indem man dem oder der Verstorbenen eine Strähne ihres Haares abschnitt und in höchst kunstvoller Weise, wie auch hier zu sehen ist, in Form von Landschaftsgemälden oder Ornamenten anordnete. Sie waren ein beliebter Wandschmuck in bürgerlichen Wohnräumen. Man bewahrte auf diese Weise Haare von nahestehenden Personen auf als Andenken an besondere Ereignisse wie Taufe, Hochzeit oder Tod eines geliebten Menschen. Die Herstellung erfolgte in Handarbeit von Perückenmachern, Barbieren, Nonnen, Näherinnen oder sonstigen künstlerisch begabten Frauen. Die Haararbeiten sind gewoben, geflochten oder geklöppelt.

Das vorgestellte Haarbild befindet sich in einem verglasten Schmuckkasten mit Schellack-Rahmen, der eine Größe von 283 x 340 mm und eine Tiefe von 50 mm besitzt. Dieses Kästchen ist ausgeschlagen mit Seidenstoff und innen rundherum mit einer Goldlitze versehen. Das Haarbild selbst zeigt eine Trauerweide, die sich über ein auf einem Sockel aufgerichtetes Kreuz neigt. Darunter befindet sich der Name und das Datum des Todes der Verstorbenen.

Erinnerung an Johanna Schaefers

Dieses Haarbild wurde gefertigt zur Erinnerung an Johanna Schaefers, gestorben am 22. September 1893. Sie wurde 1876 geboren als Tochter des Ludwig Schaefers und seiner Ehefrau Maria Richard-Göbeln aus Fleckenberg und starb im Alter von nur 17 Jahren. Die Verstorbene war eine Verwandte von Hildegard Stens geb. Schaefers aus Grevenbrück, der Leihgeberin dieses Haarbildes.

Zu sehen ist dieses Erinnerungsstück im Museum der Stadt Lennestadt am Sonntag, 4. November, von 14 bis 17 Uhr; auch während der wöchentlichen Öffnungszeiten dienstags von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 9 bis 12 Uhr, 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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