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Caritas Konferenzen und Nachbarschaftsprinzip in Gefahr

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Mechthild Tilke (Fachdienst Koordination Caritas Dekanat Südsauerland) und Barbara Rinscheid (Caritas Bamenohl/Weringhausen) tauschen ihre Ehrungen im Dienst der Hilfe aus. 

Kreis Olpe. Der Wandel der Gesellschaft bringt neue Strukturen hervor. Wer sich den Zeichen der Zeit stellt, kann das Tor der neuen Perspektiven öffnen. Auch die Caritas, die sich seit 1897 für Menschen in Not und am Rande der Gesellschaft stark macht, muss das erkennen. So löste sich vor einigen Wochen die Caritas-Konferenz in Finnentrop komplett auf.

3500 Einwohner – aber keine ehrenamtlichen Caritasmitarbeiter. „Traurig.“ So lautet der Kommentar von Mechthild Tilke, die als Caritaskoordinatorin weiß, wovon sie spricht. Die Frau vom Fachdienst gilt als Ansprechpartnerin für 60 Caritaskonferenzen des Dekanats Südsauerland, das den kompletten Kreis Olpe umschließt. Rund 750 Mitarbeiter sind in den Konferenzen, den „Netzwerken der Hilfe“ ehrenamtlich tätig.

Mechthild Tilke weiß um die Probleme und somit um den Fortbestand der Konferenzen in den Dörfern. „Wir müssen frühzeitig nach vorne blicken. Ich höre oft, dass es momentan noch geht. Unsere vorwiegend weiblichen Mitarbeiter werden älter, wir müssen dringend junge Leute an die Caritas heranführen. In Finnentrop gab es das Problem, das ältere Mitarbeiter keine neuen Wege gehen wollten. Wir müssen mehr projektbezogen arbeiten, sonst werden uns weitere Konferenzen wegfallen.“

Dass es auch anders geht, beweist wenige Meter Lenne aufwärts die Caritaskonferenz Bamenohl/Weringhausen, die aktuell 38 ehrenamtliche Mitarbeiter aufweisen kann. Barbara Rinscheid, die den wohlwollenden Einsatz im siebenköpfigen Vorstandsteam koordiniert, profitiert von der Ernte, die 1975 zu reifen begann. Damals gründeten Pfarrer Bernhard Krause und Marie-Luise Willeke die Caritaskonferenz.

Marie-Luise Willeke wurde seit dem zum Markenzeichen für die Caritas, auch über die Kreisgrenzen hinaus. Am Freitag, 4. März, wird mit der engagierten Frau ein Meilenstein der Caritas offiziell aus der Vorstandsriege verabschiedet. „Wir müssen den eingeschlagenen Weg weiter gehen; mehr zeitlich begrenzte Aufgaben schaffen und entdecken, wo es hapert.“

Harsche Kritik an „Protzbischof“

Dass es aber auch an anderer Stelle „hapert“, haben ehrenamtliche Mitarbeiter bei Haussammlungen von abgeneigten Spendern erfahren. Die geben oft „Protzbischof“ Tebartz -van Elst und sein verschwenderischen Umgang mit Kirchengeld als Grund für ihre harsche Kritik. Spannungen zwischen Amtskirche und Lebenswirklichkeit, die Ehrenamtliche an den Haustüren ausbaden. Dabei bleibt der größte Teil aus dem Erlös der Caritas Sammlungen vor Ort und kommt eigenen, sozialen Projekten zu Gute. Dem Familienvater, der seinen Sohn aufgrund von Geldmangel nicht im Heim besuchen kann. Der Familie mit sechs Kindern, die keine Koffer für die Fahrt ins Schullandheim hat. Oder der Frau, die sich nach ihrer Scheidung einfach nur mal „ausheulen“ will und ihren Kindern zu Weihnachten endlich Fahrräder schenken will. Caritas vor Ort ist vielfältig. Caritas ist auch, einen Einsamen zu besuchen oder einen Trauernden beim Gang auf den Friedhof zu begleiten. Caritas in den Dörfern umzusetzen bedeutet auch, Beratung und Information zu sozialen Fragen und Unterstützung bei privaten Problemen.

Mechthild Tilke erinnert die vielfältige Hilfe an das einstmals funktionierende Nachbarschaftsprinzip und baut auf neue Mitarbeiter. „Früher wusste man, wo der Wurm drin steckte. Wir müssen wieder mehr wahrnehmen, was um uns herum passiert. Was kann ich im eigenen Ort machen? Wo ist Not? Hier sind die Konferenzen in den Dörfern unseres Dekanats gefragt. Das muss doch auch ein Anreiz für junge Menschen sein.“

Barbara Rinscheid berichtet von Glücksmomenten. Wenn wir helfen, bekommen nicht den gleichen Wert zurück. Wir bekommen etwas qualitativ viel Hochkarätiges: Ein Lächeln!“

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