"2-Klassen-Pflege verhindern"

Sauerlandkurier-Chefredakteur Torsten-Eric Sendler moderierte die Veranstaltung, an der Meinolf Zeppenfeld (l.), Hilde Mattheis und Petra Crone (am Rednerpult) teilnahmen. Fotos: harpo

Die Gesellschaft altert. Waren 2009 2,27 Millionen Bundesbürger pflegebedürftig, sind es 2050 bereits doppelt so viele. Und Ende 2014 droht der Kollaps der sozialen Pflegeversicherung. So die SPD.

Wie aus Sicht der Sozialdemokraten gegengesteuert werden kann, darüber informierten und diskutierten am Dienstag im Oberveischeder Hotel Sangermann auf Einladung von MdB Petra Crone ihre Fraktionskollegin Hilde Mattheis (Pflegepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion) und Meinolf Zeppenfeld, Fachdienstleiter für finanzielle soziale Hilfen des Kreises Olpe. Moderiert wurde die Veranstaltung mit dem Titel "Quo vadis, Pflege", von SauerlandKurier-Chefredakteur Torsten-Eric Sendler.

Zwei Drittel aller Menschen werden im häuslichen Umfeld gepflegt, von ihnen wiederum zwei Drittel durch direkte Angehörige; sie tragen die Hauptlast. "Gute Pflege braucht Solidarität", so die These der beiden Genossinnen.

Gute Pflege als Standortfaktor

Das Thema Pflege sei aber "noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen", leitete Hilde Mattheis die Diskussion ein: "Wir müssen eine Zwei-Klassen-Pflege verhindern, hierbei stoßen wir auch auf breite Zustimmung in der Bevölkerung."

Sechs Milliarden Euro, so die gebürtige Finnentroperin, werde die Sicherung der Pflege kosten, vier davon sollen nach SPD-Ansicht aus "Ausgleichszahlungen der privaten an die soziale Pflegeversicherung" finanziert werden. Mattheis: "Die Privaten haben ein wesentlich geringeres Risiko, pro Versichertem wenden sie per anno 60 Euro auf, die Sozialen hingegen 241 Euro." Die fehlen zwei Milliarden Euro gelte es mit Beitragserhöhungen von derzeit 1,95 Prozent über 2,3 (2020) auf 2,5 Prozent ab 2030 zu refinanzieren.

Ferner, so die Politikerin, müsse "vor Ort geplant" der Aufbau einer Pflege-Infrastruktur mit enger Verzahnung "vom Ehrenamt bis zur professionellen Pflege" in Angriff genommen werden. "Gute Pflege - Stichwort: ,Hier kann ich alt werden' - ist ein echter Standortfaktor für Kommunen."

Das Image der Pflege verbessern

Ein großes Anliegen Petra Crones ist die Image-Aufwertung der Pflegeberufe: "In Deutschland ist jemand, der an Autos rumschraubt, besser angesehen, als jemand, der mit Menschen arbeitet." Es müsse besserer Verdienst sowie eine bessere Vereinbarkeit von häuslicher Pflege einerseits, und dem Beruf andererseits angestrebt werden. Zur weiteren Attraktivitätssteigerung will sie auch eine teilweise Akademisierung des Berufsstandes erreichen: "Es geht nicht darum, dass Pflegerinnen und Pfleger studieren, aber es müssen Hochschulstudien für zum Beispiel Pflegemanagement und anderes angeboten werden."

Großes Lob erhielten Meinolf Zeppenfeld und der Kreis Olpe: In der heimischen Region liegt die Quote der häuslichen Pflege bei 74, statt bei bundesweit 69 Prozent; als einer der ersten Kreise in NRW richtete der Kreis bereits Anfang 2010 drei Pflegestützpunkte ein, und in sechs der sieben Kommunen sind "örtliche Ansprechstellen" für pflegende Angehörige eingerichtet.

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