Austausch der Generationen

Interview mit Ehrenamtskoordinatorin Christina Drüeke zum jungen Ehrenamt im Seniorenzentrum

Sie schenkt den älteren Leuten gerne Zeit und Freude: Nina engagiert sich seit zwei Jahren im Seniorenhaus Gerberweg. Sie hilft bei Veranstaltungen und besucht regelmäßig einige Bewohner.

Olpe – Um jeden Tag für die Bewohner im Caritas-Zentrum lebenswert zu gestalten, gibt es verschiedene Betreuungangebote, zu denen auch die Kooperation mit verschiedenen Institutionen wie Kindergärten und Schulen gehört. Christina Drüeke, stellvertretende Leitung Sozialer Dienst und Ehrenamtskoordinatorin, erläutert im Interview, wie wichtig besonders das junge Ehrenamt für Mitarbeiter und Bewohner ist und wie Jung und Alt voneinander profitieren können.

Welche Projekte zwischen Senioren und Kindern bzw. Jugendlichen gibt es im Caritas-Zentrum?

Wir haben die Kooperation mit dem St.-Martinus-Kindergarten in Olpe. Seit anderthalb Jahren läuft das sehr eng, wir haben eine Patenschaft gegründet. Die Vorschulkinder kommen jede zweite Woche immer freitags zu Besuch. Das ist eine Gruppe zwischen 10 und 15 Kindern. Zum Beispiel kamen sie vor kurzem mit ihren Martinslaternen vorbei und haben mit den Bewohnern Lieder gesungen. Die basteln zusammen, die spielen gemeinsam, die kegeln gemeinsam. Das Highlight war letztes Jahr, als die Schulkinder nach einem Jahr verabschiedet wurden. Da haben die Bewohner im Vorhinein ganz viele liebevoll gestaltete Schultüten gebastelt mit Bildern von Jung und Alt, von den Aktivitäten und sehr privaten Dingen. Das zeigt, dass sich eine starke Bindung entwickelt hat, obwohl sie sich „nur“ jeden zweiten Freitag gesehen haben. 

Dann gibt es noch die Kooperation mit der St. Franziskusschule in Olpe mit dem Projekt „Wir sind’s“. Im Moment haben wir 25 junge Ehrenamtliche, was sehr viel ist. Allein dieses Jahr haben 16 neue Jugendliche angefangen, völlig ohne Berührungsängste. Die kommen ab der 8. Klasse zu uns. Welche kommen jede Woche, welche kommen einmal im Monat und wir haben auch welche, die unregelmäßig zu verschiedenen Aktionen kommen. Wenn die Schüler aus der Schule entlassen werden, ist das Projekt offiziell beendet. Einige sind danach zu uns gekommen, sie sagten: ,Ich möchte das eigenständig weiter machen‘. 

Christina Drüeke, Ehrenamtskoordinatorin.


Inwiefern profitieren Jung und Alt dabei voneinander? 

Die jungen Menschen profitieren zum einen, weil sie erleben können, wie das ist, wenn man älter wird. Es gibt ja verschiedene Formen. Der eine lebt zuhause, der andere stirbt früh, der andere lebt noch 20 Jahre im Altenheim, der andere ist völlig dement. Für die jungen Menschen finde ich das ganz wichtig zu sehen: Was kann mir passieren? Wie gehe ich damit um? Respekt vor dem Alter zu haben, finde ich sehr wichtig. Ich merke ganz oft, dass Leute, die hier hinkommen – zum Beispiel Praktikanten – diesen Respekt nicht haben. Die gucken nur noch auf ihr Handy. Dass dieser Mensch 95 Jahre alt ist und einen Weltkrieg erlebt hat – vor dem hat man Respekt. Die jungen Ehrenamtlichen, die hier hin kommen, auch die Kindergartenkinder, lernen: Es gibt das Altenheim, was wird da gemacht, wie leben die da. Sie verlieren die Berührungsängste. 

Und die alten Menschen blühen hier auf. Sobald hier ein Kind diese Einrichtung betritt, sieht man das Strahlen in den Augen. Die sind überglücklich. Selbst die demenziell total veränderten Menschen oder die, die oft nur dahin dösen am Tag, sind dann vielleicht für zehn Minuten wach und können diese Begegnung genießen. Generationsübergreifender Austausch ist für beide Seiten wertvoll. 

Stichwort ehrenamtliche Arbeit – wie wichtig sind die jungen Helfer? 

Das junge Ehrenamt ist sehr, sehr wichtig. Es geht nicht mehr ohne. Wir vom Sozialen Dienst sind auf die jungen Ehrenamtlichen angewiesen: Der Damenbrunch, Kegeln, Bingo – alle größeren Angebote, die wir regelmäßig veranstalten – werden von einem oder zwei jungen Ehrenamtlichen begleitet. Wenn die jungen Mädels oder Jungs nicht da sind, dann fällt das auch meistens ins Wasser, weil wir das alleine nicht stemmen können. Es gibt viele Personen, die keine Familie mehr haben. Die wirklich alleine sind. Wenn dann junges Ehrenamt kommt und sie besucht, haben sie sozialen Kontakt und leben nicht ganz so in Isolation. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Was ich merke: Obwohl die Ehrenamtlichen sehr engagiert sind – lässt in der heutigen Gesellschaft oft die Verbindlichkeit oder Zuverlässigkeit bei den jungen Menschen einfach nach. Dann sagen sie fünf Minuten vorher ab. Das ist ein Wandel der Gesellschaft – möglichst unverbindlich, möglichst flexibel, möglichst wild und frei muss das sein: ,Ich möchte mich nicht so viel binden.’

Deswegen würde ich mir wünschen, dass die Verbindlichkeit sich nicht so verändert. Dass die jungen Menschen auch so kreativ bleiben, Ideen haben und motiviert sind und vor allem keine Berührungsängste haben mit dem Alter. Und einfach den Respekt vor dem Alter nicht aus den Augen verlieren.

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